Heimkommen für Fortgeschrittene

Ich schlafe nicht gern in fremden Betten. Besser gesagt: Ich schlafe ungern allein in fremden Betten. Nur so eine unbedeutende Vorliebe von mir, ich penne einfach besser in meinem eigenen Nachtmöbel; daher lehne ich in aller Regel die freundlichen Einladungen meiner Freunde ab, ihre mit Sicherheit äußerst bequemen Sofas zu benutzen – jedenfalls dann, wenn es eine Möglichkeit geben sollte, nach Hause zu kommen. Die nutze ich ohne Rücksicht auf Verluste.

Ich tauche daher meistens nicht in Bestform vor meiner Tür auf. Müdigkeit ist schlimm genug, Suff und Müdigkeit sind ein Duo wie Nitro und Glyzerin, wie man so oft und so angenutzt zu sagen pflegt – hier passt es besonders schlecht, denn explosiv fühle mich bei solchen Gelegenheiten ganz sicher nicht. Leider habe ich bisher nur fünf Wochen in einer ansonsten schrecklichen Wohnung ebenerdig gewohnt. Ein weiteres Hindernis mehr nach dem Türschloss – das allein kann mich für eine gute Weile aufhalten: Schlüssel finden, den richtigen raussuchen, Schloss treffen, umdrehen.

Die Schuhe auszubekommen kann einem schonmal einiges an Puste kosten, ich bin meistens froh sie loszuwerden und habe wenig Zeit, die ordentlich irgendwo hinzustellen – Hauptsache, ich finde sie überhaupt wieder. Das größere Problem ist die Treppe; ich habe mir bei der Erklimmung der Stockwerke schon Hämatome en Masse, Risse, blutende Irgendwasse, die sich später nicht mehr auffinden lassen und unangenehme Bisse auf die Zunge durch ungeplante Stolpereien zugefügt.

Kein Mitleid, bitte.

Die Hose wird in einem wahren Kunstwerk möglichst gemeinsam mit den anderen Schichten abgelegt, ich würde sogar eher zu Beschreibungen wie “Denis häutet sich” tendieren, handelte es sich hierbei nicht um die nun gekonnte zerknüllten Kleidung und nicht etwa um schuppige Haut eines Reptils. Ich sollte das mal fotografieren, aber dafür ist mir das morgendliche Stilleben viel zu peinlich.

Ins Bett schleppen, aufstehen, Glas Wasser holen und ans Bett stellen, hinlegen, aufstehen, Wecker abschalten, hinlegen, aufstehen, zum Klo schwanken, zurück ins Bett und dann, dann endlich …

… wenn mir dann nichts Trauriges oder Bedrückendes einfällt, damit ich stundenlang wach liegen kann, dann steht dem Schlaf eigentlich nichts mehr im Wege.

Das ist nix für Amateure.

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