"Homöopathika sind Placebos": “Wie schlagen sich alternative Heilmethoden in kontrollierten klinischen Studien? Der deutsch-britische Mediziner Edzard Ernst hat die verfügbaren Untersuchungen gesichtet.”
Ich sage also nichts aus über die Wirksamkeit der Homöopathie, die ich nicht abstreite, denn die Homöopathen sind sehr effektive Psychotherapeuten, wenn Sie so wollen. Wir sagen nur etwas aus über die Wirksamkeit der Homöopathika und die ist gleich Null.
(Via Technology Review.)
Sehr interessanter Lesestoff, muss ich sagen. Vielleicht sollte ich mir das Buch kaufen. Eben habe ich ein längeres Gespräch hinter mir, mit Leuten die sehr überzeugt von diversen alternativen Heilmethoden sind: Weil ihnen damit geholfen wurde. Sie argumentieren, dass ihnen eigentlich egal ist ob und wie beweisbar solcherlei Methoden sind, solange sie Linderung bekommen.
Ernst schließt nicht aus, dass einzelne Methoden wirken; vor allem bei Akupunktur bestätigt er die Erfolge in einigen Gebieten. Was er sagt: Die Therapie mit “homöopathischen Dosen” von Wirkstoffen kann funktionieren, die Mittelchen jedoch sind vollkommen frei von irgendeiner positiven oder negativen Wirkung. Sie sind Placebos.
Das Zeug wirkt aber trotzdem, weil die Patienten an die Wirkung glauben und die Heilpraktiker und Ärzte sehr gut auf sie eingehen, mit viel Empathie, Zeit und Verständnis.
Für mich stellt sich allerdings eine andere Frage, die auch im Interview angerissen wird: Will ich einen Arzt, der mich in der Anwendung eines Placebos zu meinem eigenen Wohl anlügt oder einen, der offen und ehrlich mit mir ist und mir letzten Endes die Entscheidung überlässt?
Ich glaube, ich würde lieber den ehrlichen Arzt nehmen. Aber ich bin auch gerade nicht sterbenskrank. Wer weiss, ob ich da nicht verzweifelt genug sein werde, um mir mit reinem Wasser helfen zu lassen?
Es gibt Menschen, an die ich glaube, obwohl mir jeder abrät, sogar meine Selbstachtung und mein gesunder Menschenverstand und ich schäme mich nicht dafür. Aber Homoöpathie ist einfach zu bizarr für mich. Vielleicht bin ich zu zynisch für sowas.

Gerade wenn du sterbenskrank bist, hilft dir Homöopathie und anderer Unsinn nicht mehr. Der Placebo-Effekt kann ja nur dann greifen, wenn das Immunsystem der Lage noch Herr werden kann. Du bist anscheinend sowieso zu skeptisch, um auf einen großen Heilungserfolg per Placebo hoffen zu dürfen. Zumindest so lange dein Arzt dich nicht sehr geschickt anlügt. Anders ausgedrückt: Homöopathie hilft nur dem Ahnungslosen.
Man kriegt übrigens auch beim richtigen Arzt seinen Placebo-Effekt mitgeliefert. Es gibt schon einen Grund warum die in weißen Kitteln rumlaufen, sich “Doktor” nennen und alles auf Latein aufschreiben. Ritual hat schon immer geheilt.
Anders als Homöopathie, die schon nach einfachen Kriterien des gesunden Menschenverstand kompletter Schwachsinn ist, wirkt Akupunktur allerdings tatsächlich für einige Leiden, wie z.B. Rückenschmerzen. Allerdings ist es scheinbar egal, *wie* die Nadeln in den Patienten gesteckt werden. Man kann die Nadeln auch einfach zufällig auf dem Körper verteilen und kriegt den gleichen Effekt. Der ganzen Kram über die Akupunkturpunkte, etc., der von der traditionellen chinesischen Medizin gelehrt wird, ist somit wohl kompletter Schwachsinn.
Hmm, gute Frage, das mit den Akupunkturpunkten. Ich habe ja mal ein wenig Physiotherapie gelernt (!) und wir haben in der Bindegewebsmassage (BGM) “Zonen”, die weitgehend deckungsgleich mit den Meridianen in der TCM (Traditionelle Chinesische Medizin) sind – da ist schon irgendwo etwas dran.
