Die Geister, die ich rief

Habt ihr auch versucht, euren Eltern die Segnungen moderner Informationstechnologie näherzubringen? Ihnen vielleicht angeraten, Texte am PC zu texten, weil man dann so fein Arbeit spart? Oder etwas ähnliches getan um eure rational kaum erklärbare Begeisterung für die neuesten Spielereien aus Silicon Valley und Asien weiterzugeben?

Habt ihr es auch spätestens dann bereut, als eure Eltern irgendwann nicht nur widerwillig ihre ersten possierlichen Emails tippen konnten, sondern ernsthaft das Internet für sich entdeckten?

Nun kostete es nicht mehr einfach Zeit, die für erstaunlich langwierige Telefonate draufging, in denen man die Tabellenfunktion von Word versucht zu erklären – klassische Problemlagen wie “Meine Wörter passen nicht untereinander!” waren vor dem Internet. Vor dem Internet war man eine offenbar unerschöpfliche Informationsquelle1. War doch angenehm: Bis dahin waren die “Alten” die Weisen des Lebens, die alles schon gesehen hatten und noch schlimmer, alles besser wussten; zumindest wirkten sie manchmal so. Nun verschob sich das Gleichgewicht der Kräfte. Ich war am Drücker, Hähähähähäh! ENDLICH!

Für eine Weile glaubte ich wirklich daran.

Dann begann sich das Gleichgewicht der Kräfte wieder zu verschieben. Denn meine Eltern – eure auch? – finden bei einer bestimmten Hartnäckigkeit ganz sicher etwas im Netz, das sie brennend interessiert. Ein Forum für Autoschrauber. Einen Versender von Gartenzubehör. Falls es soweit ist, kann man sich schonmal daran machen, langsam zu verzweifeln. Denn einmal motiviert, werden die Erzeuger nicht mehr lockerlassen. Liebe Leser, wenn ihr es noch nicht selbst erlebt habt, lasst es euch von mir sagen: Ihr seid nicht mehr sicher. Was macht ein Elternteil, vielleicht mit mehr Freizeit als früher, wenn es sich langweilt? Genau: Mal schauen, was die Kinder so machen.

Jedes Studienprojekt, noch schlimmer, jedes unter echtem Namen veröffentlichte Fetzchen Text und noch schlimmer, alte Fotos, die ihr gerade erst erfolgreich verdrängt habt: Es gibt jemanden, der sich brennend dafür interessiert. Jemanden, der euch auch noch darauf ansprechen wird. Genau. Die beiden.

Kürzlich gab es einen der selten gewordenen Momente, in denen mein Vater mich bat, seinen Rechner mal anzuschauen, weil er – irgendwas – nicht mehr richtig tat. War auch immer das war, ich habe es vergessen. Er bat mich herein und machte einen Tee. Ich nutzte die Zeit und schaute ihn mir mal an, den PC. Mein Vater hat die Angewohnheit, enorm viele Browserfenster zu öffnen und erst dann welche zu schließen, wenn der arme PC sich vor Überlastung kaum noch rühren kann2. Ich erstarrte, als mein Blick auf den Bildschirm fiel.

Da war eine mir wohl bekannte, aber schon lange vergessene Webseite zu sehen. Die gab es noch? Leider ja. Zu sehen war eine Kurzgeschichte, die ich vor langer, langer Zeit einmal geschrieben hatte. Genauer gesagt, zu meiner einsamen Fantasyphase. Ein Freund von früher hatte lange genervt und gequengelt und irgendwann hatte ich sie herausgerückt, er hatte sie veröffentlicht. Drunter stand mein Name. Drin stand eine nach meinen heutigen Gesichtspunkten wirklich sehr … unerfreuliche Geschichte. Mit Zwergen drin. Zwergen mit Streitäxten. Er hatte sie gelesen. Mein Vater. Ogottogott.

Ich hätte im Boden versinken können, wären die Fliesen des Zimmers nicht so wasserfest gewesen. Klick. Weg damit. Reden wir besser nicht drüber, Alter Herr.3

Eltern. Man kann ihnen auf gar keinen Fall trauen. Das ändert sich auch nicht, wenn man über 30 ist.

