Oktober 2008

Artikel aus Oktober 2008.

Ich war heute beim Arzt, um mich gegen Kinder – genauer gesagt, gegen Grippe impfen zu lassen. Wie es sich so ergab, stand ich wieder einmal stundenlang im Nieselregen. Kinder beaufsichtigen. Kinder einfangen, die sich gern nassregnen lassen. Kinder eben.

Mein Schädel dröhnte, aber ich war ja froh, endlich mal eine Woche ohne Krankheit zu überstehen.

Nach einer guten Stunde im überheizten und überfüllten Wartezimmer kam ich dran. Sie niesten in einer feinen Regelmäßigkeit; ich stellte mir vor, wie sie sich nach und nach zu einem immerhin faszinierenden, wenn schon nicht wohklingenden Kanon vereinten. Leider kam es nicht dazu – das Leben enttäuscht den Tagträumer ja immer wieder. Naja, dachte ich mir, wenn ich vorher nicht krank war, dann bin ichs wohl jetzt. Nur nicht schon wieder krankschreiben lassen.

“Sie impfe ich schonmal auf gar keinen Fall gegen Grippe – dass sie einen Infekt der Atemwege haben, seh ich ja von hier” – sagte die Ärztin, als ich ihr kleines Reich der Diagnostik betrat. Zuerst mal schaute sie mir ins Ohr. Machte leise “tsk.”

“Rot.”

Mund auf, AAAAAAH machen.

“Rot.”

“Welche Farbe hats, wenn sie die Nase putzen?” – “Keine. Ich bin gar nicht so erkältet.”

“Sie sind sicher, dass ich sie nicht erstmal krankschreiben soll? Ich schreib’ ein Antibiotikum auf, wenn das aus der Nase gelb oder grün wird. Sie haben eine Virusinfektion. Müssen sie niessen?”

“NNnnnn… ein.”

Sie starrte auf meine Nase. Ich spürte, wie sich ein kleiner Tropfen an der Spitze sammelte. Der Tropfen kitzelte. Er kitzelte sogar unerträglich. Ich gab mir alle Mühe, die Fassung zu bewahren, aber es sammelten sich schon Tränen in den Augenwinkeln und meine linke Hand stellte sicher, dass ich in der Tat nicht schon wieder das Taschentuch vergessen hatte.

“Sososo.”

Sie starrte weiter meine Nase an und schob demonstrativ den Vordruck mit dem gelben Schein in den Drucker.

Hatschi.Pffffrrrt.

Das “Klack” auf ihrer Tastatur klang triumphierend. Ehrlich.

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… da rechnest du großzügig nochmal einen kleinen Fingerbreit auf den Daumenbreit Rum in der Grogtasse an und bist zusammen mit dem Körnerkissen fast schon ein wenig besoffen im Bett. Dafür aber warm und trocken. Das ist nicht ganz falsch.

Ich glaub, ich bin inzwischen der einzige hier, der noch Grog trinkt.

