Freiraum

Wenn man mitten in der Nacht im endlich wieder funktionstüchtigen Kriegspony gen Wohnung gedonnert ist und nicht völlig gestresst im fürchterlichsten Berufsverkehr aller Ballungsräume anreisen muss, dann beginnt die Woche anders.

Natürlich muss ich so in Zukunft gar nicht mehr so viel durch die Republik fahren und kann endlich mal ein richtiges Wochenende einplanen – eines ohne Stress. Ausgeschlafen aufwachen ist auch mal schön, oder?

Mal davon abgesehen, dass ich ganz vergessen hatte1, dass der erste Termin schon in einer halben Stunde anstand und nicht nur dass, ich hätte auch noch einen Klienten für eben diesen Termin bei sich zuhause abholen müssen. Das mit dem “nochmal eine halbe Stunde Qualitätsschlaf” war wohl nicht die beste Idee. Zwei halbswegs wache stressfreie Minuten – immerhin etwas.

Denn jetzt geht es wieder los.

Als ich gerade noch einigermaßen pünktlich ankomme, ist niemand zuhause. Der Klient ist panisch auf eigene Faust losgefahren. Das erfahre ich, als er mich – deutlich zu spät – auf meinem Diensthandy anruft. Er hat sich verfahren und weiss nicht wohin.

Oh, großartig.

Ich fahre also los, um erst den Klienten zu finden und dann unser eigentliches Ziel, falls der Termin überhaupt noch zu halten ist. Wie überaus, überaus peinlich. Nun gut, wir schaffen den Termin.

Der Psychologe ist mindestens so ungehalten, bärtig und würdig wie mir die ganze Sache unangenehm ist. Er ist aber auch gnädig und hellsichtig genug, um meine Not zu erkennen. und ich schaffe es durch den Termin, ohne mich vor dem Klienten völlig und rettungslos lächerlich zu machen. Ich bin versucht, an seinem Bart zu schnuppern. Er muss einfach Pfeife rauchen, aber ich verschiebe diese Untersuchung auf später.

Und dann.

War es das. Für diesen Tag.

Andere Klienten haben beschlossen abzusagen oder doch eigentlich gar nicht so dringend Unterstützung zu benötigen. Nicht wenn der Preis dafür Einhaltung von Terminen ist.

“Das habe ich unterschrieben?” (Ja, haben Sie. Wir sind den Vertrag deswegen auch letzte Woche noch einmal Satz für Satz durchgegangen.)

“Dann will ich das nicht mehr.”

Okay. Alle alten, fast unlesbaren2 Dokumentationen sind inzwischen in treffliche Word Dokumente getippt worden, die neue Datenbank ist gefüllt.

Die Chefin bietet mir an, ich soll doch meine zahlreichen Überstunden abfeiern und mir einen Tag frei nehmen oder mehr, wenn ich mag.

Aber ich will doch arbeiten!

Besser: Ich will mich nicht langweilen. Wenn ich mich langweile, schreibe ich auch nicht gut.

Eigentlich will ich mich daran erinnern, ob “Spass” und “Privatleben” in direkter Verbindung eine gefährliche Detonation auslösen, die halb NRW in Schutt und Asche legt oder ob sich daraus auch angenehmere Folgen ergeben können.

Das Experiment sollte ich im Eigenversuch angehen.

  1. “Der Wecker ging nicht!” []
  2. Bleistift auf Karopapier! []

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