Ich bin nicht der grösste Fan von Google, und eigentlich ein Freund des Spiegel. Aber was sie sich mit diesem Artikel über Google Talk geliefert haben, ist eigentlich wirklich ein Witz. Ich zitiere mal eine repräsentative Partie:
Davon, dass Google mit dieser Software nun auch den wichtigen Markt der Messaging-Dienste attackiere, kann daher wohl kaum die Rede sein. Google talk sieht lecker aus, ist aber hohl wie ein Windbeutel ohne Sahne: Die Konkurrenz bietet klar mehr.
Ja, die neuerdings bösen Googler, was haben sie sich dabei nur gedacht – nicht nur eine Beta auf den Markt zu werfen, die zudem noch nicht.. fertig ist und von einer begrentzen Gruppe per Einladung getestet wird? So ist das mit Beta, lieber Spiegel. Wenigstens macht Google sowas, und nennt es nicht “Full Version 1.0″.
Und tatsächlich, Beta hin oder her – natürlich kann die Konkurrenz mehr. Natürlich kann der abgebrühte, seriöse Onlinespiegel es nicht unterlassen, erstmal Bildtechnisch dem Neuankömmling eins überzuziehen. Kann ja nicht so viel.
Vielleicht ist Google Talk ja deswegen auch so gut? Vielleicht, weil die paar Features auch wirklich funktionieren und Spass machen? Weil der Client wirklich problemlos auf der letzten kleinen Kiste läuft, ohne 11 MB Speicher zu fressen, wie der vergleichsweise sparsame MSN Messenger? Weil man kein Netzwerkexperte sein muss, um Voicechat zum laufen zu kriegen? Vielleicht ist es aber auch die Tatsache, das wirklich jeder Normaluser Google Talk bedienen kann, wie ich am Beispiel der Freundin meines Bruder erleben durfte. Ich musste da nichts erklären. Weil – das funktionierte einfach. Ganz logisch. Das machte richtig Spass! Und dabei hat Talk nichtmal so wichtige Sachen wie animierte Avatare und eingebaute “4 Gewinnt” Klone.
Das ist ja alles nichts Neues? Okay, kann man so sehen. Aber immerhin hat Google sich wirklich Gedanken um Usability und klares Design gemacht. Ach ja, lieber Spiegel: Es basiert auch auf einem offenen Protokoll. Google ermuntert die Leute sogar, eigene Clients zu verwenden. Aber das ist alles nicht erwähnenswert? Na dann viel Spass. Aber ich muss sagen, journalistisch ist der Artikel fürs Klo – nicht das erste Mal, dass Spiegel Online Distanz vermissten lässt, und sich wieder einmal von einer “coolen” Pseudo-Nerd-Strömung mitreissen läßt – Google ist das neue Microsoft.
P.S.: Und ich vermisse auch einige Dinge in Google Talk. So ist es ja nicht.
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