Mai 2005

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schawühl

… gehe ich wohl doch mal in die Stadt, ziellos, und vielleicht ins Forum. Sterne über uns, der Frühling um uns, und vielleicht das Forum später, unter den Füßen. Das Leben ist gut, wenn man ein mindestens fast kühles Bier und beste Freunde neben sich hat.

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Die letzten paar Tage waren für mich sehr arm an Blogeinträgen (sorry!), aber dafür ein Füllhorn voller frisch servierter musikalischer Kostbarkeiten. Ich denke ich tippe mal eine Handvoll Kurzkritiken, um mich von meinem Ärger über einen pünktlich zu meinem (des Nachts unter Schmerzen vollendeten) Referat erkrankten Professor abzulenken:

Von Spar im AJZ Bielefeld war schon am letzten Mittwoch eine Offenbarung. Erheblich rockender als man von den Konserven erwarten konnte, krachten sie ihren seltsamen Disco-Punk-Elektro-Lärm-Dance auf das hartgesottene und von der Vorband (Ihr könnt dankbar sein, daß ich euch nicht weiter erwähne) Leid gewohnte Publikum aus alten Trinkern, gerade zurück zur Bestform vor Ballverlust gefunden habenden Kickerveteranen, Punks, sexuell Abseitigen sowie Wollüstigen, Avantgardisten und Trainingsjackenfreunden, Freunden und sogar mich ein, daß es eine ernsthafte Freude war. Selten erlebt, daß so eine eher ungewöhnliche Band live so mächtig knallt (ja, so muss man das wohl abgeschmackt zu Bildschirm bringen) und das Volk vor der Bühne so motiviert in Bewegung versetzt. Und das so ziemlich von Anfang an. Von Spar sind ganz groß. Oder, sie werden es. Auch wenn sie leider nicht allzuviele Songs haben, und aus dem Publikum leider keine Human Beatbox auf die Bühne, um den Sänger bei der zweiten Zugabe zu unterstützen. Ein kurzes, aber nährwertiges Vergnügen. Klasse. [http://vonspar.de/]

Sedlmeir. Samstag im Eingang Sieben. Seid ihr denn eigentlich bekloppt? Und nicht da gewesen? Sedlmeir ist unglaublich. Die heruntergekochte Essenz von Drugs, Schnaps und Rock’n'Roll mit elektrischer Verstärkung und seinem tapferen DAT-Recorder. Pyrotechnik aus Seele und Gitarre. “Karateschule Meier” hat er nicht gespielt. Aber: Dafür “Schmutziges Leben” und “Schmutziges Leben 2″. Und “Ich hab Dich lieb.” Die definitiv coolste Sau, die auf 1 qm einen Laden rocken kann. Und so laut! Und so viel kann der trinken! und es gab auch einen Schnaps zum Aussuchen, gleich zum Eintritt. Der Eingang ist freundlich. Und Du, das nächste Mal da. Versprochen. [http://sedlmeir-rock.de/]

Bollock Brothers im Forum, Sonntag abend. Auf das nachdrückliche Anraten und Flehen meiner unglücklicherweise überaus charmanten Mitstreiterin P. aufgesucht, entpuppten sich BB als überaus alte, aber freundliche Punks, die Jesus gefunden haben. Etwas müde, vor allem seitens des Sängers, etwas traurig, aber immer noch mit ein paar verdammt soliden Songs und mit einem gewissen Charme, den sie wohl im übelsten Zustand nie ganz verlieren werden. Menschlich, und sympathisch – nicht jedoch die komische gealterte Blondierte, die beschlosse nicht nur Sänger Jock McDonald, sondern auch den Gitarristen, Bassisten und sogar den “eher stämmigen” (Frau P.) Keyboarder der stylischen früh-80er Klamotten zu berauben. “Who the fuck are you? ” – “Tina.” Sie verfolgte die armen Klöten-Brüder bis in den Backstagebereich, was sie dazu veranlasste, auf der Stelle wieder auf die Bühne zu fliehen, und eine Zugabe zu spielen. Die stoischen Veteranen wurden die scheinbar von diversen Dämonen und psychoaktiven Substanzen besessene Dame dadurch natürlich nicht los, auch nachdem sie ihr ein eigenes Mikro gaben, war sie nicht ruhigzustellen. Die Zugabe wurde also recht kurz, und die Band trat den geordneten, aber doch etwas hastigen Rückzug an. [http://www.bollock-brothers.com/]

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Kelsey Grammer (Frasier) spielt Hank “Beast” McCoy im dritten X-Men Film. Das finde ich ziemlich gut, auch wenn ich ihn mir noch nie wild herumspringend und in blauem Pelz vorgestellt habe, was mich auf einer ganz anderen Ebene ganz klar beruhigt.

klick mich
Ausgerechnet f�r eine Kinderklinik… es ist vielleicht ausgesprochen geschmacklos und b�se, so etwas enorm komisch zu finden, aber ich kann mich in Gesellschaft von u.a. Mark Millar und sogar des offiziell freundlichen und guten Neil Gaiman nicht wirklich unwohl f�hlen.

P.S.: Klick auf das Bild f�r Ansicht in voller Gr��e.

Nerv

Dieses Übermaß an Neonazi-Spam in den letzten paar Tagen geht mir wirklich auf den Geist nicht. Nicht nur das jemand mal wieder Sober-Würmer freigelassen hat, die Inhalte sind natürlich sehr unangenehm. Nicht das ich die links angeklickt hätte, aber sowas wie “Paranoider Deutschenmörder kommt in Psychatrie” ist schon reichlich gaga. Mehr auf heise.

Die ARD Serie Speer und Er gewinnt schon jetzt den Gorgmorgischen Ringwarzenorden für den dämlichsten Titel einer TV-Miniserie. “Er”? Darf man denn nun nicht mehr.. HITLER! sagen oder schreiben, oder ist die Tatsache, daß Albert Speer so ein enger Kumpel des 2005er Medienstars am besten als eine dezente, neugierigmachende Anspielung zu verpacken? Ich bin mir da nicht so richtig sicher, liebe Leser.

Außerdem, und das halte ich für noch erheblich signifikanter – die für mich beunruhigende Nähe zu Doris Dörries Ich und Er, einem der absoluten Tiefpunkte ihrer Karriere – der Held führt einen Dialog mit seinem geschwätzigen Schwanz, der zu allem Überfluss ausgerechnet von Heiner “Ich bin ein deutscher Playboy” Lauterbach (kommt der aus Bayern?) gesprochen wird. Das wirft einige Fragen auf:

Ist das ein legitimer Nachfolger des Dörrie-Klassikers, oder will sich die ARD nur die Zielgruppe des Penis-Epos für ihre Fernsehspiel sichern, mit einem plumpen PR-Trick? Und: Spricht Speer mit seinem kleinen Albert, und entwickelt dabei Größenwahn? Oder: Führt Speer einen Diskurs mit Hitlers einsamen kleinen Braun? Oder hat gar der Albrechtsche Speer eine leidenschaftliche, aber unerfüllte Liebe zu einem bestimmten Er, der nur als eine dezente, neugierigmachende Anspielung ungeahnte Spannung beim potentiellen, nun zwanghaft zum Einschalten verdammten Zuschauer?

HITLER.

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