Dekadenztherapie

Eines ist ja wohl mal ganz klar: Etwas muss passieren. Die letzen paar Woche, nein, die letzten paar Monate waren – von ein paar funkelnden Lichtblicken mal abgesehen – doch unter dem Strich eher unerfreulich. Wenn das noch lange so weitergeht, werde ich noch Auflösungserscheinungen zeigen. Falten. Depression. Kernschmelze. Erhebliches Unwohlsein. Fortschreitende Kompostierung. Unerquicklichkeit der schlimmsten Sorte.

Natürlich tritt das nur ein, wenn ich keine Gegenmaßnahmen ergreife, versteht sich. Die richtigen Maßnahmen.

Wenn man sowieso schon weiss, was einen kaputtmacht, ist Psychoanalyse nicht notwendig; ein, zwei Jahre Zeit hätte ich sowieso nicht. Also werde ich meinen eigenen Ansatz verfolgen, der nicht nur absolut wirksam ist, sondern auch noch Spass macht.

Allerdings gibt es diese besondere Therapie noch nicht auf Rezept.

Was ich brauche, ist Zeit mit Spezialmenschen auf angenehmste Weise. Konversation, Film1, reichlich Essen und Trinken, bittesehrundherzlichendank. Es sollte alles sehr gut sein. Etwas, an das man sich erinnern wird. Dann werde ich Wochen und Monate davon zehren können und lange nicht so schnell traurig, verzweifelt, faul oder unleidlich.

Ich kann dann sogar besser schlafen und morgen früher aufstehen. Nicht am Morgen direkt danach, natürlich. Aber sonst schon.

Der einzige Nachteil dieser großartigen Therapie ist die Tatsache, das wir sie selbst bezahlen müssen. Aber auch da hilft eine kleine Einstellungsänderung: Denkt nicht „Fressen und Saufen mit meinen Freunden“. Denkt „Gesunde Seele“. Bald erkennt die Krankenkasse das auch an und ihr könnt eure Exzesse auf Schein bekommen. Sogar als Kassenpatient.

Wellness kann auch mal auf angenehme und stillvolle Weise funktionieren, geneigte Leser. Nun müssten die verschreibungspflichtigen Spezial- und insbeondere Lieblingsmenschen erst einmal Zeit haben.

  1. ‘Darjeeling Limited’, anyone? []

5 Kommentare

  1. Es gibt ein neues illustres Magazin im NDR glaube ich, das die ehemalige Moderatorin von Ehrensenf moderiert.

    Erst kürzlich strahlte der NDR eine Sendung aus, in der sich dieses Magazin ganz dem Thema “Rausch” widmete. Ein renomierter Psychologe und Forscher äusserte sich darin sinngemäß wie folgt:

    In gewissen Abständen und Maßen sei ein Rausch durchaus förderlich und wünschenswert, und das aus diversen Gründen:
    Der Mensch lebt in einer Gesellschaft, in der Rausch proklamiert wird. Überall trinken und feiern die Menschen, konsumieren und erleben dadurch auch ein Zugehörigkeitsgefühl. Personen, die sich dem entweder völlig entziehen, oder aber permanent nüchtern bleiben, wärend die andern mit steigendem Alkoholpegel immer ausgelassener werden, erlebten einen enormen Druck, sich beherrschen zu müssen, der dann ein erhöhtes Stresspotential herbeiführe. Zudem sähen sie sich permanent, bewusst oder unbewusst als der, der aussen vor ist, da sie an dem sozialen Ereignis nicht wirklich aktiv teilnähmen.
    Ein gelegentlicher Rausch entspanne ausserdem zunächst das Gehirn und animiere es nach dem Rausch zu größerer Produktivität und Aktivität.
    Des weiteren könne der Mensch durch den Rausch seine eigenen körperlichen Grenzen testen und lerne dadurch einen bewussten und verantwortungsvollen Umgang mit Drogen.
    Ein oder zwei Räusche im Monat seien also völlig unbedenklich und gegebenenfalls sogar positiv zu werten, solange man es nicht übertreibe.

    Denis, du sprichst aus, was wir alle schon wussten;

    Eine gelegentliche Dekadenztherapie ist gut für unsere Psychohygiene.
    Herr Dr. BePunkt, ich brauche dringend eine Überweisung!

  2. „Fressen und Saufen mit meinen Freunden“ triffts wie nichts anderes auf den Punkt, was man eigentlich mindesten 1 mal die Woche braucht um bei der momentanen Lebenslage nicht an Depressionen zu leiden…

  3. Polylux heißt die Sendung, absolut sehenswert. Gibt’s auch schon ewig, jetzt halt mit dieser anderen! Die vorher fand ich besser! Vielleicht ist das auch nur ein bißchen ungewohnt. Polylux schaue ich sehr gerne! Was vergessen wurde, es kam auch jemand zu Wort der von Räuschen gar nix wissen wollte, haben beide Einstellung dar gelegt.
    Die eine Forschung hat den Fokus da, die andere woanders! Wann werden Forschungen denn endlich mal vernümftig vernetzt? Aber das ist ja auch bloß Politik, wer kriegt wie viel Geld für seine angeblich so wertvollen Forschungen, die isoliert keinem etwas nützen – oder oft eher nicht!
    Sauna ist super, ganze Scheiße rausschwitzen, sich dann gesund vollfressen und lecker Bier trinken, danach wie ein Baby schlafen!
    Dieser scheiß Wellness-Begriff geht mir voll auf’n Sack, selbst Joghurt ist schon Wellness!

  4. Polylux: Katrin Bauernfeind macht nur Vertretung, bis Tita von Hardenberg zurück aus dem mutterschaftsurlaub ist.