Alte Männer

Mein Lieblingsladen in Bielefeld hat einen besonderen Vorteil und das ist ein Innenhof. So einer mit einer großen Uhr hoch an einer Wand. Es ist ein altes Fabrikgebäude, das vor langer Zeit von Hausbesetzern einer sinnvolleren Nutzung zugeführt wurde. Es ist warm, nicht so warm allerdings wie im Haus, wo eine Discoveranstaltung läuft. Wir sind scheinbar gerade tief in den 80er Jahren und die meisten Leute beschließen, doch lieber die frische Luft zu genießen. Mein Kumpel und ich sitzen in diesen Innenhof auf einer der wenigen Bänke.

Er hat ein Becks, ich habe eine Club Mate – die Brause für Nerds, habe ich mal irgendwo gelesen. Egal. Ich nehme einen Schluck.

Er nimmt einen Schluck.

Wir beobachten die Punks, Studenten und hoffnungslosen alten Säcke, die gemessenen Schrittes auf und ab flanieren und sich in meist beeindruckend sinnlosen Konversationen ergehen. Mein Kumpel grinst und lehnt sich zurück.

Während ich es ihm gleichtue, überlege ich, ob wir nicht mal alte irische Trinker werden sollten. 120 Jahre alt, 114 Jahre davon nicht nüchtern. Wohlgelaunt und immer noch in der Lage, sich in einer ordentlichen Schlägerei zu behaupten. Schlägermützen und was man halt sonst noch so braucht. Mit den richtigen Namen. Ich wäre O’Flanegan. Mein Kumpel Finney. Wir würden herumsitzen, trinken und lästern.

Manchmal ist es fein, für ein paar Stunden 120 zu sein.

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