Es ist manchmal schon ein ziemlich unangenehmes Gefühl, dass das Internet eigentlich nie etwas vergisst; selbst eigentlich “gelöschte” Daten finden sich mit etwas Glück und Mühe noch eine Weile in Googles Zwischenspeicher; längst verblichene Versionen von Webseiten auf Archive.org’s “Wayback Machine” und andernorts. Trotzdem, wirklich verwertbare Informationen über das Privatleben einer realen Person zu finden – das ist nicht mit ein paar Mausklicks getan: Internetrecherche ist richtige Arbeit, wie wohl jeder Studi leidvoll erleben durfte. Ich mache es zum Beispiel nie. Und ich kann euch sagen: Ich bin ganz schön neugierig.
Nun kommen aber Leute daher, die all die Informationen über bestimmte Personen bündeln und in einer Suchmaschine zusammenfassen. Was fürchterlich praktisch ist – denn man kann ja auf zig Plattformen zurückgreifen, in denen nur zu gern persönliche Daten und Verbindungen zu anderen Leuten gut nutzbar veröffentlicht werden. Zum Beispiel die durch besonders nervige Werbemails auffallende “Freunde-Suchmaschine” StayFriends, die einen davon überzeugen will, mit alten Mitschültern Kontakt zu halten. Da hat sie bei mir aber mal den genau den Richtigen … egal, schweifen wir nicht weiter ab.
Schon in dieser Form ein sehr nützliches Werkzeug nicht nur für die rachsüchtige Ex, sondern erst recht für den einen oder anderen Personalchef, der so nur den Namen eines Bewerbers eingeben muss und in wenigen Sekunden aufschlussreich über dessen Betragen auf beispielsweise einem gepflegten Windelfetisch-Forum informiert wird. Mit Bildern. Und Videos. Und gelegentlich auch seiner privaten Telefonnummer.
Das Ganze haben die Erfinder auf den scheinbar freundlich gemeinten Namen “yasni” getauft.
Aber das Ding ist noch viel besser. Du musst nicht etwa hinnehmen, was da über dich verbreitet wird – nein, du brauchst dir auch keinen Anwalt zu nehmen, nicht doch! Du kannst dich registrieren und die Suchergebnisse bearbeiten. Wie großzügig. Natürlich kannst du dort auch noch gleich dein Weblog, deinen FlickR Account oder ein Passbild hinterlegen.
Eigentlich sind Leute, die unter ihrem Namen einigermaßen aktiv im WWW waren, fast schon gezwungen zu registrieren: Man will ja nicht, das die eine oder andere peinliche Sache dort auftaucht – Eitelkeit ist ein großer Motivator. Und schon ist die Glaubwürdigkeit der Daten – sollte ich “der Handelswert” sagen? – um einiges verbessert. Da Google und Co immer weiter indexieren und immer mehr Daten hereinkommen, wird man per Newsletter darüber informiert, dass man wieder einmal vorbeischauen und seine PR frisieren muss, bevor Klient, Chef oder – schlimmster aller GAUs – Mutti reinschaut:
“Es gibt neue Informationen über sie, Sir. Sie sollten sich das am besten selbst anschauen. Schnell.”
Eigentlich ziemlich clever: Man vermittelt den Eindruck, beim agieren im Netz eine nachträgliche Kontrolle über den Informationsfluss zu haben. Gleichzeitig gibt es einen spürbaren sozialen Druck, sein Profil immer wieder auf den neuesten Stand zu bringen. Nun ja, ich kann mir den Aufschrei der Netzgesellschaft lebhaft vorstellen, wenn Google ein Angebot dieser Art auf den Markt werfen würde – hier findet genau das ganz offenherzig statt, was dem Konzern aus USA seit langem vorgeworfen wird. Das könnte man “geschäftstüchtig” und “schlau” nennen – oder auch “perfide”.
Ein Webangebot, das ich überhaupt nicht mag. Trotzdem nutze ich es, quasi gezwungenermaßen. Das muss denen erst mal einer nachmachen.

yasni ist doch nur Nachmache von 123people.com … Damals (es war Anfang Jänner, als die Seite medienwirksam online ging) war es schon irgendwie komisch, all meine Daten gebündelt wiederzufinden. Aber schlussendlich habe ich überall das Einverständnis dazu gegeben.
Mmmhhh, es gibt einen viel einfacheren Weg, seine Online-Reputation zu bewahren: Nämlich einfach von vorneherein sorgfältig mit Datenfreigaben umzugehen. Ist auch sicherer, als auf die Wirksamkeit eines Profils zu hoffen. @just4ikarus: Danke für die Blumen – tatsächlich sind wir mit http://www.123people.de ein wenig später als Yasni gestartet
…
Ich kannte 123people.com nicht, als ich diesen Beitrag geschrieben habe – aber ich bin nicht sicher, ob ich bei diesem Angebot vom meiner eher kritischen Sicht solcher “Bündelungen” abweichen würde. Ich schaue es mir aber mal an.
Mein Problem damit ist nämlich eben diese “Hätten mal lieber vorsichtig sein sollen, die Leute”-Haltung. Das ungefrage Zusammenstellen freiwillig veröffentlichter Daten zu einem scheinbar überzeugenden Profil finde ich persönlich bedenklich. Nicht nur in Hinblick auf Datenschutz; ich halte es auch für schlicht unhöflich.