Du brauchst natürlich auch hier die Figur eines Gelehrten, dem man vertraut die Nadeln ganz genau richtig zu setzen.
Wenn ich dir einfach irgendwohin mit einer Nadel pieken würde, hätte das mit Sicherheit keinen Heilerfolg. Maximal ein blaues Auge für meine unverfrorene Wenigkeit.
Ich habe mal kurz die Bindegewebsmassage recherchiert und anscheinend ist das auch so eine alternative Therapieform, die auf nichts anderem beruht als den persönlichen Vorstellungen einer Krankengymnastin aus dem Jahre 1929. Die Frau hat sich das Ganze wohl aufgrund persönlicher anekdotischer Erfahrungen einfach ausgedacht.
Das riecht alles sehr nach klassischer Placebo-”Medizin”, inklusive seltsamer Begrifflichkeiten die nichts bebeuten aber irgendwie “richtig” klingen (der Therapeut behandelt dabei anscheinend irgendwelche “Verklebungen”, was auch immer das sein soll), den üblichen Geschichten über Wunderheilungen (die Erfinderin hat damit angeblich verhindert, dass ihr Bein amputiert wurde *und* eine Nierenkolik bei sich geheilt) sowie dubiosen Anwendern (ein kurzer Google-Check hat viele Praxen mit Namen wie “Der Weg der Mitte” gefunden).
Das einzige was der BGM fehlt, um eine tolle Alternativmedizin zu sein, ist ein uralter natürlich-mystischer Ursprung. 1929 ist einfach nicht lang genug her und Deutschland aus Ursprungsland einfach nicht exotisch genug. Deswegen hat der Ausbilder damals wohl auch den Vergleich zur TCM gezogen.
Wie gesagt, Reflexzonenbehandlungen sind nicht zwangsläufig kompletter Unsinn (siehe entsprechende Studien zu Akupunktur), aber der ganze Schmuh mit den Merididanen, etc., ist es wohl (siehe entsprechende Studien zu Akupunktur).
Es erfordert schlichtweg noch eine Menge Forschung, um die wahren Wirkungswege solcher Therapien aufzudecken und die wirksamen Teile herauszulösen und die ganze mystische Schlacke abzuwerfen.
Therapieformen entstehen tatsächlich häufig auf diese Art und Weise wie die BGM – die finde ich in erster Linie unangenehm für alle Beteiligten, von der Wirkung bin ich nicht so überzeugt. Sie wird auch nicht mehr viel verschrieben.
Jaja, die berühmten Verklebungen.
Man kann durchaus Befunde durch Untersuchung der Reflexzonen (ich denke hier auch an Fussreflexzonenmassage, die ja immer noch recht beliebt ist) einleiten (aber keine Diagnosen!!), aber die Therapie finde ich auch zumindest kritisierbar: Ich drückte am eine Zone am Fuß und der Rückenschmerz verschwindet. Hmm …
Phsyikalische Therapie, übrigens auch klassische Massage, hat sehr viel mit der Therapiesituation zu tun; ohne Vertrauen und Entspannung und “sich in die Hände des Therapeuten geben” läuft ganz wenig.
Wirkungsame Therapieformen entstehen so aber nicht, das ist ja das Problem. Klar, am Anfang denkt sich jemand irgendwas aus. Aber dann muss man halt systematisch überprüfen, ob es wirklich funktioniert. Den Teil lassen die meisten alternativen “Therapien” halt aus. Und das mit gutem Grund.
Und du hast natürlich völlig Recht, dass der Placebo-Effekt nur dann eintreten kann, wenn man dem Therapeuten vertraut. Wer nicht an Homöopathie glaubt, wird von ihr auch nicht geheilt. Massage-basierte Therapien haben natürlich den zusätzlichen Vorteil, dass sie ein reales Wellness-Gefühl geben können, selbst wenn sie keine direkte Wirkung ausüben. Aber auch das tritt natürlich nur in einer entsprechenden Therapiesituation auf.
Ne, du kannst auch bei Massage kein “Wellness-Gefühl” erzeugen, wenn sich der Patient nicht entspannt. Wenn der sich nicht locker macht, tust du ihm nur weh.
