Es gibt so einige Sachen in denen ich nicht besonders gut bin und eine davon ist “sich danach erkundigen wie es jemandem geht den ich besonders mag”. Ich bin im richtigen Leben schlecht in dieser Fertigkeit und online um einiges mieser, wie es aussieht.
Dabei arbeite ich in einem Beruf, in dem man sich vordringlich mit anderen Menschen und deren Problemen beschäftigt.
Man will und muss sich um seine Lieblingsmenschen kümmern, besonders wenn es ihnen gar nicht gut geht. Aber ich… ich ertappe mich manchmal dabei, wie ich versuche Abstand zu halten. Schließlich ziehe ich mich ja selbst eher zurück, wenn es mir mies geht – was keine Entschuldigung sein kann. Wenn es jemandem nicht so gut geht, fällt es mir schlicht nicht leicht das Thema darauf zu lenken. Ich glaube nicht einmal dass ich ein schlechter Zuhörer bin, aber den Anfang zu machen, das ist nicht leicht für mich. Ich ziehe mich dann gern mal auf die sichere Warte “Der oder die meldet sich schon, wenn es wirklich etwas gibt”. Oder: “Da muss man Respekt haben.” Oder: Es macht mir gerade jetzt einfach so viel Freude, mit diesem Menschen zu sprechen, dass ich nicht auf schlimme Sachen oder Sorgen zu sprechen kommen will.” Oder, oder, oder. Es gibt nicht wenige Ausflüchte. Die Gelegenheiten kommen und dann sind sie vorüber.
Wie so oft denkt man schon einige Schritte weiter: Was, wenn mir mein Lieblingsmensch etwas erzählt, zu dem ich einfach nichts erwidern kann – was tue ich da, wenn ich nur Text zur Hand habe?
Ich kann den Menschen nicht einfach still anschauen oder den Kopf senken. Ich kann “Das tut mir leid”, “Das trifft mich sehr” oder “ich bin sprachlos” oder wenigstens “…” schreiben, aber das fühlt sich so unendlich hohl und ärgerlich an, dass ich solche Momenten einfach fürchte. Kein Wunder, wenn der Gegenüber sich verletzt fühlt oder wütend wird. Ich weiß das schon, wenn ich anfange zu tippen – irgendetwas zu schreiben: Es ist falsch. Aber einfach gar nichts zu antworten, ist das schlimmer? Ich wünschte, ich könnte darauf eine Antwort geben, aber ich kenne keine. Schon gar nicht will ich die ganzen ach so wundervollen Werkzeuge der professionellen Gesprächsführung auspacken, mit denen man sich so hübsch aus jeder unangenehmen Situation herauswinden kann – eine Situationen, die einen berühren könnte. Mit Verlaub: Die ganzen Kunstgriffe kotzen mich an.
Ich bin nicht so kalt oder desinteressiert und die Vorstellung, dass manche so von mir denken mögen. Nur hilflos und das Gegenteil von hilflos und desinteressiert… und kalt.
Mehr denn je wünsche ich mir, diese ganz besonders lieben Leute in solchen Augenblicken ganz nah bei mir zu haben. In Momenten, die keine Worte brauchen, Augenblicke die keine Worte vertragen.
Einfach zuzuhören und spüren lassen, dass es einen eben nicht kalt lässt was da erzählt wird. Auch wenn einem die Worte nicht einfallen wollen, die passen. Wenn es keine Worte gibt, die passen.