Der Gorgmorgische Präsident in: Die geheimnisvolle Grußkarte

Letzte Woche hatte ich Geburtstag und dazu erhielt ich auch diese Grußkarte, mit einem schön kalligraphierten Spruch auf der Rückseite und meiner alten Adresse in Hüllhorst. Es fehlte allerdings jeder Hinweise auf den Absender – ich vermute mal, die Absenderin; die Handschrift sieht für mich weiblich aus. Nun rätsel ich schon seit Tagen, wer mir wohl etwas in der Art schicken könnte und nicht meine aktuelle Adresse kennt. Jemand aus uralter Vergangenheit?

Meld dich doch mal. Ich bin wirklich neugierig.

(Übrigens, dass die Karte so interessant vor dem Hintergrund meiner hölzernen Obstschale aussieht – das ist reiner Zufall.)

Teilhabe am modernen Leben beeinträchtigt


Als Kind habe ich mir einmal den Arm gebrochen und das hat mich schon enorm gestört. Nicht nur tat das ganz schön weh; der eingegipste linke Arm war sehr schwer und obwohl ich nur vom Schulsport befreit war, konnte ich kaum alles Wichtige erledigen, was man so als Grundschüler zu tun hat: Auf Bäume klettern, das Lineal beim Zeichnen festhalten, Frösche fangen oder jemanden durchkitzeln. Man könnte sagen, dass meine Lebensqualität entschieden eingeschränkt war.

Nun habe ich einen ausgesprochen faulen Urlaubssonntag hinter mir und an diesem Tag habe ich mir nur ganz leicht mit dem Brotmesser in den kleinen Finger geschnitten. Diese Brotmesser hat wohl etwas gegen mich, denn es hat schon einmal mein Blut gekostet, als ich nämlich mit einem 9jährigen Hamburgerbrötchen durchschneiden wollte. Aber das ist eine ganz andere Geschichte und das Messer ist gar nicht so wichtig, auch nicht das Blut – vielmehr ist es das kleine Pflaster um den kleinen linken Finger. Derzeit kann ich die flache Macbook Tastatur nur eingeschränkt handhaben, denn immer wieder komme ich mit dem nun ungelenken Kleinfinger auf die falschen Tasten und muss mich als zeitweilig tippeingeschränkt einordnen. Eigentlich gar nicht so anders, als ein kleiner Junge mit Gipsarm, oder? Man ist nicht wirklich behindert, aber man kann nur noch mühsam all den täglichen Erledigungen nachkommen. Diese Erledigungen bestehen aus… Dateneingaben und tatsächlich nicht viel mehr.

Je länger man darüber nachdenkt, desto alberner kommt es einem vor. Früher habe ich einfach mehr unterschiedliche Sachen gemacht. Damals, vor dem Internet.

Außerdem gehörte damals mindestens ein sichtbares Pflaster irgendwo am Körper unbedingt zum normalen Erscheinungsbildes eines Dorfkindes. Es war ein echtes Fashion-Statement und heute hindert es mich am kommunizieren.

P.S.: Dieser Qualitätstext wurde mit der Nasenspitze getippt.

Podcast der Woche: Radio Like You Want

radiolikeyouwant

Dieses Mal stelle ich wieder einen englischsprachigen Musikpodcast vor, nämlich Radio Like You Want. Die Show ist laut, wild und grandios moderiert – wer eine Neigung zum Punkrock und Albernheit hat und neben einem eher robusten Humorverständnis keine ideologiebedingten Scheuklappen angebaut hat, kann mit jeder Folge etwas mehr als eine Stunde lang eine Menge Spaß haben. Ständig kann ich dieses Trommelfeuer aus gutgelaunten Albernheiten nicht ertragen, aber die Musik ist gut ausgesucht und oft sehr selten, die Interviews meistens interessant, der Klang ist fantastisch… irgendwann ist aber (fast) jede Woche für mich der Moment für RLYW gekommen. Man beschreibt sich selbst etwa genau so:

BLAG DAHLIA, frontman for the notorious DWARVES joins forces with former NEAT NEAT NOISE host MIKE ROUTHIER to co-host this weekly show that plumbs the depths of punk and garage music while soliciting the finest in gossip, fear mongering and raw stupidity. A must listen for music aficionados and anyone who likes dirty stories from horrible people.

Mal sehen was ich nächste Woche – hoffentlich pünktlicher – für euch vorstellen werde.

Erkundigen

Es gibt so einige Sachen in denen ich nicht besonders gut bin und eine davon ist “sich danach erkundigen wie es jemandem geht den ich besonders mag”. Ich bin im richtigen Leben schlecht in dieser Fertigkeit und online um einiges mieser, wie es aussieht.

Dabei arbeite ich in einem Beruf, in dem man sich vordringlich mit anderen Menschen und deren Problemen beschäftigt.

Man will und muss sich um seine Lieblingsmenschen kümmern, besonders wenn es ihnen gar nicht gut geht. Aber ich… ich ertappe mich manchmal dabei, wie ich versuche Abstand zu halten. Schließlich ziehe ich mich ja selbst eher zurück, wenn es mir mies geht – was keine Entschuldigung sein kann. Wenn es jemandem nicht so gut geht, fällt es mir schlicht nicht leicht das Thema darauf zu lenken. Ich glaube nicht einmal dass ich ein schlechter Zuhörer bin, aber den Anfang zu machen, das ist nicht leicht für mich. Ich ziehe mich dann gern mal auf die sichere Warte “Der oder die meldet sich schon, wenn es wirklich etwas gibt”. Oder: “Da muss man Respekt haben.” Oder: Es macht mir gerade jetzt einfach so viel Freude, mit diesem Menschen zu sprechen, dass ich nicht auf schlimme Sachen oder Sorgen zu sprechen kommen will.” Oder, oder, oder. Es gibt nicht wenige Ausflüchte. Die Gelegenheiten kommen und dann sind sie vorüber.

