Gestern habe ich eines der krasseren Erlebnisse meiner Ausgehkarriere hinter mich gebracht – ich habe ja schon einiges erlebt – bei-120-von-hinten-aufs-Armaturenbrett-klettern, stinkende Grenzfascho-Anhalter, Mögliche Zeugung von Kindern, Drogen aller Art, diverse Schlägereien, Eierlikör, und ein Perpetuum Mobile. All das kann nur vor den Verwandten von Swedengirl erblassen – bzw einem Verwandten und dessen Kollegen/Kumpel, die beim Car-Sharing Start für den Abend im Ol’ Stammladen (nachdem das Hardcorespecial im Ringlokschuppen abgeschreckt hatte – insbesondere in Anbetracht der Dieselpreise) bereits ordentlich gutes, deutsches Bier und spanischen Wein vorgetankt hatten. Natürlich sprachen sie nur spanisch und schwedisch, und waren bester Laune. Immerhin hatten sie in diversen Umwegen scheinbar schon bei ihrer Ankunft (sie sind schnell mal von Lyon rübergekommen…) mindestens halb Deutschland kennengelernt (München, Dortmund, Freiburg, Hannover…) und waren allmählich durstig.
Um den folgenden Teil zu verstehen, muss man wissen, daß Alkohol in fast ganz Skandinavien durch hohe Versteuerung enorm teuer ist, und sowas wie Bier ganz und gar nicht in dem Maße getrunken wird. So daß beide, vor allem aber der große und laute Teil der schwedischen Horden, sehr, sehr schnell zu Opfern der scheinbar mit Eisenlebern ausgestattenen Nordkreis-Jugend wurde, die bekanntlich mit Wacholder, Korn und Bullenschluck aufgezogen wird.
Das unaufhaltsame Unheil nahm also seinen Lauf, schwankende Schweden, glückliche Landjugend, immer lautere Geräuschkulisse, und lustige Verständigungshindernisse, die alle mit “Noch eins!” überwunden werden konnten.
Bis Irgendwer auf die Idee kam, sich Iron Maiden zu wünschen, und der unglückselige DJ dem Wunsch nachkam – beleibte Schweden scheinen irgendwie im Suff auf die Idee zu kommen, flugfähig zu sein- zumindest die helikopterhaften Ruderbewegungen beim “Tanz” scheinen diese Idee nahezulegen – auf jeden Fall wurde es höchst amüsant für die Zuschauer, und um so peinlicher für “Ich nehme nie wieder Verwandschaft mit!”-Swedengirl, die bei jeder Gelegenheit von den Barbaren hochgehoben und ein wenig geherzt wurde. Und geschleudert. Sie haßt das, wie ich aus eigenen leidvollen Versuchen gelernt habe. Der Abend wurde später, man unterhielt sich (englisch ging dann plötzlich doch, und spanisch – scheinbar nur später am Abend), und allmählich ließ des Nordmanns Durchhaltevermögen nach – zuerst die Blase, dann die dünne Schicht antrainierten zivilisierten Verhaltens, die einen brodelnden See barbarischen Berserkertums nur notdürftig verschleiert hatte. “You, my friend – you know… you… you want to fight?” – aus dieser beständig wiederholten Anfrage, kombiniert mit freundlichem, aber kräftigem in-den-Schwitzkasten-nehmen, ist glücklicherweise kein neuer 30jähriger Krieg entstanden. “No.” reichte aus. Freundliche Schweden, das.
Über einige weitere Ereignisse breite ich den Mantel des Schweigens aus, auch im Interesse der Völkerverständigung. Jedenfalls gab es auch auf der Heimfahrt kein Blutvergiessen, die meisten schwächlichen Schwinger des Berserkers trafen seinen Landsmann – bis er plötzlich eindöste, und sich bei der Ankunft beim Versuch, den Rücksitz durch die Vordertüre des Automobils zu verlassen, tragisch mit seinem Bauch verkeilte.
Ich habe mich schnell aus dem Staub gemacht.
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