Au. Mein ganzer Rücken, vor allem der Nacken bringt mich um; vor allem die linke Schulter, auf die ich mich gerade aufstütze. Es ist nicht so bequem wie ich einmal dachte, seine Zeilen im Bett zu schreiben. Ich wünschte, jemand wäre hier, um den zu massieren, oder auch nur zur Gesellschaft. Den Wein hätte ich dann auch geteilt, aber der ist nun sowieso alle.
In dieser Stimmung ist es wohl besser, sich nicht unter viele Menschen zu gehen und so bin ich an diesem Samstagabend lieber zuhaus geblieben, obwohl ich die Gelegenheit hatte, auf eine dem Vernehmen nach gar nicht so üble Party zu gehen. Ich bin in einer Wein-zu-zweit Stimmung und irgendetwas drückt auf meine Schläfen und meine Laune.
Ich nehme mir meinen Druckbleistift und kritzele ein paar Ideen in mein Notizbuch, die sich wieder einmal wie etwas Benutzbares anfühlen; diesen Eindruck habe ich oft, bis ich dann mit dem Ausformulieren und Ins-Reine-Schreiben anfange. Heute ist es anders, ich merke erst nach einer schönen Anzahl Seiten, dass ich eigentlich schon wieder ein halbes Kapitel voll habe und genug ordentlicher Handlung für drei oder vier mehr, vielleicht sogar eine Idee, wie ich die ganze Geschichte auf ein mehr oder weniger elegantes Ende hinführen kann.
Schreiben hilft etwas, aber nicht ganz.
Ich habe viel früher am Abend ein paar Minuten einer dieser einfühlsameren1 deutschen Teenagerloverstories im Fernsehen angeschaut und seitdem diese seltsame Stimmung. Der Held war ein Arschloch, er behandelte alle wie Dreck und sah damit noch irgendwie süß-geknickt aus – natürlich bekam er am Ende die Hübscheste, die er in seinem zickigen Rebellentum behandelt hatte wie Dreck. In solchen Filmen muss man ihr buchstäblich nur lange genug hinterherlaufen und ihren Namen rufen, dann kommt sie sicher zurück und treiben es spontan, so perfekt choreographiert und sensibel ausgeleuchtet, wie es eine motivierte ProsiebenSat1 Produktion zustandebringt. Dazu ein Soundtrack mit den Kings of Convenience. Ich wünschte, ich könnte wenigstens meine Freundschaften halten. Sich versöhnen, einfach so. Zack, ist alles vergessen, weil man sich ja lieb hat. Dieser dämliche Film war so falsch wie sonstwas. Ich ärgerte mich darüber, dann ärgerte ich mich darüber, dass mich so etwas ärgern kann. Und dann ist der Absatz vorbei.
Ich schaue auf mein Mobiltelefon und ärgere mich, dass die modernen Flachbildschirme nicht mehr mit Störungen reagieren, wenn das zu nahe Handy nach einem Netz sucht oder sich eine SMS oder an Anruf ankündigt. Früher hat mich das immer genervt, aber heute fühlt es sich mehr als all die Zeilen im ICQ oder im Mailprogramm danach an, eine Verbindung in die Außenwelt und nicht nur mit ihrem täuschend echten Abbild hier im Internet zu haben, eine echte Verbindung ins Leben, deren Puls man bisweilen spürt. “Hey, ich bin auch noch da und das hier ist meine Bildstörung. Dein Universum.” Ich überlege, jemandem zu schreiben, ‘lebst Du noch, hey, sag doch mal was.’ oder ähnlich Sinnloses. Sowas habe ich kürzlich bekommen, unerwartet, so etwas kommt immer unerwartet und nicht jetzt, egale wie sehr ich es mir auch wünsche. Aber ich habe Angst, selbst zu schreiben und damit irgendeine Katastrophe auszulösen. Ach, was weiß ich denn.
Warum bin ich so beschissen unruhig, seit Wochen? Ich mache lieber Musik, nein, den Fernsehen an. Dann spricht wenigstens wer. Ich glaube, ich schnappe ich mir mein Notizbuch und schreibe noch etwas. Das macht den Kopf leerer. Leichter?
- =Die Darsteller haben dann und wann geschminkte Pickel und andere Frisuren als in US-Teenagerserien, sind aber natürlich wunderschön und natürlich wahnsinnig eloquent [↩]




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