  1. Jedenfalls wurde man zum Ansprechpartner für alles Technische. Natürlich wusste ich nicht alles, Google aber vieles und ich bin vielleicht nicht in vielem gut, aber ich kann sehr gut recherchieren. []
  2. das war auch Grund für so ein empörtes “Das Scheissding ist kaputt!”-Telefonat []
  3. Ich hasse es, wenn mir nachgesuchmaschiniert wird. Wenn ihr euch nicht zurückhalten kommt, dann konfrontiert mich nicht damit. Ist gesünder. []

6 Kommentare

  1. hm, wieso kommt mir das alles nur so bekannt vor? schlimm! ich kann das echt gut nachvollziehen – wie viele andere bestimmt auch. ;)

  2. Denis, in meine Arme, Leidgenosse!!

    Meine Eltern verhalten sich auch so. Die Alten sind verdammt clever, wenn es darum geht, einem ihre Weisheit aufzudrängen. Dazu machen sie noch nicht mal vor dem Internet halt.

    Im Unterschied zu Deinem Vater lässt aber meiner sich natürlich bei Probleme GAR NICHT helfen (bin ja schließlich die TOCHTER, da hab ich bestimmt nicht so viel Ahnung von dem Kram wie der PAPA). Dezente Hinweise, daß es möglicherweise nicht so gut ist, den Desktop mit ca. 150 Anwendungen (ja, nicht Verknüpfungen, NEIN, Anwendungen) zuzupflastern, werden grundlegend ignoriert. Und wenn ich vorsichtig bemerke, daß wildes rumklicken bei Verlangsamung des Prozesses nicht im geringsten hilfreich ist, werden nicht mal mit einem “ach was” gewürdigt.

    Wenn dann gar nichts mehr geht (hä, wie meinst Du das, ich soll keine fremden E-Mail-Anhänge öffnen. Was soll da schon passieren?), ist selbstverständlich Tochter #1 oder #2, bzw. einer der männlichen Begleiter dafür verantwortlich. “Was habt ihr denn da gemacht?”

    Aber, wenn ich mir jetzt vorstelle, mein Papa findet mein Blog. Öh, OMG. Bitte nicht. Dagegen sind Zwerge gar nix.

  3. Ich bin ja noch harmlos in meinem Blog – das wäre der Horror, oder? Aber meines Wissen gibt es bisher keine elterlichen Leser. Obwohl sie eigentlich davon wissen – nur fehlt ihnen die Domain. Hehe.

  4. Mit meinem Kommentar spreche ich von der Allgemeinheit! Ich will damit keinen persönlich anschreiben! Wer sich angesprochen fühlt, tut dies, weil er/sie das möchte – aber nicht ICH! Hoffe das ich auch so verstanden werde!

    Leider verstehe ich nicht warum es so schlimm ist, daß Eure Eltern Eure Texte oder Blogs lesen? Ihr veröffentlicht das für jeden! Der Nachbar kann es lesen, der Chef, die Tante, der Bruder, der Arbeitkollege, … – JEDER der lesen kann!
    Vielleicht lernen Eure Eltern Euch endlich einmal kennen! Was in Euren Köpfen abgeht, was Ihr für Träume und Ängste habt! Das ist so, als dürften die Eltern nicht mitspielen! “Warum ist Papa denn so kindisch?”
    Seltsam!
    Das Internet ist GLASKLAR! Jeder der etwas schreibt ist fast faßbar!
    Leider verstehe ich nicht, warum die Kommunikation ins Unermeßliche gestiegen ist, aber die wirkliche Unterhaltung mit einem GREIFBAREN lebenden Menschen gegen Null geht!
    Leider haperts in der Kommunikation zwischen Generationen und wohl auch mit den Eltern – wenn man noch welche hat, die vielleicht so sind!
    Denn die, die keine mehr haben, oder vielleicht nur noch die Mama, die würden sich freuen wenn Papa noch lesen könnte!
    Schickt Euren Eltern all Eure Blox und Texte, endlich wissen sie das Töchterchen vielleicht doch nicht so brav ist!
    (…jahrelang bei Papa auf’m Schoß gesessen und das brave Mädchen gespielt, und auf einmal findet der liebe Papa ein Video im Netz, seine Tochter nackig mit ‘nem Kerl im Bett, der aussieht wie sein damaliger Studienkollege.”Ich brauchte neue Klamotten, Du hast mir ja kein Geld mehr geschickt! Und das Bafög reichte mir nicht mehr!” Jetzt ist der Papa auch noch Schuld an allem!)

    Was ist schlimm daran das Eure Eltern Euch kennen lernen?
    Versuchen zu verstehen was Ihr da macht!
    Jeder einzelne Mensch hat doch sein Leben,
    egal ob Sohn, Mutti oder Brüderchen!
    Niemand ist berechtigt anderen vorzuschreiben wie er sein Leben zu führen hat! Wir sind alle frei! Und Sünder schon gar nicht!
    Wir kommen alle auf die Welt und können machen was wir wollen,
    solange keiner irgendwie verletzt wird!

