Mai 2004

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Ja, es wird Zeit: Das zweite Mal im Leben dieses Montagsrechners wird Windows XP neu installiert. Ich lausche dem vertrauten Schmurgeln der Festplatte – diesem so typischen Geräusch beim Aufspielen unzähliger winziger Patches, die winzige, unzählige Fehler bereinigen sollen, die von den Damen und Herren aus Redmond rechtzeitig gefunden wurden. Ach, ist das Leben einfach, angenehm und problemlos. Jedenfalls sobald ich auch noch bei geplant meine Linuxpartition erreiche – eigentlich kein Problem, solange meine Bootdiskette mitspielt. Die gehen ja nie immer im falschen Moment kaputt.

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Gefälschte Indianer

Gestern abend war ich auf einem Stadtfest unterwegs. Da waren auch ein paar Indianer, in Kriegsbemalung, und alle mit dem Federschmuck eines Häuptlings. Sie sahen alle sehr ernst und würdig aus, und drehten zur CD-Hintergrundmusik (so im “Enigma”-Stil) ihre Regenstöcke herum.
Kurz gesagt, sie sahen aus wie die Indios, die immer in den Fußgängerzonen auftauchen. Egal wohin ich gehe – die Indios sind schon da. Das hat schon Harald Schmidt einst ganz treffend festgestellt.
Als sie abbauten, sprachen sie spanisch. Als hätten wir es nicht gewußt!

Morissey
Morrisseys neueste Platte hat auch meine Gehörgänge erreicht, und ich sage: Sie ist gut, wirklich sehr gut – hätte ich auch unter Beachtung meines Nostalgiebonus nicht erwartet. Er ist nicht mehr ganz so selbstmitleidig und theatralisch (das bedeutet immer noch “mächtig”), sing so gut wie noch nie als Solokünstler und toppt sogar seinen alten Zynismuslevel mit Texten, die von süß-romantisch hinterlistig in bitter-bösartig umschlagen (das bedeutet “gewaltig zynisch”). Niemand konnte Beleidigungen je so gut klingen lassen.
Nach der Single-Nummer-1 in England ist der Lord of Mope mit “Irish Blood, English Heart” auch bei uns in den Top 100, das Album gar auf Platz 7 eingestiegen. Das ist eine Überraschung – selbst in seiner Heimat war er weder solo noch mit dem Smiths derart erfolgreich. Und das nach vielen vielen Jahren ohne Plattenvertrag. Allerdings ist er in einem Fall bitterer Ironie des Schicksals offenbar nicht der Lage, den Erfolg entsprechend zu feiern: Er ist offenbar ernsthaft an Meningitis erkrankt, und sagte alle Termine für die nächste Zeit ab. Gute Besserung, Moz!

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Da las ich doch grade: Die ‘Böhsen Onkels’ lösen sich auf. Ach ja, die gibts auch noch, noch jedenfalls, und irgendwie ärgere ich mich schon noch, daß das immer noch eine Schlagzeile wert ist – vor allem jede Berichterstattung über eine bestenfalls mäßige Band mit dafür erheblichem Größenwahn und dickem, völlig ironiefreiem Pathos solche Unmengen von Platten und damit Geld scheffeln konnte. Sie sind halt die “Stimme des kleinen Mannes” ,so Eric Fish von ‘Subway to Sally’, “rechts ist das nunmal nicht”. Natürlich nicht. Wie könnte man auch nur auf die Idee kommen, das breite Teile der Bevölkerung nicht ganz immun gegen rechtes Gedankengut wären? Auch die CDU steht rechts. Radikal, nun ja, sind sie wohl noch nicht (Fragt mich in 5 Jahren noch einmal). Nö. die Onkels nicht. Nicht daß man die vielen, vielen Fans vergrätzt, die wohl auch Teil der eigenen Zielgruppe sind, die Sorte, die sich mit ensprechenden Aufklebern anstelle von “MEISTERJÄGER” oder “KENWOOD” die rückwärtige Sicht im Auto nimmt. Die Onkelchen heute, eine harmlose Band von “Provokateuren”, so furchteinflössend wie Angela Merkel und mit dem leidenschaftlichen Feuer des seligen Günther Strack, die ihre zahnlose Pseudo-Rebellion genauso erfolgreich zu nutzen pflegt wie einstmals ‘Rammstein’ oder ‘Marilyn Manson”. Dennoch: Je mehr die Massenmedien sie ignoriert haben, desto mehr konnten sie sich zu den “Helden der Unterdrückten” stilisieren, was vielleicht nicht zu mehr Sympathie anregt, aber doch ein wenig Respekt verdient. Natürlich unpolitisch; das P-Wort verschreckt nur die potentiellen Käufer.

Warum schreibe ich darüber? Hm. Weil die BO nämlich keineswegs immer so “nett” waren – sie und keine andere Band hat den Soundtrack für den ersten Aufschwung von Naziskins und “Rechts sein ist cool”-Denken geliefert; sie und keine andere Band war es, die solches Gedankengut massenweise verbreitet haben. Sie waren vielleicht nicht die radikalste Kapelle dieser Sparte, aber doch bis heute die mit großem Abstand wirkungsvollste. Auch heute noch. Auch heute noch findet sich entsprechendes Klientel bei ihren Konzerten ein, und auch heute wird diese Vergangenheit von den “normalen” Fans gern mit einem “Ach, das ist doch so lange her” oder, wie bei Eric Fish mit einem “Irgendwann muss ja mal Schluss sein.” abgetan wird. Ich sage nicht, das die BO jemals direkt einem Farbigen, einem Punk oder einem Türken oder einem Asylbewerber etwas angetan haben – jeder entscheidet sich selbst, ob er zuschlägt, und die Beschallung kann meiner Ansicht dafür eben nicht verantwortlich gemacht werden.

Tja, warum keimt da immer noch Wut in mir auf – nicht mächtig, auch nicht wirklich leidenschaftlich, aber doch ganz entschieden? Vielleicht, weil ich der Band ihren Wandel zwar abnehme, und sei er aus kommerziellen Gründen geschehen – ich nehmen es ihnen ab. Allerdings sehe ich zwar eine Distanzierung zur rechtsradikalem Gedankengut, aber eben keine zu den alten Fans. Kein “DU, und DU – euch will ich hier nicht mehr sehen. Wir machen keine Musik mehr für Faschos. Weil wir euch scheisse finden.” Geht nicht? Geht wohl. Von heutigen Band machen das zum Beispiel ‘Kettcar’ (und damals die Vorgängerband ‘… But Alive’), und die haben keineswegs eine irgendwas verherrlichende Vergangenheit. (Nun gut, außer diesem Song um Illona Christens Brille…)

Ich ärgere mich, weil Feigheit scheinbar immer die bessere Alternative zu sein scheint. Weil man mit Feigheit Unmengen von Platten verkaufen kann. Die Onkelz sind wie ein Schulhofschläger von einst; längst fett und versoffen in der Fußgängerzone vegetierend, und immer noch kein großer Denker. Harmlos.

Aber immer noch ein Arschloch.

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iek!
Ohne Worte. Wie gesagt. Gestohlen von hier.

Ein Glück: Kalkofes Mattscheibe ist nach ein paar wirklich schlechten Folgen wieder einigemaßen in Form… der gute Herr Kalkofe sollte nicht so lange Pausen machen – er wird noch weich und gemütlich. Ich dachte schon, er hätte seinen Biss vollkommen verloren. Aber nach ein paar Hoffnungsschimmern letzte Woche ist er dieses Mal richtig gut. Wenngleich noch nicht lange nicht in der quasi-heiligen Form wie damals bei Premiere.

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