Wie so oft denkt man schon einige Schritte weiter: Was, wenn mir mein Lieblingsmensch etwas erzählt, zu dem ich einfach nichts erwidern kann – was tue ich da, wenn ich nur Text zur Hand habe?
Ich kann den Menschen nicht einfach still anschauen oder den Kopf senken. Ich kann “Das tut mir leid”, “Das trifft mich sehr” oder “ich bin sprachlos” oder wenigstens “…” schreiben, aber das fühlt sich so unendlich hohl und ärgerlich an, dass ich solche Momenten einfach fürchte. Kein Wunder, wenn der Gegenüber sich verletzt fühlt oder wütend wird. Ich weiß das schon, wenn ich anfange zu tippen – irgendetwas zu schreiben: Es ist falsch. Aber einfach gar nichts zu antworten, ist das schlimmer? Ich wünschte, ich könnte darauf eine Antwort geben, aber ich kenne keine. Schon gar nicht will ich die ganzen ach so wundervollen Werkzeuge der professionellen Gesprächsführung auspacken, mit denen man sich so hübsch aus jeder unangenehmen Situation herauswinden kann – eine Situationen, die einen berühren könnte. Mit Verlaub: Die ganzen Kunstgriffe kotzen mich an.

Ich bin nicht so kalt oder desinteressiert und die Vorstellung, dass manche so von mir denken mögen. Nur hilflos und das Gegenteil von hilflos und desinteressiert… und kalt.

Mehr denn je wünsche ich mir, diese ganz besonders lieben Leute in solchen Augenblicken ganz nah bei mir zu haben. In Momenten, die keine Worte brauchen, Augenblicke die keine Worte vertragen.

Einfach zuzuhören und spüren lassen, dass es einen eben nicht kalt lässt was da erzählt wird. Auch wenn einem die Worte nicht einfallen wollen, die passen. Wenn es keine Worte gibt, die passen.

Aussichten


Da reden sie in der Wettervorhersage von Aussichten, Aussichten auf an die 30° und ich denke an einen Park und ich liege auf dem Rücken und schaue mir den blauen Himmel durch die Blätter an. Der Wind rauscht und ich bin nicht allein und es ist Jahre her.
Ich denke an den Siegfriedplatz, an meine Freunde, an Beinahe-Sonnenstich und ganz klar zu viel Bier für diese Hitze. Sogar an die vielen Musikmacher, auch an die Trommelgruppe denke ich.

Ich weiß nicht, wie lange der Sommer zu Besuch kommt, aber er ist mir so willkommen – der Sommer und die Leute, die man braucht.

Ein paar Minuten habe ich nicht mehr an den kalten Wind, an die Arbeit und an den Regen gedacht.

Ich mache die Augen lieber zu und stelle mir die warme Sonne vor, die mir ins Gesicht scheint. Ich bin wieder im Park und höre die Vögel singen.

Mal so ganz nebenbei…

Das mit dem Frühling scheint ja nicht ganz nach Plan zu verlaufen, oder? Die Sonne scheint zwischendurch schonmal, aber die Leute scheinen mir gestresster als zur grauen Spätwinter- oder Pseudofrühlingszeit der letzten Jahr. Das gilt uneingeschränkt auch für mich, der Geduldsfaden ist kurz und ich bin absolut reif für einen längeren Urlaub.

So weit, so gut. Mir tut jeder einzelne Sonnenstrahl gut und ich kann verstehen, warum man sich deswegen gut fühlt oder sich verliebt und all diese Sachen anstellt und spürt, die man mit Frühlingsgefühlen beschreiben könnte. Warum aber streiten sich Paare scheinbar bevorzugt zu dieser Jahreszeit und warum zicke ich mich mit meinen Lieblingsmenschen, wo ich doch genau das gar nicht will und viel lieber all die anderen tollen Sachen tun würde? Ich würde vermuten, dass es mir nicht allein so geht. Ich beobachte euch nämlich manchmal unabsichtlich, wie ihr euch in der S-Bahn anschreit. Ich muss mithören, wie ihr euch an Supermarktkassen streitet. So ganz habe ich persönlich nie einen richtig tollen Frühling mit allen Schikanen erlebt, irgendwie ging immer etwas kaputt.

Keine Ahnung, warum. Stress allein kann es nicht sein, oder? Den nämlich habe ich andauernd. Ich verstehe es nicht und ich mag es nicht. Sind es Wutpollen? Wohl eher nicht. Vielleicht liegt das auch an mir, persönliche Frühlingsunfähigkeit oder etwas in der Art.

Aber erst einmal habe ich ab übernächster Woche frei. Ich hoffe, dann können wir das mit dem Frühling nachholen – das mit dem richtigen Frühling und allen Extras inklusive. Ich würde so gern mal Frühling haben, moment – perfekt muss der gar nicht sein. Verzichten wir auf die Extras.

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