    Was geht es den Nachbarn an was man so macht? Das kann einem doch scheiß egal sein!
    Aber den Eltern sollte es eigentlich nicht scheiß egal sein!
    Und wenn man über Zwerge und Trolle schreibt, zeigt es doch nur, daß der Sohn Talent zum Schreiben hat, Fantasien hat, kreativ ist, Kunst macht! Die Eltern könnnen das nicht wissen, wenn man nicht redet, aber wenn sie einen Text lesen, lernen sie vielleicht Verständnis!
    Private Sachen wird ja wohl eh jeder persönlich besprechen und nicht im Netz! Aber manche Menschen schnallen ja immer noch nicht das eine E-Mail eine Postkarte ist, die jeder lesen kann! Ein Blog wie die Verteilung von Flyern mit seinen Texten abgedruckt…
    Wenn man Metal spielt und versucht zu erklären, daß es Kunst ist – das ist schwer! Wenn man versucht zu erklären, daß an der Stelle ein 5/4 Takt gespielt wird, der in einen 7/4 überläuft, dann zu 6/3 und 3/3 wird, später in einen Blastpart verschmilzt, um dann in melancholisches Gesplatter zu bluten, mit einem 13/12 Outro – das ist schwer! Das erklärt mal Euren Eltern! “Warum schreit der denn so? Das ist doch nicht Musik! Das ist doch Krach! Was sind das denn für schreckliche Cover? Junge das muss ich dir glaub ich verbieten!” – aber es ist doch Kunst vom Cover bis zum Text tief durchdacht!
    Bsp.: ‘Edge of Sanity’ mit ‘Crimson’: (das werde ich jetzt erstmal anmachen – Moment …) Es ist eine Geschichte, die 40 Minuten erzählt wird. Toll gemacht, toll geschrieben! “…War! Messengers of hell. They fought for what would be a blood-stained crown. Utter chaos supreme. The sand absords the colour of dawn. Nevermore shall they dream, nevermore!
    The years went by under a blood-red sky, the king still suppress
    the rebellian lie.” Das hier der Sänger schreit wie ein Kriegführer, der seine Truppen in die Schlacht führt, das ist mir völlig klar – aber erkärt das mal Eurer Omi, die den Krieg mit gemacht hat!

    Möchte hier klar festhalten, daß ich Null vom Krieg halte! Ich kann noch nicht mal Tiere schlachten!

    Wenn ich mir Schlachten im Mittelalter vorstelle, mit Drachen, Elfen und Untoten, höre ich imaginäre Metalwalzen in meinem Kopf. Wenn man sich in die Prinzessin verliebt, möchte man ein Liebeslied wunderschön vorsingen. Erzählt man seinen Freunden von der letzten erfolgreichen Schlacht, wieviele Menschen Mann oder Frau getötet hat, brüllt man besoffen rum und zeigt mit dem klebrigen Holzbecher auf imaginäre Feinde die vernichtet wurden und fällt dabei fast ins Lagerfeuer; mit steigendem Pegel, steigt die Zahl der getöteten Feinde und deren Blutmenge, die sich auf dem Schlachtfeld ergoß.
    Was ich damit sagen will, man muss immer zwischen den Zeilen lesen! Einer Prinzessin wird man den Krieg anders berichten, wie einem Soldaten! Will sagen, wenn man über Zwerge oder andere Figuren schreibt, beschreibt man eine andere Welt – Fantasie! Geschichten! Seit Jahrtausenden werden Geschichten erzählt,
    manche zum Lachen, andere zum Weinen, viele erzeugen Gänsehaut!
    Schreibt doch was Ihr wollt, die Menschen brauchen verschiedenste Geschichten für eine bunte Seele – die auch schwarz enthält! Schwarz hat aber genauso viel Gewicht, wie weiß und alle anderen Farben! Das ganze Spektrum!

