Nachtschicht

Die Katze ist ein Kater und wohnt im Haus meiner Eltern. Besser gesagt: Sie schläft im Haus meiner Eltern. Also, er. Der Kastrat.

Morgens früh kommt er rein – läßt sich hoheitsvoll bei und schafft es irgendwie, in mein altes Zimmer zu gelangen. Da schläft er dann, vorzugsweise auf dem eigentlich verbotenen Bett. Egal ob ich nun mal da bin oder nicht. Das ist dem ganz egal. Er hat eine Affaire mit dem Bett, nicht mit dem Typen, der hin und wieder die Laken ausbeult. Er verbringt eh viel mehr Zeit mit dem Bett und beruft sich wohl auf Gewohnheitsrecht.

Mittags steht Herr Kater dann auf. Kurz. Er spaziert in die Küche und schaut nach, ob da etwas für ihn zu holen ist. Natürlich nicht. Er stört solange, bis doch etwas abfällt. Etwas Trockenfutter zum Beispiel. Das bekommt er zwar auch sonst, aber es geht um die Machtverhältnisse. Wenn man so viel pennt, muss man daran erinnern, wer hier der Chef ist.

Eine kurze Runde nach draussen. Ums Haus. Immer noch Präsenz zeigen. Was im Haus geht, gilt auch für das katersche Revier.

Danach geht es wieder ins Bett. Oder? vielleicht auch ins genauso verbotene Sofa. Je nachdem Wo die Sonne gerade hinscheint. Noch einmal Siesta nach dem anstrengenden Tagewerk. Dann. Feierabend für Menschen. Große Katzenfütterung. Schlafen. Irgendwo.

Gegen 20 Uhr aufstehen, Nickerchen auf den Schoss des Menschen, der sich fälschlicherweise für den Hausherren hält. 23 Uhr: Zeit für die Nachtschicht.

Worauf will ich damit hinaus? Warum berichte ich so indiskret aus dem Leben eines älteren Katers? Nun, das ist natürlich ganz sonnenklar und überaus einfach:

Ich will wissen, was der macht. Was so einen enormes Schlafbedürfnis ausmacht. Nicht was ihr denkt, der ist immerhin kastriert. Der arme Kerl. Vermutlich ist er nebenher Killer für die russische Mafia und nebenher verdeckter Ermittler. Ich habe gehört, das soll sehr anstrengend sein. Oder Kraftsportler vielleicht. Sachbearbeiter?

4 Kommentare

  1. Bau dir doch eine Catcam. Wären unsere Monster nicht so begabt im Ausschalten von Halsbändern, wär mir das glatt einen Versuch wert. Allerdings hat es ja einen Grund, dass wir nicht länger Geld für Flohhalsbänder verschwenden. Mal davon abgesehen, dass die aus dem Anlegeprozeß resultierenden tiefen Kratzwunden verdammt mies verheilen – und bei mir auch immer furchtbar anschwellen – schaffen es die Biester immer wieder, nur wenige Stunden später ohne den Flohkiller anzutanzen. Mistkatzen …

  2. Das mit dem zufälligen Verlieren von Halsbändern schafft der Kater leider auch sehr gut. Catcam hat mir eine andere Leserin schon nahegelegt – im Moment lasse ich dem Herrn Kater noch seine Privatsphäre.