@ Bernhard Lehner // Oh, und ich dachte.
… Naja. Wenn man sich im Web 2.0 frei bewegt, bloggt, bei Communities angemeldet ist, und auch noch im Telefonbuch stehen möchte, dann kommt man einfach nicht umhin, Daten online zu stellen, die dann bei 123people oder yasni auftauchen.
@ Denis // Unhöflich. Vielleicht. Aber es ist doch nur eine Fortsetzung der Web 2.0 – Ideen. Warum nun bei Google, Google Bildsuche, Twitter-Usersuche und im Telefonbuch nach jemanden suchen, wenn man auf solch Pages wie eben 123people und yasni alles auf einmal haben kann. Man darf sich nur dann eben nicht von der gesuchten Person durch diese Daten ein überzeugendes Profil erwarten. Das sind alles nur Suchergebnisse.
Ikarus: Es sind in diesem Moment eben nicht nur mehr Suchergebnisse, sondern tatsächlich ein Profil, das vom User eigentlich nur als aussagekräftiges Abbild einer Person dieses Namens angenommen werden kann.
Ich habe zum Beispiel darauf geachtet, hier nicht mein Gesicht zu zeigen. Klappt nicht mehr im Web 2.0 – dessen Ideen hier eigentlich ins Gegenteil verkehrt werden: Du hast nicht mehr die Freiheit, auch ohne großartige technische Kenntnisse an der Gestaltung des WWW mitzuwirken, du wirst dazu gezwungen, gleichzeitig in Angeboten mitzuwirken, um dein Privatleben und deine Karriere zu schützen.
Das, oder du publizierst gar nicht mehr unter deinem Namen. Was wiederum unmöglich macht, deine Rechte an deinen Erzeugnissen zu wahren.
Hallo Denis,
Deine Sicht der Dinge kann ich voll und ganz nachvollziehen. Mir ging es genauso, weshalb ich ein Portal Personensuche mit nem völlig anderen Ansatz – quasi als Gegenentwurf zu Yasni & co. entwickeln möchte. Völlig transparent und Community-gesteuert. Ich bin mal so frei hier den Link auf unser Projektblog zu hinterlassen: http://personensuche.blogger.de/ – vielleicht magst Du ja auch deinen Senf dazu geben!?
Mein Senf dazu wäre, dass ich Personensuche in jedweder Form ablehne. Sorry, aber es ist die Idee die ich unterirdisch finde, nicht die Umsetzung auf yasni und Co.
Themen wie “Personensuche bei Einwohnermeldeämtern” überhaupt zu erwägen, finde ich ausgesprochen bedenklich. Und da ist mir auch egal, ob da eine Community dahintersteht – inwiefern das nun transparenter als auf yasni sein soll, bleibt dahingestellt – die Anwendung ist doch letzten Endes genau dieselbe. Oder? Inwiefern seid ihr anders?
Da ich dir den Link zu deinem Projekt gestatte (so böse ist Google dann doch nicht, dass man nicht noch ein paar Links farmen kann, oder?), erlaube mir doch auch diese Fragen.
Nunja der Unterschied bei personensuche.de wird im Wesentlichen darin bestehen, dass wir nicht alle möglichen Daten zu einem Profil zusammenfassen und für Jedermann sichbar ins Netz stellen, sondern nur die individuell gezielte Suche nach Personen zur Kontaktaufnahme – ohne Datenspeicherung – unterstützen.
Wenn du Personensuche generell ablehnst, habe ich natürlich keine Argumente dich zu überzeugen. Die Differenzierung zwischen der Aggregation von personensbezogenne Daten, die Datenschützer an Yasni & Co bemängeln, und Hilfen der Art “Suchst Du eine Telefonnummer, gehe auf Telefonbuch.de” ist mir persönlich aber sehr wichtig.
Einwohnermeldeämter setzen zurecht vergleichsweise hohe Hürden, um an eine Auskuft zu gelangen und sie veröffentlichen schon gar nichts online.
“Suchst du eine Telefonnummer, geht auf telefonbuch.de” … ist doch keine Personensuche, oder? Das macht doch google wesentlich einfacher. Und genau dahin gehen die Leute auch.
wäre mir neu, dass google telefonnummern ausspuckt (außer bei Firmen). Aber ist ja eh nur ein Beispiel für den Unterschied. Wir machen keine Suchmaschine sondern nur ein Info-Portal und geben Tipps für Leute, die eben mit der Google Suche allein nicht weiter kommen.
Ob es dafür eine Nachfrage gibt, werden wir sehen. Die Zahl der Leute, die sich trotz der Dummy-Seite für den Newsletter eingetragen haben, spricht dafür. Du wirst – so entnehme ich es der Diskussion – sicher nicht dabei sein und ich dachte bei meinem ersten Kommentar, ich könnte Dir eine Option bieten, die ggf. weniger bedenklich als ne Personensuchmaschine ist.
Das Du die ganze Sache anders siehst, ist dein gutes Recht. Dein Feedback hat mich dennoch gefreut (auch wenn es wirksamer vielleicht im Projektblog platziert wäre) – ich bin jetzt um eine Ansicht zu dem Thema reicher und nehme deine Bedenken ernst. Das ist der Community-Ansatz.
Ich meinte damit, dass die Leute dasoertliche.de etc am ehesten in google suchen würde.