Massage funktioniert und ist erprobt, wie auch andere physikalische Therapien. Aber die haben sich auch erfolgreich wissenschaftlicher Untersuchung gestellt.
Was andere Anwendungen nicht tun. Weil sie laut ihrer Verfechter scheinbar nicht mit Naturgesetzen erklärbar sind. Siehe Homöopathie. WTF.
Da hast du mich missverstanden: Ich stimme dir völlig zu, dass Massage nur funktionieren kann, wenn der Patient sich darauf einlässt. Aber man kann sich bei einer Massage entspannen, auch ohne daran zu glauben, dass durch das Reiben meines Fußes jetzt Heilmagie durch die Meridiane geschoben wird, die dann die Magenschmerzen auflösen.
Klassische Massage hat natürlich nichts mit dubiosen Reflexzonenmassagen zu tun und funktioniert auch jenseits von Placebo- oder Wellnesseffekten.
Ich habe so meine Zweifel daran, ob Massage als rein mechanischer Vorgang klappen kann – jedenfalls nicht gut.
Reflexzonenmassage hat nichts mit Manipulation der Muskulatur zu tun, du kommst da eher näher an die BGM. Das ist auch nicht unbedingt etwas besonders entspannendes.. auch wenn es viele Leute genießen, wenn ihre Käsestampfer ein wenig gehändelt werden. Die Reflexpunkte zu bearbeiten kann tatsächlich ziemlich schmerzhaft sein.
(Full Disclosure: Ich habe selbst mal eine Fortbildung zur Reflexzonenmassage gemacht und darf sie anwenden- ich habe das aber nie gemacht. Das Zertifikat habe ich auch noch irgendwo liegen…)
Ich will da jetzt vorsichtig sein, schließlich bin ich keinerlei Experte für Massage oder so.
Wenn ich das richtig verstanden habe, ist BGM ja eine Art Reflexzonentherapie. Das ist ja der Überbegriff für alle Arten von “Therapie”, die einen an Stellen bestimmten Stellen per Druck etc. manipulieren um dann an anderen Stellen etwas zu heilen. Akupunktur fällt da ja auch drunter.
Dass das schmerzhaft sein kann, war mir allerdings neu. Wie gesagt, ich habe mich damit nicht ausführlich beschäftigt. Da würde dann aber der Wellness-Effekt offensichtlich wegfallen und nur noch der Placebo-Effekt übrig bleiben.
Reflexzonenmassagen haben schon beides. Es ist ganz angenehm, wenn man denn ertragen kann, dass einem die Füße angefasst werden. Das können viele nicht.
Wenn man so eine Zone manipuliert, kann das so ein leichtes Stechen hevorrufen, das einem den ganzen Rücken hinaufläuft. Ist sehr interessant. Aber durch das “Füßestreicheln” pennen auch viele bald ein.
Darf ich noch kurz ungeachtet der Massagediskussion einwerfen, dass ich zufällig gerstern auch das Interview in Technology Review gelesen habe? Jedenfalls fand ich das besonders interessant wegen dem Werdegang von Herrn Ernst.
Ja, allerdings. Daher fand ich die Geschichte auch verlinkenswert.
Was ich mich allerdings immer wieder frage: Wenn doch Homöopathie so sehr Placebo-Effekt sein soll: Warum hilft sie bei Tieren, denen ich mitnichten einreden kann, dass das, was ich ihnen heimlich ins Futter gemischt habe (und zwar in so kleinen Dosen, dass sie sie hoffentlich auch nicht schmecken) ihnen hilft? Denn dem ist so. Es hilft. Obwohl ich da mehr als skeptisch war. Damit fällt dann auch die Begründung, Tier reagiere auf Zuversicht des Menschen oder so…
Da irrst du dich. Es wirkt nicht. Es gibt keinerlei Beweise dafür, dass Homöopathie bei Tieren irgendeinen Effekt hat. Einen Placebo-Effekt kann es natürlich trotzdem geben. Dieser Effekt wirkt dann allerdings auf den Besitzer des Tieres, der sich besser fühlt, weil der Arzt sein Tier “behandelt” hat. Das nennt man “placebo by proxy”.