Schweinkram deluxe

Ich bin von bestimmten schamlosen wie großartigen Personen1 angestiftet worden, ein neues Stöckchen in die Welt zu schubsen – ein Stöckchen von schamlosester Natur, wie zu erwarten war. Ich habe auf dem Dachboden wie im Gedächtnis kramen müssen, meistens breit grinsend. Es geht natürlich um Erotische Literatur. Nun habe ich da natürlich ausreichende Erinnerungen. Nun, wie schmiede ich das vor Lust glühende Eisen in eine elegante aber auch praxinahe Stöckchenform?

So.

1. Erzähl uns etwas über erste Stück Erotik, dem Du begegnet bist – nicht notwendigerweise in “richtiger” erotischer Literatur.

Ich glaube, das war kurz vor meiner Phase als Barbarischer Held. Ich war in der städtischen Bibliothek und durchforstete die Bestände nach jeder Art von Fantasy. Damals waren die Conan Filme noch sehr gegenwärtig, darin spielte Arnold Schwarzenegger die Hauptrolle, den ich nicht mochte. Aber die ungelesenen Bücher meines Geschmacks wurden langsam knapp und ich nahm einen ganzen Stapel zerlesener, nikotingelber Taschenbücher alter Conanstories mit nach Hause, die sind alle in den frühen 1930er Jahren erschienen. In der dritten Geschichte oder so – der stramm-muskulöse Jungspund barbarischer Art war gerade der Sklaverei entkommen – wird er von einer Hexe verführt. Eine sehr attraktive Hexe. Conans Männlichkeit reagierte. Ich musste eine Weile (keine sehr lange Weile) nachdenken, um darauf zu kommen, was Robert E. Howard damit meinte. Aha! Die Vorstellung gefiel mir. Sehr.

Natürlich war das alles nur ein fieser Zauber, um dem arglosen Helden die kostbare Lebenskraft zu klauen. Conan war natürlich auch viel zu stark und zu schlau, um auf solchen Weiberkram hereinzufallen, bei Crom! Wie immer bei Howard2. Leider kann ich nicht mit einer Leseprobe dienen.

Praktische Anwendung: Für pubertierende Jungs: Selbsterklärend. Für alle anderen: Großartig vorzulesen, da nicht zu lang und einfach, aber athmosphärisch geschrieben. Die Frau kommt nicht sonderlich gut dabei weg und das Ende ist … ernüchternd für unsere Stöckchenzwecke.

2. Wie bist du das erste mal an ein richtiges Buch der “verbotenen” Sorte gekommen?

Nun, es gab da staubige Kartons, die beim Umzug meiner Familie auf dem Dachboden und anderswo ungeöffnet stehen blieben. Oha, da fand ich aber etwas. Die Memoiren der Fanny Hill von John Cleland3 Ein skandalöses Buch, immer wieder verboten. Es war zwar wirklich ausgesprochen alt … aber.. nun, meine Neugierde ward entfacht. Da ich Sittenlose Königinnen nicht gefunden habe, zitiere ich aus diesem Buch:

Charlie hatte schnell die Tür verriegelt, eilte auf mich zu, nahm mich in die Arme, hob mich auf und preßte seine glühenden Lippen auf die meinen und legte mich zitternd, furchtsam, sterbend vor Begierde und in Tränen aufs Bett, wo seine Ungeduld ihm nicht Zeit ließ, mich mehr zu entkleiden, als mein Halstuch aufzulösen, mein Oberkleid und die Schnürbrust.

Mein Busen war jetzt bloß und hob sich unter heftigem Herzschlag; seinen Augen bot sich ein Paar schwellender harter Brüste eines Mädchens von sechzehn Jahren, das eben erst frisch vom Lande gekommen und noch unberührt war; aber nicht ihre Weiße, ihre Form und ihre widerstrebende Härte konnten seine Hand fest halten, die frei umher schweifte; meine Röcke und mein Hemd waren bald aufgehoben und der stärkere Anziehungspunkt lag offen vor ihm ; die Angst verursachte, daß ich ganz mechanisch meine Schenkel schloß, aber seine Hand stahl sich hinein, löste sie auseinander und eröffnete den Hauptangriff.

Jahaha … mehr schreibe ich hier doch nicht. So fürchterlich gefährlich ist das Buch nicht, aber es macht doch immerhin Spaß zu lesen. Aber für mich damals und für die Öffentlichkeit damals, war das ein richtig fieses Stück Literatur.

Praktische Anwendung: Wenn man in einer etwas schnörkeligen Stimmung ist, genau richtig. Auch schön vorzulesen und nicht ohne einen gewissen Humor, aber eben schon ziemlich angestaubt.

3. Ausgeprägte Schweinereien, die unbedingt erwähnt werden müssen

ich habe selten bewußt nach erotischer Literatur gesucht und es in diesen Fällen nach akuter Ernüchterung ob der mäßigen Qualität der Schreiberei schnell wieder gelassen. Henry Miller jedoch konnte schreiben, Opus Pistorum ist sogar eine enorme Sauerei, jawohl. Frauenfeindlich ist der dazu auch noch, immer wieder aber komischerweise auch gar nicht. Hm-Hm.

