August 2007

Artikel aus August 2007.

bubblewrap.JPGIch darf mich bei der Frau Dunkle bedanken, dass mir dieser Link unterkam und ich endlich auch in virtueller Form einer der exotischeren Formen unerklärlichen Suchtverhaltens nachkommen kann. Etwas beunruhigend war für mich, dass es diese Form der Entspannung auch schon an vielen, vielen anderen Orten im Netz gibt.

Ich gebe aber hier öffentlich zu, ein Bubblewrap-Hippie der alten Schule zu sein: Virtuell macht das rituelle kaputtmachen der Folienblasen zwar auch Spaß, aber das glubschige Gefühl unter den Fingern fehlt. Es ist eben nicht das wahre Leben. Lasst euch das eine Lehre sein, ihr Netzmenschen. Geht mal raus. Zerploppt Verpackungsmaterial. Fühlt euch wie gesunde, richtige Menschen.

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Ich glaube, von Zeit zu Zeit werde ich einmal über interessantes Essen berichten, das ich in meinem lange noch nicht ausreichend langem Leben erleben durfte – das hat direkt damit zu tun, dass ich zur Schlafenszeit wirklich großen Hunger bekomme. Fast jeden Abend. Also denke ich am besten noch mehr über Essen – vielleicht entwickel ich ja genug Energie, um mich für einen Kreuzzug zum Kühlschrank zu motivieren.

Meine Eltern haben etwas reichere Bekannte, die gern durch die Weltgeschichte – vor allem die angenehmeren Teile davon – reisen und von überall teure Hemden, teure Weine und teure andere Dinge mitbringen. In aller Regel so viel, das sie ihren gesammelten (Geschäfts-) Freundeskreis einladen müssen, um vor dem Verfallsdatum für die tatsächlich meist sehr, sehr angenehme Vernichtung der verderblicheren Mitbringsel zu sorgen. Der experimentierfreudige Fresssack in mir gewann die Überhand über meine Abneigung gegen die zu erwartende Schickigesellschaft. Die Wohnung war streng nach dem “Rechter Winkel meets Alessi” Stil eingerichtet, den Leute mit Geld gern für besonders geschmackvoll halten, darum sehen viele dieser Häuser innen auch beunruhigend gleich aus: Vom Ledersofa mit Chromrahmen bis hin zu den Chagall-Drucken an der Wand – vorzugsweise Poster von Ausstellungen, die ganz sicher nicht von Bewohnern besucht wurden.

Auf dem Tisch waren viele feine Sachen aus Italien zu finden, dem Hemdenland jenes Sommers: Käse mit Schimmel und Käse mit Trüffeln (!), mächtige Schinken am Knochen, augenscheinlich vom Wildschwein. Feiner Wein. Und etwas blasses, fettiges, ca. 4cm dickes, bestreut mit grobem Meersalz und Rosmarin. Offensichtlich hatte niemand dieses… Objekt angerührt. Zu fett. Kein Wunder, denn genau das war es: Weißer, sehr, sehr mächtiger Speck. Neugierig geworden frage ich den Hausherren nach diesem wohlriechenden Ding. Er meinte, dass das Speck von wildlebenden Schweinen war, mit Kräutern bestreut in Tonkrüge voller Meersalz gepackt und in Höhlen für unfassbar lange Zeit einfach sich selbst überlassen. Komischerweise, meinte er, fanden die meisten Leute diese Geschichte ziemlich abstoßend. Er grinste. Das würde auch für die EU gelten, die ungeräucherten, ungepökelten und auch sonst nur gesalzenen Speck verbieten wollten.

Dieser Speck war illegaler Speck.

Mit ein wenig frischem Brot probierte ich eine dicke Scheibe von dem, was bei Licht betrachtet nicht viel anders war als kaltes, altes Fett. Nicht ganz vorbereitet war ich für die Explosion in direkter Nähe meiner Geschmacksnerven. Bei Zeus! Dazu ein kräftiger Bardolino… das war so ziemlich die größte, positivste Überraschung in meiner kulinarischen Geschichte. Jedenfalls in der Kategorie “Ohne tolle weibliche Begleitung”. Aber immerhin.

Ich habe übrigens Anstand gewahrt und mir die Frage nach dem Preis verkniffen.

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Ich habe eben auf basquiat’s eines der fürchterlichsten denkbaren Geschenke gefunden. Wer so einen Gürtel geschenkt bekommt, hat sich in mindestens einem Freundschaftsverdächtigen zutiefst geirrt.
belt.jpgIch bin vielleicht manchmal etwas garstig – das gebe ich zu – aber noch bin ich nicht zu solch unglaublichen Tiefen der Niederträchtigkeit gesunken. Brrrr.

