August 2008

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Kritzel

Au. Mein ganzer Rücken, vor allem der Nacken bringt mich um; vor allem die linke Schulter, auf die ich mich gerade aufstütze. Es ist nicht so bequem wie ich einmal dachte, seine Zeilen im Bett zu schreiben. Ich wünschte, jemand wäre hier, um den zu massieren, oder auch nur zur Gesellschaft. Den Wein hätte ich dann auch geteilt, aber der ist nun sowieso alle.

In dieser Stimmung ist es wohl besser, sich nicht unter viele Menschen zu gehen und so bin ich an diesem Samstagabend lieber zuhaus geblieben, obwohl ich die Gelegenheit hatte, auf eine dem Vernehmen nach gar nicht so üble Party zu gehen. Ich bin in einer Wein-zu-zweit Stimmung und irgendetwas drückt auf meine Schläfen und meine Laune.

Ich nehme mir meinen Druckbleistift und kritzele ein paar Ideen in mein Notizbuch, die sich wieder einmal wie etwas Benutzbares anfühlen; diesen Eindruck habe ich oft, bis ich dann mit dem Ausformulieren und Ins-Reine-Schreiben anfange. Heute ist es anders, ich merke erst nach einer schönen Anzahl Seiten, dass ich eigentlich schon wieder ein halbes Kapitel voll habe und genug ordentlicher Handlung für drei oder vier mehr, vielleicht sogar eine Idee, wie ich die ganze Geschichte auf ein mehr oder weniger elegantes Ende hinführen kann.

Schreiben hilft etwas, aber nicht ganz.

Ich habe viel früher am Abend ein paar Minuten einer dieser einfühlsameren1 deutschen Teenagerloverstories im Fernsehen angeschaut und seitdem diese seltsame Stimmung. Der Held war ein Arschloch, er behandelte alle wie Dreck und sah damit noch irgendwie süß-geknickt aus – natürlich bekam er am Ende die Hübscheste, die er in seinem zickigen Rebellentum behandelt hatte wie Dreck. In solchen Filmen muss man ihr buchstäblich nur lange genug hinterherlaufen und ihren Namen rufen, dann kommt sie sicher zurück und treiben es spontan, so perfekt choreographiert und sensibel ausgeleuchtet, wie es eine motivierte ProsiebenSat1 Produktion zustandebringt. Dazu ein Soundtrack mit den Kings of Convenience. Ich wünschte, ich könnte wenigstens meine Freundschaften halten. Sich versöhnen, einfach so. Zack, ist alles vergessen, weil man sich ja lieb hat. Dieser dämliche Film war so falsch wie sonstwas. Ich ärgerte mich darüber, dann ärgerte ich mich darüber, dass mich so etwas ärgern kann. Und dann ist der Absatz vorbei.

Ich schaue auf mein Mobiltelefon und ärgere mich, dass die modernen Flachbildschirme nicht mehr mit Störungen reagieren, wenn das zu nahe Handy nach einem Netz sucht oder sich eine SMS oder an Anruf ankündigt. Früher hat mich das immer genervt, aber heute fühlt es sich mehr als all die Zeilen im ICQ oder im Mailprogramm danach an, eine Verbindung in die Außenwelt und nicht nur mit ihrem täuschend echten Abbild hier im Internet zu haben, eine echte Verbindung ins Leben, deren Puls man bisweilen spürt. “Hey, ich bin auch noch da und das hier ist meine Bildstörung. Dein Universum.” Ich überlege, jemandem zu schreiben, ‘lebst Du noch, hey, sag doch mal was.’ oder ähnlich Sinnloses. Sowas habe ich kürzlich bekommen, unerwartet, so etwas kommt immer unerwartet und nicht jetzt, egale wie sehr ich es mir auch wünsche. Aber ich habe Angst, selbst zu schreiben und damit irgendeine Katastrophe auszulösen. Ach, was weiß ich denn.

Warum bin ich so beschissen unruhig, seit Wochen? Ich mache lieber Musik, nein, den Fernsehen an. Dann spricht wenigstens wer. Ich glaube, ich schnappe ich mir mein Notizbuch und schreibe noch etwas. Das macht den Kopf leerer. Leichter?

  1. =Die Darsteller haben dann und wann geschminkte Pickel und andere Frisuren als in US-Teenagerserien, sind aber natürlich wunderschön und natürlich wahnsinnig eloquent []

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Ich kann mich noch ziemlich gut an die Einführung des Euro erinnern. Anfangs habe ich automatisch alle Preise in Mark umgerechnet; scheinbar machen das manche Leute immer noch. Gestern hörte ich also im Radio von einem Wirtschaftsexperten in einem dieser sanft amüsierten Tonfälle die sonst für die Kindererziehung oder Gebrauchtwagenverkauf gebraucht werden, dass solches Verhalten doch nun wirklich ausgesprochen kindisch wäre. Die Preise von damals könne man nun wirklich nicht mit der Situation in einem modernen Deutschland vergleichen. Man sollte lieber einfach zugreifen und nicht auf den Pfennig – Pardon, auf den Cent natürlich – schauen und die Situation so akzeptieren wie sie nun einmal sei. Das würde auch der Wirtschaft helfen und das würde “uns allen” am Ende nur gut tun.

