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Inzwischen bin ich mir mehr oder weniger sicher, dass unser stellenweise schöner Planet nur zum Schein fast überall von Menschen (Homo sapiens sapiens) bewohnt wird. Zwar wird immer wieder berichtet, dass wir uns überall karnickelhaft vermehren und allerorten Naherholungsgebiete, Parkplätze und Umgehungsstraßen bauen, aber ein einziger Besuch in einem Supermarkt deiner Wahl, geneigter Leser, sollte dir die Augen öffnen:
Ein großer Teil der dort angebotenen Lebensmittel sind nicht einmal unter größter Mühe essbar – oder sogar, wie auf vielen Etiketten schamlos behauptet wird, genießbar. Jedenfalls nicht von irdischen, organischen Lebensformen auf Karbonitbasis.
Bedenke, dass sie bei meinem letzten Besuch Nina Simone gespielt haben. Die arme Frau hat das nicht verdient, beim wühlen in der Tiefkühlbox zur Untermalung herhalten zu müssen, oder? Sie kann sich ja nicht mehr wehren. Aber dem Essen selbst sollte das Hauptaugenmerk unserer hoffentlich diskreten Ermittlungen gelten.
Du musst einfach nur die Augen aufmachen und richtig hinsehen. Schau dir am besten mal die Süßwarenabteilung an und da die ganz billigen Sachen – keiner kann das verdauen und selbst wenn, die Überlebenschancen sind minimal. Tiefkühlsushi für drei Euro ist auch so ein Beispiel, aber es gibt so viele.
Pinker Wodka mit Vanillegeschmack? Wer soll das trinken und dabei auch noch Spaß haben? Nachweislich sind Getränke dieser Art ausschließlich bei Bewohnern der Beteigeuze üblich und selbst diese setzen sie hauptsächlich bei den berühmten Kur-Quazz-Ritualen ein, auf die ich an dieser Stelle aus Gründen des Jugendschutzes nicht weiter eingehen kann.
Wir sind also bereits unterwandert von Aliens, Widerstand ist zwecklos. Allein schon der Anblick eines Mannes, der kürzlich zwei Meter hinter der Kasse bereits mit dem Verzehr seiner Einkäufe begann, sollte mir Beweis genug gewesen sein – er dachte gar nicht daran, etwas anderes als seine ausgesprochen lange Zunge zu verwenden, um seine Beute aus Pudding, Joghurt und so weiter an Ort und Stelle sichtlich vergnügt zu vertilgen. Zweifelsohne ein nur halbherzig getarnter Madenmensch von Sputum VII.
Wenn du das nächste Mal an der Kasse von einem Typen mit einem Einkaufswagen voller Barbeque-Geschmack-Marschmallows abgedrängt wirst, sei vorsichtig. Noch besser: Sei sehr vorsichtig.
Tags: Aliens, Essen, Invasion, Supermarkt
Es gibt diese Geschichten, die man so was von hinter sich hat, man hat sie weiter hinter sich als den Kindergarten. Das sind solche Fast-Liebesgeschichten. Nicht die Sorte, die nur in deinem Kopf passieren und vielleicht in ein paar Blicken, es ist die Sorte, die beinahe etwas Hoffnung wert gewesen wäre, wenn. Falls das und das anders gewesen wäre, dann wäre damals vielleicht eine Affaire dringewesen. Mehr nicht, natürlich. Wie war noch gleich der Name? Die Blonde? War sie blond? Fällt mir nicht ein, die Person ist weg. Als ob ich so viele Frauen kennengelernt hätte, um den Überblick zu verlieren. Sie war wichtig, damals. Aber diese Akte meines Gedächtnisses ist geschlossen.
In der Folge packt man sie in die Archivschränke seines Lebens, verstaut sie sicher trocken und lässt sie dort in Ruhe. Monate und Jahre später sind sie ordentlich und planvoll verlegt. Man ist halt darüber hinweg. Das Leben geht ja auch weiter und kostet einiges an Aufmerksamkeit; ihr kennt das ja.
Vor 5 Jahren im Sommer, wer war da noch? Du warst doch nicht allein auf dem Konzert? Oder? Aber es will dir einfach nicht einfallen. Kein Bild will sich einfinden und schon gar kein Name, nur eine Lücke. Dann ist der Moment vorbei und schon so gut wie vergessen.
Aber dann bestellt du ein bestimmtes Essen oder kochst es selber, dir fällt ein Parfüm auf oder du hörst ein Lied oder du erinnerst dich, an wen du in ein paar ganz bestimmten Zeilen eines lange nicht aufgeschlagenen Buches dachtest, damals, als du es das allererste Mal gelesen hast. Oder dir fällt ein ein alter, karierter Zettel in die Hand, auf dem dir jemand eine gerade noch lesbare Telefonnummer gekrakelt hat, mit einem unlesbaren Namen daneben. Dir fällt zuerst ein, dass die Nummer sowieso nicht mehr gilt. Irgendjemand hat dir mal gesagt, dass sie weggezogen wäre.
Und du erinnerst dich weiter, an das Gesicht, den Namen, die Nacht und wie ihr Haar sich anfühlte.
