Nach einer Inspiration von Meriche (Mit der ich nicht unter einer Decke stecke).
Als wir uns kennen lernten, unwiderstehlich und unerklärlich, wie wir übereinander herfielen! Gleich nachdem andere Menschen außer Sichtweite waren, küssten wir uns. Minuten nachdem wir uns das erste mal gesehen hatten, tagsüber; wenige Worte hatten ausgereicht. Wir sehen uns heute abend? Neun Uhr. Damit war die Sache klar, nie wieder war etwas so klar gewesen. Nicht dass man auf einer Mensaparty an einer namenlosen Uni wirklich unbeobachtet sein konnte; uns reichte der Schatten des Softdrinkautomaten vollkommen aus. Eigentlich war uns nicht einmal das unbeobachtet sein wichtig. Es war eine Ausrede, um herumzuknutschen und noch viel schlimmere Sachen zu tun. Ah, nun sieht uns keiner. Schon wieder nicht. Komm her.
Sie küsste schlecht und schmeckte nach Zigarettenrauch und ich brauchte auch dringend mehr Übung – aber wir waren bereit, an unseren Fertigkeiten zu arbeiten. Damit begannen wir an Ort und Stelle.
Nein: Wir kamen nicht zusammen. Ich weiß gar nicht, ob wir uns wirklich gemocht haben; wir waren sehr unterschiedlich und hatten wenig gemeinsame Interessen außerhalb des Bettes. Aber wir trafen uns regelmäßig. Zum Üben und so. Sie spielte Jazz, ich holte mir blaue und grüne Flecken beim Punkrock.
Das erste Semester ging vorbei, Weihnachten nahte. Wir hatten uns seltener gesehen, das kam einfach so. Automatisch. Wir wussten, die Sache ging dem Ende entgegen; wir würden uns nicht mehr oft sehen und der Kontakt würde sich auf unsicheres Zuwinken auf Parties (“Und was machst du so?”) und SMS in Momenten der Einsamkeit beschränken.
Es war Weihnachtsmarkt in einer dieser tausendfach geklonten Fußgängerzonen mit den überall gleichen Buden. Holzspielzeug, kitschiger Schmuck, Glühwein. Ihr Finger wären kalt, sagte sie. Obwohl sie Handschuhe trug, handgestrickte Handschuhe. Ich kaufte uns je einen von diesen Plastikbechern, an denen man sich beinahe -aber nicht ganz- die Hände verbrennt und deren Inhalt man so leicht verschüttet. Beides gelang mir. Aber immerhin, ihr wurde wärmer. Wir gingen die gepflasterte Strecke auf und ab, auf und ab, sahen uns Schaufenster und Buden an, die uns nicht interessierten. Zweimal, dreimal. Wir redeten wenig. Wir wussten wohl beide, das wäre der letzte Glühwein für uns, der letzte gemeinsame Drink für uns als fast-schon-ein-Paar. Das Zeug war viel zu süß, ich bekam es nicht herunter und nippt nur demonstrativ am weißen, wabbligen Plastik. Ich fühlte, wie ich traurig wurde, unerklärlich sentimental. Sie hatte ihren Becher schon ausgetrunken; meinen kippte ich an einen dieser Pflanzkübel aus Waschbeton. Sie nahm meine Hand; den Handschuh hatte sie ausgezogen. Wir gingen zur Bushaltestelle.
Sie legte die Arme um mich und schaute mir in die Augen, ein klein wenig bisschen traurig vielleicht. Wir küssten uns, neben einem Automaten mit Spritzen für Junkies, inzwischen geübt und tief und großartig, das erste und einzige und letzte Mal. Ich hörte ihren Bus anfahren, sie löste sich von mir.
Wir sehen uns? Sicher.
Tags: Glühwein
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Komm vorbei und wir trinken ein paar zusammen. Sowohl an der Uni als auch auf unserem Weihnachtsmarkt gibt es auch keine Pappbecher, sondern richtige Tassen. Du darfst nachher sogar darüber bloggen
Aber…verlink doch nicht alles zu mir. Die Leute werden irgendwann noch annehmen, wir steckten unter einer Decke.
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Ich steh ja persönlich nicht so auf Glühwein… aber solche Erinnerungen, die da auf einmal “auf poppen” bei Gerüchen, Liedern o.ä… Ist schon faszinierend.
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Meine Mam schnupperte grade am Küchentisch ganz aufgeregt an der Wildschweinsalami, die meiner Meinung nach irgendwie ein bisschen streng roch, und auch geschmacklich nicht wirklich mein Fall war.
Sie schnupperte und murmelte:
“Wo waren wir da noch….Trüffel….hmm…Rotwein…wo waren wir da, wir waren doch….”Dann legte sie die Salami auf ihr Brötchen, biss rein, kaute lange und ausgiebig und brüllte plötzlich:
“Toscana!”
Wie Gerüche einen so erinnern können…
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Oooch…. ich finde das schön…
Solche Erinnerungen machen einen Menschen kurz glücklich (hoffentlich war die Verknüpfung eine gute!).Ich zum Beispiel werde bei Liedern von Reinhard Mey immer an meine Mama erinnert. Klar, das macht mich auch traurig, aber gleichzeitig bin ich glücklich darüber… Sie mochte die Musik. Ich kann sie noch vor mir sitzen sehen, wie sie mitsingt, lächelt…. Ihre Vorfreude, wenn eine neue CD erschien. Das wird ganz plastisch vor meinem inneren Auge.
War letztens ziemlich krass als ich bei einem Freund ins Webradio reinhörte und er grad ein Lied spielte… das erste Mal seit 8 Jahren, dass ich Reinhard Mey wieder gehört habe…Naja… natürlich verknüpfen wir aber auch negative Sachen mit Gerüchen, Geräuschen etc. Ist ja bei traumatisierten Personen leider auch ganz häufig der Fall…
Ich schweife ab von Denis Glühwein…. Wie gesagt: Ich mag solche Erinnerungen.
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