Darüber habe ich mich etwas geärgert, dann etwas anderes getan und erst gestern Abend kam ich im Gespräch darauf, dass der Mann ja eigentlich völlig recht hatte. Ich war ja sogar selbst ein leuchtendes Beispiel für seine Argumentation, das war mir gar nicht aufgefallen.

Zunächst sollte ich vielleicht anmerken, dass ich selbstverständlicher keiner dieser angeblich knickerigen, unsympathischem Zwangsumrechner bin; ich würde mich als glänzenden Erfolg der angestrengten Umerziehungsdrängeleien der 90er bezeichnen. Ich lernte, mich nicht mehr mehr zu sorgen und den Euro zu lieben. Genau.

Ich kann ohne Magenkrämpfe vom Einkauf zurückkehren. Keine Zwänge, keine Sorgen. Wundervoll, all das. Sogar dann, wenn etwas wirklich Tolles sehe, das ich wirklich gern haben will – und zwar sofort, das betone ich hier ausdrücklich – riskiere ich keinen Spontankauf und daraus folgende Gewissensbisse oder tiefe Armut, indem ich einfach folgende Methode anwende: Ich erlaube es mir, einfach dieses Mal den noch verlockend klingenden Preis in antiquierter und unvernünftiger Weise in DM umzurechnen und schon fällt es mir erstaunlich leicht, ungewohnt vernünftig zu handeln; gar nicht zu tun nämlich. Zwei Sekunden später habe ich die Mark wieder vergessen, bis ich sie wieder brauche. Sie hat also weiterhin real spürbaren finanzielle Auswirkungen auf mein Konto und erhält meine Kaufkraft … naja, jedenfalls spare ich mehr. Das ginge ja gar nicht, wenn es keinen Euro gäbe!

Das ist gut für mich und bestimmt auch irgendwie gut für Deutschland. Ich bin doch Deutschland. Nicht? Oh.

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Mit der Zeit sammeln sich eine Menge Kontakte in den Instant Messenger-Sammung eines eingermaßen altgedienten Computerbenutzers wie mir und vermutlich auch dir; ich denke, das ist bei ICQ oder MSN oder was auch immer du vorzugsweise verwendest ähnlich. Die meisten Personen werden wohl nach den ersten paar Gesprächen wieder in der Versenkung verschwinden; man lernt bald ob man sich etwas zu sagen hat oder sich vielleicht doch gar nicht so besonders für die Person am anderen Ende der Datenleitung interessiert.

Wenn diese Erkenntnis einseitig passiert, kann das ziemlich unangenehm werden; erst recht, wenn die Bekanntschaft mit einem Flirt begann.

So war es jedenfalls in diesem speziellen Fall; ich hatte mich eigentlich immer ganz gut mit ihr verstanden, aber nach einer gar nicht langen Zeit waren die gemeinsamen Themen aufgebracht und man sah sich nur noch – plink!- online erscheinen und dann wieder verschwinden. Alle paar Monate sagte man sich mal ein höfliches “Hi, wie geht es?”, ohne sich wirklich zu interessieren, nehme ich an – man will ja auch mal höflich sein. Nicht, dass man sich nicht mochte.

Im MSN – Microsofts inzwischen ziemlich erfolgreicher Variante des IM Konzepts – kann man sich wahlweise auch die aktuell laufende Musik als Status anzeigen lassen, anstelle hilfreicherer Nachrichten wie “ich bin gerade in der Badewanne, ruf bitte genau jetzt auf dem Festnetz an.” Eigentlich achte ich gar nicht darauf. Nur gestern habe ich einfach mal meine Kontakte durchgeschaut.

Ich habe schon so meine Kontakte zur linken Szene und als jemand mit Jugendzentrum-Erfahrung kennt man zwangsweise auch ein wenig aus; so fiel mir ein bestimmter Bandname im Status der eben genannten Person 1 ins Auge. Ich dachte mir, “Ach, da ist ihr aber mal richtige Scheisse untergekommen. Werde ich bei Gelegenheit mal erwähnen.”

Ich tat also erst einmal gar nichts und dachte eigentlich, dass der Spuk damit ein Ende hätte, später könnte man das dann klären. Sie war ja unverdächtig. Undergroundkultur und so. Kajal um die Augen und so. Nett und harmlos und ohne den notwendigen Funken für eine Freundschaft oder anderes.