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  • Über die letzten zwei Jahre habe ich viele Blogs kennengelernt und einige von meinen allerliebsten sind wieder weg oder werden nicht mehr aktualisiert; das gilt auch für das Werk meiner absoluten Lieblingsbloggerin. Vielleicht gibt es ja Möglichkeiten, sie wieder zurück zu bekommen? Gern würde ich ein Art gemeinsames Blog-Magazin oder etwas ähnliches mit ein paar wundervollen Webloggern machen; ein Platz für Leute, die weniger über tägliche Nachrichtenmeldungen oder über ihr neues Auto schreiben, sondern eher Geschichten. Da müsste man auch nur dann etwas veröffentlichen, wenn wieder etwas da ist und weil andere auch mitmachen, würde die Seite nicht lange brachliegen und ihre Leser verlieren. Das wäre wirklich schön.
  • David Tennant spielt nicht länger den Doctor. Urgh. Ich ahnte, dass dieser Tag kommen würde, aber ich werde ihn vermissen. So viel wie in der Vergangenheit schreibe ich nicht mehr über Doctor Who, aber es ist doch eine der TV-Serien, an denen ich hänge; in diesem Fall allerdings nur an der unsynchronisierten Originalfassung.
  • Noch mehr Fernsehen: Pushing Daisies mag ich auch; es ist hemmungslos unrealistisch bunt und märchenhaft und hinreißend romantisch, es geht um Tod, Untot, Mord, Liebe und Kuchen. Alles funktioniert am Ende perfekt.
  • Katzen können bestimmt kuschlig sehen. Aus zehn Metern Entfernung sehen sie sofort, ob man da grade einfach nur auf dem Sofa sitzt, ob man unter einer Decke auf dem Sofa sitzt, oder ob man unter der besonders flauschigen Cashmere-Decke auf dem Sofa sitzt. Zu erkennen ist diese Fähigkeit an der jeweils völlig anderen Ännäherungsgeschwindigkeit der Katze.
  • Ich habe erst jetzt das deutlich verbesserte Long Island Ice Tea Rezept gesehen. Danke, Tom! Was das andere Rezept angeht … ich warte einfach mal. Ich gebe so schnell nicht auf, da musste nun mit leben.

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Ein ganzer Raum voll mit einem einzigen IBM 360/20

Mein Vater bat mich vor kurzem, seinen Lebenslauf mal ins Reine zu schreiben; weil er den für irgendetwas braucht – ich könne das viel sauberer und schneller als er selbst. Damit wäre bewiesen, dass Eltern ihre Kinder auch nach vielen Jahren lange nicht so gut kennen wie sie sich einbilden – ich habe es natürlich trotzdem gemacht.

Mein Vater hat 1965 einen Wochenendlehrgang namens “Programmierer elektronischer Datenverarbeitungssysteme” besucht, ohne wirklich wissen zu können, was ihn da erwartet. (Programmierer?) Später hat er an einem der flottesten Großrechner der damaligen Zeit gearbeitet, einem Monstrum von IBM mit satten 4 KB Speicher. Gespeichert wurde auf Lochkarten, welche am ehesten den Songspeichern einer Drehorgel ähnelten und im Gegensatz zu den “Blu-Ray” und Co. heutiger Zeiten genau das waren, was der Name vermuten ließ: Kleine Karten mit hineingestanzten Löchern. 

Damals konnte man kaputte Datenspeicher noch mit Tesafilm reparieren. Mit denen die man nicht mehr reparieren konnte, habe ich als kleines Kind gespielt. Ich habe Bilder mit Wachsmalstiften auf COBOL-Programme gemalt. 

Ich frage mich oft, wann genau mein Vater plötzlich aufhörte ein Nerd zu sein.

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Ich war mal ein Teenager Werwolf. Jetzt bin ich eine andere Sorte.

Der Herr B. in jungen Jahren (Künstlerische Darstellung)

Ich kann mich nicht über Interesse an meinem Äußeren beklagen – jedenfalls nicht, was die geneigten, aber zu einem guten Teil recht neugierigen Leserinnen und Leser meines Weblogs angeht. Bisher habe ich davon abgesehen, ein Foto von mir zu veröffentlichen und glaube auch nicht, dass sich das an diesem Ort ändern wird. Allerdings gebe ich zu bedenken, dass sie vielleicht nicht darauf vorbereitet sind, der Realität meines bis dahin rätselhaften Antlitzes ungeschützt ausgesetzt zu sein.

Ich hole kurz aus.

Ein männlicher Sozialarbeiter an einer Grundschule1 hat es in vielerlei Hinsicht leicht – man ist bei Eltern Exot und hat Vertrauensbonus und die problematischen Jungs sind oft gar nicht so problematisch, wenn man sie “Mann zu Mann” anspricht. Tatsache. Aber da gibt es eine Schattenseite. Es gibt nicht endenden Schrecken, der den männlichen Sozialarbeiter an einer Grundschule verfolgt.

