Tag-Saga, Teil 1

“Schweinerei, Sie Ferkel!”, schrie Frau Müller dem UAC-Boten nach, der auf wordpress.com ihr Liebesleben mittels Bannerwerbung in einem Vistablog bekannt gemacht hatte. Sie hatte sich gerade so angenehm ihren Brückentag mit der Lektür von John Crowley versüßt, als ihr O2-gesponsertes Mobiltelefon sich meldete – Clickclickdecker! machte es. Es war ihre Daten von letzem Samstag, aus dem Falkendom. Sie konnte sich kaum erinnern, wer das sein könnte, es hätte auch das Donnerstagsdate aus dem Forum sein können – sie kam da so leicht durcheinander. Das Gespräch war jedenfalls eines dieser Endless Things, begonnen damit, wie er in Aegypten auf den Hund gekommen war, bis dahin – er war Brite – das sie seine “hotdoll” wäre und das sie “cute” beim Poker ausgesehen hätte – kein Wunder, hatte sie doch nicht nur ihre Kleider, sondern auch ihre Windows Vista Lizenz verloren. Sie wünschte sich, dass er endlich deutsch reden würde und die billige Anmachen stoppte und das er bitte, bitte keine ansteckenden Krankheiten hätte – das Geständnis käme nämlich einige Tage zu spät und der gefürchtete Juckreiz würde im Büro sicher nur schwer zu verbergen sein. Als er sie seine “Cat”nannte, ihm seine Audiolith-Platten vorspielen wollte, ihr, seiner “Sex-Doll”, wurde es ihr zu viel. “JURIGARGARIN nochmal und Marihuana dich, du BOX! Du solltest nicht so viel kiffen! Oder hast du Spider-Man 3mal zu oft gesehen? etcetera xmpp. Ich gehe jetzt aufs Klo!”

Damit legte sie auf.

Das Gespräch war wirklich umsonst und draußen, dachte sie. Manchmal wäre vielleicht die Zensur solcher Telefonante ganz hilfreich, war ihr Gedanke, als sie die WC-Tür hinter sich schloss. Portugal. The Man. Das war natürlich ein ganz anderer Lover, einer mit Stil und einer hohen Stimme. Sie phantasiere noch etwas über die letzte Visionsparty und den Frosch, aber das war nichts Sexuelles passiert – hoffentlich jedenfalls. Filmriss war keine schöne Sache.

Als sie wieder im Wohnzimmer ankam, liefen die Simpsons. Das taten sie schon gefühltermaßen seit der Schulzeit… ihrer Mutter, die Sozialpädagogik oder Sozialarbeit (Frau Müller konnte das einfach nicht auseinander halten) oder so etwas in Magdeburg studiert hatte – das viele Wasserbier hatte bei ihr zu einem cholerischen Naturell geführt. Ihr Newsfeed zeigte in der ersten Schlagzeile “Oliver Pocher” an. Sie knirschte mit den Zähnen und dachte an den WordPress-Terroristen. Sie zählte langsam vor sich hin. 2.2.(weiter kam sie selten). Meistens beruhigte sie das.

Das Telefon klingelte, das unverständliche Gebrabbel an andere Ende klang wie “Harald Schmidt” in Pidgin. “Aim…Trillian, bist Du es? Hast du das Script? Ich dachte du fährst grade noch die Mongolrally.” Aber es half alles nichts, sie verstand nur Rhabarber. Sie legte auf. Noch ein Blick auf ihren Computer – sie winkte ab. Wenn sie da weiterlesen würde, bekäme sie noch einen Feedburner im Hals. Kuchen wäre besser. “Steuer auf Podcasts”, noch eine Umfrage. Ab in den Müll damit.

Jetzt war endlich Raum für etwas Premiumzeit – und ausgiebige Kosmetik, später. Sie öffnete ihr Buch.

Fortsetzung in Teil 2.

Diese Geschichte besteht aus den Tags1 , die ihr unter anderem im Menü auf der rechten Seite anschauen könnt. Nicht das ihr euch wundert. Aber das mit dem “MEHR!” war kein Witz… ich will versuchen, das ganze Drama unter 800 Wörtern zu halten.

  1. “Schlagwörtern” []

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