Wie das so mit Spuk ist …

Natürlich nicht.

Ich kannte eine eine Menge der in den nächsten Stunden folgenden Bandnamen und Musiker aus Indizierungsmeldungen und Hinweisen darauf, dass diese harmlosen Tanzkapellen vom Verfassungsschutz beobachtet würden. Wenn ich sie nicht kannte, waren die Songtitel eindeutig genug. Ich wollte es nicht glauben.

Man glaubt im Internet sehr oft sehr schnell, andere Menschen zu kennen und manche Seiten, die im direkten Kontakt wohl nicht lange verborgen geblieben wären, kommen niemals zur Sprache. Ich wusste nicht, was ich da noch sagen sollte. Da war ein Nebel in meinem Gehirn, Wut und Enttäuschung und ein Gefühl, gleichzeitig verraten worden zu sein und versagt zu haben, irgendwie, der Nebel hat sich immer noch nicht geklärt, ist nur runtergesunken in den Magen und rumort dort vor sich hin. (War ich eigentlich mal scharf auf die? Oh, ich hoffe nicht …)

Ich habe den Kontakt dann einfach gelöscht.

Ich weiss ja nichtmal, auf wen ich wütender war, auf sie oder auf mich. Was soll man da noch sagen? Hätte ich etwas sagen sollen?

Es gibt so viele Leute, die ich brauche. Und andere, die ich nicht brauche.

Was soll man sagen? Schönes Wochenende euch allen – das Leben geht weiter. Habe ich gehört.

  1. Die Band werde ich hier nicht namentlich erwähnen- ich kann auf Besuche ihrer Fans verzichten -  es war aber eine derjenigen, die auch zu den bekannten Schulhof-CDs der rechten Szene beigetragen hatte []

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Neue Musik

Joanna Newsom - Ys

Ich brauche etwas mehr neue Musik, meine geneigten sowie überaus hilfreichen Leserinnen und Leser. Und zwar etwas, das ein wenig aus dem Rahmen des normalen fällt – ganz großartig finde ich im Moment die weniger experimentellen Sachen des Animal Collective1 und insbesondere alles von Joanna Newsom 2, der einzigen mir bekannten Indie-Folk-Seltsam-Singer-Songwriter-Harfenspielerin. Ihre Art zu singen ist eher eigentümlich und mit Sicherheit nichts für jeden, aber ich finde ihre Musik merkwürdig berührend. Aber so neu sind die beide auch nicht; ich will mehr, mehr als mein Last.fm oder mein geliebter ‘Secret Agent’ Stream bei Somafm.com hergeben.

Etwas Schönes und Neues suche ich. Nicht zu Rock. Schon gar nicht zu Goth oder allzu anstrengend. Etwas Feines. Schönes. Spannendes. Sagt mir, was euch derzeit beschallt. Egal, ob es mir vielleicht gefallen könnte. Her damit.

Musik für Beinahe Herbst.

  1. Fireworks’ auf YouTube []
  2. ‘Sprout and Bean’ und ‘Monkey and Bear’ live – ebenfalls auf YouTube []

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Ich habe zwar bekanntermaßen eine Schwäche für Comics, aber ich mag die allermeisten Superhelden-TV-Serien nicht besonders. Dieser hier wird wohl sehr britisch und somit vermutlich nie bei uns laufen – aber es ist eine, die ich gern sehen will. Jedenfalls nach diesem Trailer.

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Roemer Pils

Das Motiv kommt mir auch bekannt vor. Es ist ein Suchbild. Was ist anders?

Ich finde ja, dass Sport, in meinem Fall Laufen, eine ziemlich gute Wirkung hat. Man ist etwas entspannter, man hat nicht mehr diese Kreislaufprobleme und vielleicht sieht man sogar etwas gesünder aus. Vielleicht – vielleicht – nimmt man sogar etwas ab.

Wenn ich abnehmen sollte – laut dem praktischen kleinen elektronischen Laufbegleiter im Gepäck unserer kleinen Laufgang ist das immer ein gutes Pfund – dann doch bitte so aus der Bauchgegend1. Etwas weniger Bierbauch, wär doch wohl angebracht, hmm? Oder, besser gesagt: Es wäre nett gewesen. Ich bin doch offiziell nicht sonderlich eitel.

Ob das was damit zu tun hat, dass ich nach den paar Kilometern immer so einen ausgeprägten Durst auf Bier2 habe?

Niemals.

  1. Ich weiss, ich weiss, das kann man gezielt trainieren. Aber trotzdem. []
  2. Auch bekannt als Bester Energiedrink Der Welt []

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