Wir haben vielleicht nicht gewusst, dass die vergangenen Tage die letzten dieses Sommers sein würden, aber wir haben es doch geahnt und Recht behalten, nicht wahr?
Nicht, dass die Sonne nicht mehr scheint, nein – es kommt noch vor und die Herbstsonne ist glorreich und golden, so wie es sie im Sommer niemals gibt.
Aber die Kälte kriecht einem in die Knochen und das Krächzen in den Hals und es ist nicht leicht, die beiden wieder zu vertreiben; ein Tee oder am besten ein Grog oder ein warmer Gedanke, die würden schon helfen, für eine Weile oder zwei.
Ich werde immer so müde, wenn es plötzlich kalt wird, als ob das Euphorische des Sommers, so traurig er auch für mich war, einem listig aus den Adern gesaugt und nichts nimmt den Platz ein, außer vielleicht ein klassischer Schlafmohnsaft. Da ist auch immer Wehmut, besonders in diesem Jahr. Da kam sie aber nicht plötzlich, sie war schon lange da und machte alles schwer, nur dann und wann konnte man einfach so tun, als wäre sie nie da gewesen.
Nachts liege ich im Bett und kann nicht schlafen, noch nicht, ich spüre die Kälte, obwohl dicke Wände sie sicher abhält. Die kleinen Tiere kratzen und Rascheln unter den Dachpfannen und über meiner Schräge umher.
Man hat sich schon eingerichtet für den Winter.

Ts, da isser wieder, diese uuuunglaubliche Ignoranz der Menschen!
Du kannst doch nicht einfach den armen Herbst übergehen und dich für den Winter einrichten! Also echt.
Der Herbst ist eine wunderschöne Jahreszeit.
Wahrlich, im Moment ist es etwas arg kalt und nass, ich hoffe auf bessere Tage.
Es ist doch wunderschön, wenn die Blätter sich gold und rot verfärben und die ganze Welt rötlich wird, so die Sonne durchs noch dichte Blätterdach scheint.
Wenn du, eingemuckelt in eine dicke Jacke, durch die Straßen gehst und dir herrlich verfärbte Ahornblätter entgegen wehen.
Wenn alles vom angenehmen Duft feuchterwärmter Erde und moderndem Geäst erfüllt ist, die Vöglein singen und die verschissenen Wildgänse sich endlich wieder verpisst haben.
Wenn der pummelig rundgefressene Igel durch den Garten stapft um letzte Insekten zu schnappen und sich aus dem Beischnitt vom Sommer ein Winterlager schafft.
Und wenn du jeder Zeit auf dem Friedhof unter einem freistehenden Baum einen Blätterhaufen findest, auf dem du dich niederlassen kannst.
Sofern kein Igel darin pennt.
Das ist Herbst.
Hab deine Mail gelesen. Bei mir ist im Moment eher Winter als Herbst, deswegen kann ich auch schlecht antworten. Vielleicht scheint in 6 Monaten wieder die Sonne.
@Kate – Schön gesagt. Auch wenn hier in Blätterhaufen schon ziemlich oft Igel pennen,weswegen sie bei uns schonmal liegenbleiben.
@Me – Es ist jedenfalls gut, von Dir zu lesen. (Ich beklage mich ja immer gern hier im Blog, aber … ich weiß, ich tue das auf hohem Niveau und damit meine ich nicht das sprachliche). Auf die Sonne kann man sich wenigstens verlassen, auf das Leben hingegen …
Wenn richtig Herbst wäre, dann könnte man es ja noch akzeptieren… Den mag ich an sich gern. Aber diese Temperaturschwankungen und das ständige Regnen.. das ist BÄHHHH…
Und verleitet definitv zu Kuschelorgien (wenn es sie in meinem Leben doch nur gäbe), Tee und Grog, Kerzen und guter Musik. Anders kann man sich auf das, was da kommt nicht vorbereiten…