    Eltern sind doch keine Kontrollorgane, oder Administratoren die einen raus schmeißen, weil man gegen Tiermord protestierte in einem SchlachterForum…
    Wenn Ihr es zulaßt, daß Eure Eltern Euch kennen lernen, verspreche ich Euch Ihr werdet sie neu kennen und lieben lernen!
    Ich wäre froh wenn ich noch von Eltern sprechen könnte!
    Wenn man die Eltern nicht verstehen will,
    wie können sie dann die Kinder verstehen,
    und natürlich andersrum!
    Viele Kinder vermissen die Eltern erst, wenn sie auf einmal alleine und heulend im Freibad stehen, die Mutti ausgerufen wird, was ihr sehr peinlich ist! Das ganze Freibad weiß nun wer sie ist, wieviel Kilo sie angeblich zu viel hat etc.. All diese sinnlosen Gedanken, die Menschen haben, die komplett mit der “Gesellschaft” verwachsen sind; während sie Kinder anschreien, für Sachen die Kinder nicht verstehen können – und hoffentlich nie wollen!
    Jeder hat seine Geschichte, seine Vergangenheit, jeder muss frei entscheiden!
    Eltern sind auch nur Menschen, die Kinder in einem tierischen Rausch gezeugt haben! Wir sind alle nur Tiere auf diesem Planeten, das darf man niemals vergessen! Man darf auch niemals vergessen das Schweine wie Hunde sind, wenn man sein Schnitzel vor sich hat und den Hund streichelt, der eigentlich nicht am Tisch sitzen darf, wenn das Rudel ißt! das kann kein Hund verstehen, was hat er falsch gemacht! Warum streichelt man gezüchtete Katzen (eigentlich Wildtiere!), aber ermordet Schweine massenhaft – nur für den angeblichen Genuss, den Fleischfresser verspühren, aber niemals eine Kuh gestreichelt haben!
    Manches können manche halt nicht verstehen! Damit muss man klar kommen! Eltern und Kinder sowieso! Dem anderen nahe bringen wie man tickt, wenn man es denn möchte, ist wichtig für das Zusammenleben! Das Leben ist kurz aber schön, man wird ständig von Wellen erfaßt, die Strömung ist nicht zu verachten!

  5. Eigentlich *hust* wollte ich nur eine kleine, lustige Geschichte mit einer Pointe am Ende schreiben. Ohne großen Anspruch. Mir ist aber schon bewusst, wie das Internet funktioniert. Wirklich!

    Kurz: Ich bin nicht sicher, ob ich mich über einen so langen Beitrag freuen soll oder ob ich mich ob des Inhalts ärgern soll. Ehrlich gesagt habe ich das Gefühl, du solltest für so SO lange Kommentare lieber ein eigenes Weblog starten, so jedenfalls gehen sie unweigerlich unter – mich hast Du jedenfalls auf halber Strecke verloren, wenn ich mal ganz offen sein darf.

    P.S.: Du heisst auch nicht wirklich “Optera” mit Vornamen, oder? Das machst Du sicher auch mit Grund.

  6. Du (Denis) kannst mir glauben, daß ich Dich in Deinem Tun respektiere; und denke, daß Du ganz genau weißt wie viele Sachen funktionieren! Mit dem Medium umgehen kannst, es positiv mitgestaltest! Einigen Laberköppen, die denken sie wissen was sie tun, und mir sowieso, was vormachen kannst!

    Ich kann es manchmal einfach nicht lassen! Manchmal fließt es einfach so aus mir heraus, bei manchen Themen kann ich nicht anders! Kommentare schreibe ich so gerne, weil Geschichten dadurch Leben bekommen, Ideen weiterwachsen, oder eine andere Wendung nehmen!

    Denke Du solltest Dich freuen, wenn sich Menschen mit Deinem Geschriebenen befassen und es nicht wie FastFood konsumieren – jetzt noch ‘nen kleinen Snack! Wenn du es schaffst das Menschen an Deinen Texten hängen bleiben, warum auch immer, ist es doch positiv!

    Auf gar keinen Fall wollte ich Dich damit ärgern! Das sollte so nicht rüber kommen! Wie geschrieben, damit spreche ich niemanden persönlich an! Warum sollte ich den Fluß stoppen, nur weil andere dann keine nassen Füße bekommen? Bitte nicht ärgern, daß finde ich schade!
    In meinem Leben stoße ich immer weider auf den Punkt, daß ich absolut nicht verstanden werde! Damit habe ich mich schon fast abgefunden!
    Tja und wenn ich es nicht schaffe, daß Du durchhälst, dann hab ich kacke geschrieben!
    Natürlich heiße ich nicht Optera mit Vornamen. Wer der Name überhaupt erlaubt in Deutschland? Und natürlich habe ich einen eigenen Schreibblock, da sind noch ungefähr 20 Blätter Papier auf der Pappe! Einen im Netz hab ich auch, aber das ist ein anderes Thema!
    Am Computer habe ich mich schon als Kind anders genannt, früher am C16 hieß ich immer Don…
    …jetzt hast Du erreicht was Du wolltest, jetzt wäre ich schon fast wieder in den Wahn verfallen! Wie mein Deutschlehrer auf’m Söderblöd…Lehrer sind doof, außer Frau Bergmann, die war klasse!