Ihren Geruch, ihr leises heiseres Lachen und dass es gegossen hat. Damals war es wie für die Ewigkeit, in dieser einen langen Nacht. Wie sie sich noch einmal umdrehte, um zu winken und dabei fast umknickte. Sie trug einen weißen Mantel, der den warmen Regen kaum abhielt. Wie sie wieder lachte und dann in ihren Haus verschwand.
Hast du je angerufen? Warum nicht, was stimmte denn nicht mit ihr? Einen endlosen Wimpernschlag lang bohrt sich etwas durch einen empfindlichen Punkt tief in dir. Wehmut bleibt, wegen der du dich gleich wieder ärgerst.
Du schaust dir den Zettel noch einmal in Ruhe an, bevor du ihn säuberlich zerschnipselt in den Papierkorb rieseln lässt und tust weiterhin so, als würdest du aufräumen.
Draußen donnert es. Die ersten schweren Tropfen klatschen auf das Dachfenster.
Bald wird es nach Sommerregen riechen.
Das was man früher einmal “Sachen aufschieben” nannte, ist mir nicht unkannt. Nicht nur sind die Prokrastination und ich alte Kumpel, wir haben sogar immer noch oft miteinander zu tun.Ob der alte Sack vielleicht einen negativen Einfluss auf mich hat und mich faul und aufschieberisch macht, fragte ich mich.
Das ist alles kein Problem für mich, sagt ein Test.
Ich muss nur bei Aufgaben, die ich nicht mag, gleichzeitig etwas nettes tun. Zum Beispiel meine Lieblingsmusik hören. Aber ich will doch auf keinen Fall gute Musik mit Abscheulichkeiten wie dem Ausfüllen von Formularen kombinieren. Davon wird die Musik doch nur befleckt. Und keiner kann das wollen.
Ansonsten sollte ich mir einen reizarmen, kommunikationsfreien Ort suchen und dort die wichtigsten Dinge erledigen. Zum Beispiel ein Kloster, in dem geschwiegen wird Ob das funktioniert? Ich weiss ziemlich genau, an was ich dort permanent denken würde und das wäre weder Arbeit noch irgend ein neuer Anstrich für die reizarmen weißen Wände …
Ich bleibe wohl besser so wie ich bin.
Tags: Leben, Prokrastination
Neu auf Fressmorg
Ich freue mich ja immer sehr, wenn jemand neue Rezepte in das inzwischen altgediente Fressmorg-Wiki schreibt; am Wochenende war es wieder einmal dabei. Ursprünglich war ja der Gedanke, zu den Einträgen immer so etwas wie eine kleine Geschichte zu schreiben, aber ich gebe zu, dass Kreationen wie “RoRo-Pute” schon vom Namen her neugierig machen. Nach dem Lesen auch hungrig; das muss ich wohl gar nicht erst gestehen.
Selbst eintragen geht hier ganz ohne Anmeldung; wobei Anmeldungen natürlich auch ganz toll sind. Eigentlich habe ich selbst auch noch einiges an interessanten Kreationen, die ich veröffentlichen sollte …
Am Samstag war ich wieder einmal Sushi essen1 ; das musste einfach wieder einmal sein – immerhin ging fast ein Jahr seit dem letzten Mal ins Land. Man wundert sich manchmal, wie die Stimmung durch gutes oder noch viel besser sehr gutes Essen gehoben werden kann. Ich sollte mal ein Konzept für “Besiegen Sie ihre Tiefs mit Sushi (und Bier)!” zusammenschreiben, ein Buch und eine Seminarreihe plus Lesereise anbieten und stinkreich werden.
Von reich werden bin ich momentan weit entfernt; vom stinken glücklicherweise ebenfalls.
Auf jeden Fall wagten wir zum Abschluss jeder eine Portion Daifuku, wobei es sich um eine japanische Süßigkeit aus Klebreis und einer süßen Füllung aus … Bohnen handelt. Es ist nicht so sehr die Süße der Süßigkeit, es ist die vollständige und dazu noch unentschuldigte Abwesenheit von Eigengeschmack. Unsere Bohnen hatten Erdbeeraroma.
Nein, es ist viel mehr die Konsistenz, die für westliche Finger und Münder etwas von “trockener Molluske” oder “Nicht-transparentem Brustimplantat” hatte; so richtig konnten wir uns da nicht entscheiden. Fürchterlich. Der Rest des Essens war aber wundervoll, geschmacklich auf einer Stufe mit dem großartigen Kyoto in Dortmund, welches aber in Sachen “Styling auf dem Teller” noch ein Stück vorn liegt. Guter Abend.
Beim nächsten Mal kommt – falls keine eigentlich zwingend notwendige Kneipentour folgt auf Sushi – wohl besser das Eis mit Grünteegeschmack.
P.S.: Plus, ich sollte wohl mal Temaki-Rolls probieren, wenn ich dem Quiz oben rechts glauben darf.
- Übrigens waren wir im neuen Kado Sushi in Bielefeld, das ich hier unbedingt empfehlen will – der Laden ist klein, man sollte reservieren. [↩]



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