Elsa is sitting in my lap. Her eyes are little belly-buttons. I look at her large mouth, so wet and glistening, and i cover it. She is humming now …. “Es wär’ so schön gewesen ….” Ah, Elsa, you don’t know yet what that means to me, your Trompeter von Säckingen. German Singing Societies, Schwaben Hallo, the Turnverein … links um, rechts um … and then a whack over the ass with the end of a rope.4

Miller gehörte scheinbar zu den Männer, die ihren Kronjuwelen unbedingt vor-und Zunamen vergeben müssen – eine merkwürdige Angewohnheit, die ich durchaus hoch ablenkend finde. Jungs, macht ihr das auch? Wenn ihr es tut, dann.. bitte.. kommentiert hier nicht und behaltet diese Information für euch, danke vielmals.

Praktische Anwendbarkeit: Insbesondere für Zuhörer mit leichter SM Neigung sicher nicht ganz uninteressant, teilweise brillant geschrieben. Für echte Ferkel sehr inspirierend, hehe. Also, ich habe mal Miller am Telefon vorgelesen und das hatte durchschlagenden Erfolg. Zwar nicht ganz so wie ich mir das dachte, aber es gibt einige Frauen, die den kreativen Einsatz einer Haarbürste höchst anregend finden. Höchst anregend, geneigte Leserinnen und Leser.

Ach ja, und Bukowski natürlich, das alte Ferkel. Den mag ich immer noch gern, auch wenn er Anfang der 90er so in Mode war. Aber ich muss ja nichts aus Fuck Machine bringen, oder? Ne, muss ich nicht.

“Auu!” sagte ich.

“Was ist denn jetzt los?” fragte Joyce. “Nicht aufhören! Nicht aufhören!”

“Baby, ein Topf mit Geranien ist eben auf meinem Arsch gelandet!.”

“Nicht aufhören! Mach weiter!”

“Schon gut, schon gut!”

Ich stocherte drauflos, kam einigermaßen in Fahrt, dann -

“Au, scheiße!”

“Was ist denn? Was ist denn?”

“Wieder ein Topf mit Geranien, Baby, direkt ins Kreuz, dann ist er auf meinen Arsch gerollt und auf den Boden gefallen.”

“Ich scheiß auf die Geranien! Mach weiter! Macht weiter!”

“Aber bitte, sicher…”

Die ganze Zeit, während wir bumsten, fielen dauernd diese Töpfe auf mich herunter. Es war, als vögle man während eines Luftangriffs. Schließlich schaffte ich es dann doch.

Später sagte ich: “Hör mal, Baby, wir müssen irgendwas mit diesen Geranien tun.”

“Nein, du rührst sie nicht an!”

“Warum, Baby, warum?”

“Weil sie das Vergnügen noch steigern.”

“Steigern?”

“Ganz richtig.”

“Du bist ja verrückt.”

Sie kicherte nur. Doch die Töpfe blieben auf dem Regal, oder doch die meiste Zeit.5

Praktische Anwendbarkeit: Wenns einem mal richtig dreckig geht, hat Bukowksi bestimmt schonmal über etwas viel Übleres geschrieben und vielleicht drüber gegrinst. Eigentlich war er nie ein richtiger Erotomane, er hat nur hin und wieder über das Thema geschrieben. Die Literaturszene war nicht sehr fair zu dem Mann. Trotzdem hat er ein paar ein paar wirklich feine scharfe Sachen in seine olle Schreibmaschine gehämmert. Praktisch anwendbar? In unglücklichen oder versoffenen Phasen. Das kann man ja auch mal gleichzeitig haben.

4. Hast Du schon einmal literarisch inspirierten Sex gehabt?

Eigentlich kam die Inspiration immer ganz automatisch – ich mag ja auch keinen Sex mit Frauen haben, die mich nicht inspirieren. Aber am Telefon oder so ganz allein… ich würde lügen, wenn ich da “nein” sagen würde.

So, nun seid IHR dran. Eigentlich sollte das hier mal ein ordentliches Stöckchen werden – aber ich habe nur vier Punkte gefunden und nun schon selber fast eine Diplomarbeit dazu getippt. Das ist lang genug! Falls euch weitere Punkte einfallen, hängt sie dran und ich werde hier einbauen.

Stock geht natürlich zuallererst an Meriche (Link geht direkt zur Antwort), an Soundless, an Katja6 (Link zum Beitrag!), Konna, Crunchi und an Just4fun. Und Caesar. Sowie natürlich an alle meiner bloggenden Leserinnen und Leser. Fühlt euch mal richtig anstöcksig!

  1. na gut, es war nur eine Person – dafür bekommst du das Stöckchen auch gleich dankend rübergeschoben, Meriche []
  2. REH war ziemlich großer Sicherheit noch Jungfrau, als er sich 1936 nach dem Tod seiner Mutter mit einem Revolver entleibte []
  3. Vollständig zu lesen im Projekt Gutenberg – Hier. []
  4. Tropic of Cancer, 1934 []
  5. Aus: “Der Mann mit der Ledertasche” []
  6. ja, ich habe dein Schlagzeilenstöckchen nicht vergessen! []