Ich habe einen kleinen Kommentar bei Mayla geschrieben und dabei mehr oder weniger der Frage ausgewichen, in welche “Schublade” ich mich einordnen würde – Schubladen für Männer übrigens.
Ich habe mich also mehr oder weniger geschickt vor einer direkten Antwort gedrückt.
Nicht, dass Schubladen nicht manchmal hilfreich sind, gerade wenn man gerade gefrustet und wütend ist und mal reinen Tisch machen will, da ist dann alles ordentlich untergebracht. Aber ich mag nicht einsortiert werden, ich steck ja auch keine Frauen in Schubladen; die stelle ich höchstens dann und wann mal auf ein Podest. Dann will ich auch nicht in irgendeine Kategorie eingeordnet werden, am allerwenigsten von mir selbst. Meine Mitmenschen können mir aber gern eine eigene Schublade basteln, ich spende gern Holz, Nägel und etwas Flauschiges, um damit die Innenseite auszukleiden.
Und dann, für die Beschriftung, ein Etikett mit der Antwort auf die Frage: Was für ein Mann will ich gern sein? Einer, der das Vertrauen und die Zuneigung wert ist. Trotz all des unschmeichelhaften Krams, den ich nicht leugnen kann. Ich bin nicht sicher, ob ich das bin1: Liebenswert im wahrsten Sinne und nicht das Gegenteil davon; nicht dieser “Typ knuddeliger Tierkumpel der Hauptfiguren in Disneyfilmen”? Ich wärs gern – jemand der es wert ist, sei es in Freundschaft oder anderweitig – vielleicht zu sehr. Hmm. Ich will mich morgens noch im Spiegel anschauen und danach den Tag ohne permanente Übelkeit überstehen können. Das geht auch, weitgehend. Da ist nur eine Sache, die mir seit Wochen schwer im Magen liegt und die ich gern ganz aus der Welt hätte; ich weiss nur nicht, wie. Das ist alles so kompliziert.
Ich höre besser auf, sonst schreibe ich noch ein paar weitere Antworten auf eine Frage, die ich gar nicht beantworten wollte. Tatsächlich wüsste ich selber gern, was man von mir erwartet.
Die Antwort auf die Schubladenfrage fällt mir enorm schwer und ich fürchte, ich habe keine, selbst wenn ich noch Wochen probieren und suchen sollte. Andere Leute können sich scheinbar in einem lockeren Kommentar zusammenfassen; das bringt mich zum grübeln.
- nicht: sich irgendetwas zu erschauspielern oder zu erschleimen [↩]

Du machst dir einen Kopf nicht liebenswert zu sein?
Hast du nichts besseres zu tun?
Nein im Ernst! Du bist bisher eins der nettesten, knuffigsten männlichen Wesen die mir begegnet sind, wer dich nicht mag, ist selber schuld.
Wie kannst du nur darüber nachdenken, ob du dich im Spiegel anschauen kannst bzw. irgendwann nicht mehr?
Putz dir die Augen und sieh genauer hin!
Es gibt viele, sehr viele andere Typen die sich täglich im Spiegel stylen ohne zu checken was für ein hässlicher Kobold sie da angrinst. Typen, die sehr viel mehr auf dem Kerbholz (und nicht auf dem Kasten) haben als du.
Natürlich hast du deine Macken, aber die machen dich doch grade so liebenswert.
Don’t try too hard, du bist okay, so wie du bist. Mach dir keinen Kopf über zukünftige Spiegelbilder.
So schlimm kannst du gar nicht mehr werden, selbst wenn du wolltest.
Außerdem denke ich nicht, dass dein Gewissen dich überhaupt irgendetwas machen lassen würde, was du bereust. Du bereust ja schon Dinge, gegen die dein Gewissen gar nichts einzuwenden hatte.
Wenn dich mal jemand aus dem Spiegel angrinst, dann ist das nur ein etwas zu enthusiastisches, freundliches Lächeln.
Oder wie ich gern zu sagen pflege:
Wer sich Gedanken darüber macht, ob er verrückt ist, ist nicht verrückt.
Meine Macken sind eben das: Macken und viele davon sind überhaupt nicht sympathisch. Ich habe keine Identitätskrise oder so; es fällt mir nur schwer, mich selbst auf diese Weise zu beschreiben.
Wie kann ich zum Beispiel behaupten, ich wäre ein “Guter Freund”, wenn das doch eigentlich andere sagen sollten und am allerwenigsten ich selbst? Ich kann es nur versuchen.
Danke für den Kommentar!
P.S.: Früh morgens grinse ich übrigens nur ausgesprochen selten.
Ach Denis!
Das ist eine der ältesten Übungen fürs Selbstbewusstsein: Sich selbst mit guten Eigenschaften beschreiben.
Mit schlechten kann das jeder aber das ist ja dann auch keine Aufgabe
Natürlich habe ich gute und schlechte Eigenschaften, die ich hier aufzählen könnte – das muss ich in meinem Job übrigens schon oft genug, auch außerhalb von Bewerbungsgesprächen. Hier verzichte ich darauf und verweise auf die Möglichkeit, mich zu einem Bier einzuladen oder wenigstens eine Mail zu schicken.