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Das hier ist wieder mal ein nutzloser Beitrag mit Technik darin. Einfach überlesen, ihr richtigen Menschen.

Wie vielleicht einige von euch wissen, bin ich sehr stolzer Besitzer eines Nokia N95 – nicht nur mein “Handy”1, sondern auch mein Navigationssystem, mein Notizbuch, Radio, MP3 und Filmchenabspieler, meine Kamera mit tragbarem mini-Photoshop, meine Kleinst-Spielkonsole, mein tragbares Internet, meine Nachrichtenzentrale und noch einiges mehr, für das hier der Platz nicht reicht. Mit aktueller Firmware mit Sicherheit das beste Mobilgerät, das ich je besitzen durfte.2 Ein paar nette, kostenlose Tools habe ich kürzlich gefunden, die ich euch auch noch aufs Auge drücken möchte.

  • Emoze bieten eine völlig kostenlose Push-Mail Funktion für GoogleMail/Gmail Nutzer an! Das funktioniert ganz toll – und zwar nicht als Java Anwendung, sondern als flotte, hübsche S60 Applikation. Braucht gar nicht so viel Datenverkehr, aber ohne ordentlichen Datentarif sollte man sehr vorsichtig mit der Anwendung sein. Trotzdem: Eine echte Empfehlung.
  • Nokia Maps alias “Smart2go”, ein kostenloses Karten-und Navigationssystem, ist nun in der fertigen Version 1.0 erschienen – sollte man – Speicherkarte für die dicken Kartendateien vorausgesetzt – unbedingt haben, selbst wenn man keine GPS Lösung zur Verfügung hat. Selbst wenn man kann Navigationssystem braucht – immer eine durchsuchbare Karte zur Hand zu haben, wie in Google Maps zur Routenplanung usw, ist doch auch was, oder? Die neue Version ist viel besser, schneller und auch sonst den Download wert.
  • Nokia hat gestern einen Service namens Ovi (ist das finnisch?) angekündigt, der u.a. einen Gamingservice auf einer ganzen Reihe von bereits erschienenen Geräten enthält, die alle feine 3D-Beschleunigung enthalten – nett.

Derzeit kann ich ganz gut damit leben, kein iPhone zu besitzen. Echt!

  1. Ich hasse den Begriff aus tiefstem Herzen []
  2. Übrigens bin ich relativ günstig an eines gekommen, weil mein altes “Teil” so fehlerhaft war. So reich bin ich nun auch nicht. []

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Die Katze ist ein Kater und wohnt im Haus meiner Eltern. Besser gesagt: Sie schläft im Haus meiner Eltern. Also, er. Der Kastrat.

Morgens früh kommt er rein – läßt sich hoheitsvoll bei und schafft es irgendwie, in mein altes Zimmer zu gelangen. Da schläft er dann, vorzugsweise auf dem eigentlich verbotenen Bett. Egal ob ich nun mal da bin oder nicht. Das ist dem ganz egal. Er hat eine Affaire mit dem Bett, nicht mit dem Typen, der hin und wieder die Laken ausbeult. Er verbringt eh viel mehr Zeit mit dem Bett und beruft sich wohl auf Gewohnheitsrecht.

Mittags steht Herr Kater dann auf. Kurz. Er spaziert in die Küche und schaut nach, ob da etwas für ihn zu holen ist. Natürlich nicht. Er stört solange, bis doch etwas abfällt. Etwas Trockenfutter zum Beispiel. Das bekommt er zwar auch sonst, aber es geht um die Machtverhältnisse. Wenn man so viel pennt, muss man daran erinnern, wer hier der Chef ist.

Eine kurze Runde nach draussen. Ums Haus. Immer noch Präsenz zeigen. Was im Haus geht, gilt auch für das katersche Revier.

Danach geht es wieder ins Bett. Oder? vielleicht auch ins genauso verbotene Sofa. Je nachdem Wo die Sonne gerade hinscheint. Noch einmal Siesta nach dem anstrengenden Tagewerk. Dann. Feierabend für Menschen. Große Katzenfütterung. Schlafen. Irgendwo.

Gegen 20 Uhr aufstehen, Nickerchen auf den Schoss des Menschen, der sich fälschlicherweise für den Hausherren hält. 23 Uhr: Zeit für die Nachtschicht.

Worauf will ich damit hinaus? Warum berichte ich so indiskret aus dem Leben eines älteren Katers? Nun, das ist natürlich ganz sonnenklar und überaus einfach:

Ich will wissen, was der macht. Was so einen enormes Schlafbedürfnis ausmacht. Nicht was ihr denkt, der ist immerhin kastriert. Der arme Kerl. Vermutlich ist er nebenher Killer für die russische Mafia und nebenher verdeckter Ermittler. Ich habe gehört, das soll sehr anstrengend sein. Oder Kraftsportler vielleicht. Sachbearbeiter?

