Ein Sache, die ich wohl nie verstehen werde: Warum sind eigentlich die richtig, richtig coolen Linuxer so oft allen freundlich, benutzerfreundlichen Entwicklungen spinnefeind, die in den letzten 20 Jahren die Arbeit am Computer erheblich sinnvoller und effektiver gemacht habe?
Weil alles, was nicht auf einer Textkonsole läuft (oder maximal im Framebuffer – das ist dann aber schon ein gemäßigter Guru) – kostbare Resourcen frisst. Jemand, der in der Hauptsache unter X-Window arbeitet – womöglich noch sogar mit einer Maus oder einem anderen intuitiven Eingabegerät – ist schonmal einer, der keine Ahnung hat, oder ein “klickiebuntie” Newbie, der es ja nicht besser weiß.
Ich mag es, Linux auf dem Desktop zu verwenden. Und ich mache das unter Mithilfe von KDE/Gnome. Warum? Nun, ich bin kein Programmierer. Ich muss Sachen schreiben, Grafiken erstellen oder bearbeiten, mit Dateien jonglieren, Kontakte verwalten, und kommunizieren, letzteres in ausgeprägtem Maße. Ich brauche (oder ich mag es einfach) also verschiedene Programme, unter Umständen auch welche, die ich JETZT anwenden muss, und für die ich nicht erst einmal eine halbe Stunde HOWTO Texte lesen kann, bevor ich auch nur daran denken kann, das Tool sinnvoll einzusetzen. Soviel Zeit habe ich nicht übrig – ich bin 30, da wirds knapp mit den Jahren.
Wenn ich unter KDE eine CD mastern will, dann such ich ich mir per Kpackage oder Ksynaptic eine entsprechende Software – nehmen wir einmal das wundervolle K3B. Geklickt, installiert. (Natürlich ist K3B ein Teil von KDE, und in meinem überladenen Desktop bereits installiert – aber wir wollen mal den schlimmsten Fall annehmen). Gestartet Ich ziehe mir die Dateien aus meinem Konqueror-Datenbrowser in mein K3B fenster – das habe ich nämlich mit einem Mausklick auf “neue CD erstellen” parat – CD rein und los gehts. Ich kann euch sagen, liebe Konsolengurus – zu diesem Zeitpunkt habt ihr vieleicht gerade mal die Dokumentation von mkisofs und cdrecords gelesen. GUIs sind ja so schrecklich lahm!
Zumal: Wir haben doch in den allermeisten Fällen Rechner, die deutlich über 1Ghz schnell sind. Und meistens auch mit über 256 MB Speicher, oder? Und einigen GB Festplatte. Meine Kiste ist von 1999, und ich habe echt keine Probleme, KDE und Gnome parallel zu installieren, dazu OpenOffice.org, und auch beim Betrieb habe ich nicht die geringsten Probleme. Das ist natürlich für den Serverbetrieb alles nicht notwendig – aber ich habe auch keinen Server.
Übrigens macht es Spass, in GUI zu arbeiten. Und die aktuellen Linux Desktops sehen verdammt geil aus, insbesondere wenn man sich ein paar Minuten Zeit nimmt, sie einzurichten. Kein Vergleich zur schlichten Eleganz eines Textscreens, natürlich.
Ich könnte natürlich auch ineffektiv und umständlich, aber dafür extrem schnell in der Ausführung, wenn ich mich mal eingearbeitet habe, unter konsole oder in “reinem” X arbeiten – aber warum sollte ich? Nur damit ich zu dem Haufen Puristen gehöre, aber erheblich mehr Stunden vor dem Rechner verbringe, als wenn ich denselben Kram unter Windows abarbeite? Nur weil ich zufälligerweise kein Programmierer bin, und tatsächlich keinen Gewinn darin sehe, meine Diplomarbeit unter Vim in reinem TeX-Quelltext zu tippen?
Natürlich nicht. Der wahre Grund ist ein grundlegendes Mißverständnis: Manche Leute versuchen sich ihre Arbeit zu vereinfachen, damit sie schnell zu anderen Dingen übergehen könne. Wieder andere Leute sehen die Zeit vor dem PC als Selbstzweck, und Quelle für Selbstwertgefühl, cooler und nerdiger zu sein als andere. Wieder 15% Resourcenfreundlicher gearbeitet, Jungs. Viel Spass.
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