Als Kind lebte ich ungefähr 150 Meter von einer Bahnlinie entfernt, über der tagsüber stündlich ein Triebwagen und später abends auch schon mal ein Schnellzug fuhr. Die Schnellzüge fuhren später woanders, die Triebwagen blieben. Aus 150 Metern rumpeln Züge auf die erwartete Art und Weise und bringen einen höchstens um den Schlaf und manchmal dazu, die Musik lauter zu drehen.
Aus 20 bzw 10 Metern ist es ein von Grund auf anderes akustisches Erlebnis.
Ich hätte ja nie im Traum erwartet, welche Bandbreite seltsamster Klänge ganz normaler Schienenverkehr erzeugen kann. Die Güterzüge sind am besten – mal davon abgesehen, dass sie das Fernsehbild und Mobiltelefonate stören, versteht sich. Aber man hört sie eigentlich nur richtig im Bett und da telefoniere ich nur selten und sehe nie fern, gar kein Problem also.
Das quietscht und kracht und hallt und klackert und ploinckt, manchmal ist es auch nur das Pfeifen und Kreischen der Bremsen. In einer Nacht im März wurde ich von etwas wach, einem singenden, klagendem Geräusch; es klang fast, aber nicht ganz wie die Gesänge von Buckelwalen.
Es dauerte Minuten oder Stunden.
Ich besiegte den Drang nachzusehen und dachte lieber weiter an die singenden Wale dort draußen, weit über dem Güterbahnhof.
