Closing Time

Nun, heute ist der letzte Tag für meinen alten Stammladen, den Pleasuredome in Oppenwehe. Ich werde nicht da sein. Aber ich war es einige Male in den letzten beiden Wochen, so auch gestern.

Meine sentimentalen Gefühle, die sich natürlich nach 15 jahren.. ogott, 15 Jahren? … einstellten, sind wieder weg. Genau nach Plan übrigens. Ich dachte mir, wenn ich mich nur lange genug der Gesellschaft von weinerlichen Langweilern aussetze, die aus sympathischen Leuten mutierten – dann werde ich auch ganz gut mit dem (sicher nicht endgültigen) Ende der Stemweder Landalternativdissen-Institution klarkommen.

“Oh, ich werde den Laden echt vermisssen. Wie schade…” sagen meistens die Personen, die am längsten nicht mehr dort anzutreffen waren.

“Dich habe ich ja nicht nicht mehr gesehen, wie schade…” sagen meistens die Personen die genau wissen wie ich zu erreichen bin, und immer zu erreichen war. Meine Güte, ich stehe im Telefonbuch. Und wenn man meinen Namen in Google eingibt, wird man mich wohl auch finden. Genug Webkrams habe ich ja nun wirklich verbrochen.

Und dann die partielle Oldiebeschallung. Es gab den Dome vielleicht 18 Jahre, aber nicht 40. Vielleicht ist das für die graubärtigen Lehrertypen gedacht, die da mit ihren blondierten, leicht welken Weibchen an der Theke hängen und Selbstmitleid mit ein wenig Arroganz verbreiten, und die nach kurzer Zeit wieder verschwinden. Menschen, die zu ihrem eigenen ehemaligen Feindbild geworden sind. Ich gehöre nicht mehr wirklich dahin, denke ich mir. Und ich treffe eine gar nicht mal so alte Bekannte, die mich nach meiner Nummer fragt. Ich freue mich, und gebe sie ihr.

“Ich melde mich.” sagt sie.

“Wirklich?”

“Vielleicht.” sagt sie.

“Nein, mit Sicherheit nicht.”, sage ich mit einer mich selbst überraschenden Überzeugung.
Sie fragt mich ob ich ihr böse wäre. Nein, bin ich nicht. Und dabei lüge ich nicht einmal. Ich weiss nun einfach wieder einmal besser, wer wirklich meine Freunde sind. Ich weiss besser, wem wirklich etwas an mir liegt. Das ist doch eigentlich ein verdammt gutes Gefühl, findet ihr nicht? Meine Freunde sind toll. Ob sie nun aus diesem Laden stammen, oder woanders her. Das Jetzt ist nicht so übel, und allemal ehrlicher.

Die Gegenwart tritt noch allemal den faltigen Arsch der Vergangenheit.

1 Kommentar