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Liebe Freunde, ich habe vor weniger als zehn Stunden beschlossen, eine neue wichtige Mission auf die gormorgischen Fahnen zu schreiben: Die Rettung gefährdeter Kulturgüter. Ich will dabei helfen, einen mahnenden Finger auf die Schattenseiten unsere schnellebigen Zeit zu richten – ja, wir gehen mit Riesenschritten vorwärts, aber laufen wir so nicht Gefahr, einiges zu verlieren?

Zum Beispiel dereinst geliebte Rituale. Ich denke da zum Beispiel an die Kneipen- oder auch Sauftour. Denkt mal darüber nach: Wie viele von euch haben dieses Jahr schon eine kleine oder größere Runde durch die Lokale der Stadt eurer Wahl – oder besser, der Stadt, die euch keine Wahl gelassen hat – gemacht? Ich will vermuten, nicht allzuviele. Kneipentouren erfordern Planung, Zeit und Geld. Nicht nur muss dafür gesorgt werden, dass autofahrende Teilnehmer sicher nach Hause kommen oder einen passenden Schlafplatz bekommen, auch die Anderen müssen erst einmal gleichzeitig an denselben Ort bugsiert werden. Lacht nur, ihr Studenten: Das fiel euch auch schonmal leichter, damals: Vor Bachelorstudiengängen und anderen neumodischen Widrigkeiten, die ein trinkfreudiges und gleichzeitig soziales (!) Studium nicht unbedingt erleichtern. Vergessen wir auch nicht das Geld: Seit der Euroumstellung macht ja die bösartige Preispolitik der unaussprechlichen Brauereien und ihrer Verbündeten nicht einmal die winzigste Pause in ihrem kneipenfeindlichen Aufwärtstrend.

Man kauft sich also sein Bier im Supermarkt. Notfalls an der Tanke oder im 24-Stunden-Offen-Drugstore – immer noch billiger, auf jeden Fall kulturfeindlich. Das meine ich sogar mal ein wenig ernst.

Klar: Man trifft sich privat, bei Freunden, man trinkt vielleicht sogar fast dasselbe, vielleicht sogar mehr. Aber das ist nicht dasselbe, es geht ja nicht in erster Linie um den Genuß von Alkohol. Nein. Ehrlich? Immer noch nein. Ich sage euch jetzt auch, was dabei an Wichtigem verlorengeht.

Ich finde das schön, das man verschiedene Kneipen besucht, dort vielleicht andere Leute trifft, die man kennt oder auch nicht, mit denen man vielleicht gemeinsam andere Orte besucht, wo man wieder andere Leute trifft, man gibt sich gegenseitig etwas aus, man redet unglaublich wirres Zeug. Man bestellt Drinks. Man holt sie nicht aus einem Regal und bezahlt an der Kasse. Nein, man hat mit Menschen zu tun. Freiwillig. Im besten Fall endet alles gut, meist befriedigend angetrunken – vielleicht sogar unglaublich romantisch. In irgendeinem Bett. Unter einer trockenen Brücke. Oder auf einer bequemeren Parkbank. Möglichst aber wie gesagt in einem Bett eines freundlich gesinntem Besitzers oder einer freundlich gesinnten Besitzerin. Hier könnt ihr euch gegebenenfalls einen anzüglichen Zwinkersmiley einsetzen. Aber auch Solo – Bettnutzung ist aber aus tiefstem Grunde gut. Der Weg dahin – auch gern schwankend- ist eine Sternstunde feinsinniger und inspirierender Konversation. Soweit ich mich – äh – erinnern kann.

Wie viele feine Geschichten sind dort erfunden worden, auf solchen Unternehmungen in diversen Kneipen oder Cafés? Wo sollen die nun herkommen, aus Starbucks Filialen? McCafé? Total lustigen Eventlokalen im Alpinstil? Das ist doch unendlich traurig. Die ganzen tollen Eckkneipen gibt es ja sowieso nur noch in Städten; auf Dörfern und Vororten verschwinden sie langsam, mit fiesen gerichtlich verordneten Öffnungszeiten von pensionierten, zugezogenen Lehrern1 in die Pleite geklagt. Ehrlich, so ist das!

Ohne Kneipen keine Kneipentouren. Ohne Kneipentouren weniger gute Geschichten. Ohne gute Geschichten weniger guter Denis. Und das kann ja wohl keiner wollen, oder? Genau.

Rettet die Kneipentour.

  1. Ruhebedürfnisse haben die! []

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