Der nicht enden wollende Schrecken nennt sich “Mädchenbanden, die über alles kichern, vor allem über männliche Sozialarbeiter an Grundschulen”.

“Herr B..? HERR B.?”

“Ja?”

“Wissen sie, wie sie aussehen?”

“Ja. Ich prüfe jeden Morgen nach.”

<Sie kichern.> “Das links und rechts an ihrem Kopf, ist das sowas wie ein Bart?”

“Das ist sowas wie ein Bart, ja.”

“Und sie haben so ein paar graue Haare. Und heute sehen sie so kratzig im Gesicht aus. Sie sehen aus wie…” <Sie kichern und kichern dann noch etwas mehr, danach tuscheln sie untereinander.> “… wie ein Werwolf! Sie sehen aus als würden sie Leute essen! Darum essen sie auch heute nichts! Sie sind schon satt!”

Ich denke nach und grinse. Die Mädchen kreischen vor Vergnügen und die Kolleginnen schauen missbilligend von den Nachbartischen herüber – wir sitzen nämlich beim Essen.

“Cool.”, sage ich. Wenigstens weiß ich nun genau, wie ich auf Leute wirke. Gefährlich. Wild. Ich bringe sie zum Lachen. Alles gut. Nun muss ich das nur noch bei etwas älteren Frauen hinbekommen.

  1. Ich bin inzwischen wohl eingestellt und man darf vorsichtig gratulieren []

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Es ist auf Winterzeit umgestellt worden und so fühlt es sich auch an, ob das Thermometer nun tragbare 12° anzeigt oder nicht. Ich bin am Wochenende nicht ausgegangen, ich blieb kränklich-welk im Bett. Und nun liege ich wach. Na super.

  • Joachim ‘Blacky’ Fuchsberger war zu Gast bei Zimmer frei!, einer meiner wenigen verbliebenen Fernsehrituale, das jeden Sonntagabend begangen werden muss. Er hatte einen Stock mit Silbergriff und küsste beide Moderatoren. Auf den Mund! Ich erstarre in Ehrfurcht. Der Mann war auch sonst großartig.
  • Man diskutiert ja allenthalben über den “Verlust des Privaten” – ich finde, es gibt viel zu viel Privates heutzutage. Klar, die Leuten haben keine Probleme damit, sich etwa das Antlitz ihrer Oma aufs Hinterteil zu tätowieren und das Ergebnis mit Namen und Anschrift im Internet zu veröffentlichen – aber sie würden nie auf die Idee kommen, einen Fremden auf der Straße anzusprechen. Oder eine Gute Party zu machen. Unangemeldet bei jemandem anrufen oder gar zu Besuch kommen, spontan. Mancher geht ja nicht einmal mehr aus, sogar die Pizza lässt man sich bringen. Grauenhaft.
  • Ich habe schon lange keine Rezepte mehr bekommen, auch im fressmorg sieht es ähnlich traurig aus. Schade.
  • Zu viel Ärger, zu viel Unerfreuliches in letzter Zeit – selbst mein mächtig stressiger Ex-Job in der Familienhilfe hat nicht geschafft, das mein Magen sich so beklagt wie gerade jetzt: Ich habe einfach nur Schmerzen, keine Übelkeit mehr. Ich befürchte eine Übersäuerung; das hatte ich viele Jahre nicht mehr. Wäre das nicht so ungesund: Grund zum Ärgern, als ob ich nicht schon genug Gründe hätte. Ich lass mir was zum Freuen verschreiben, glaub ich. Ich wüsste schon was. Gibt’s aber nicht auf Rezept.
    Trotz Schmerzen habe ich ernsthaft Luft, mich zu besaufen.
  • Ich sollte mich mal nach einer Wohnung umschauen und auch nach einer Küche – wo gibt es denn schöne, flexible Küchen, die auch enorm stabil und dazu noch richtig günstig sind? Dafür reise ich auch schonmal durchs Land.
  • So lange schon habe ich niemanden meiner Blogfreunde mehr besucht, das finde ich sehr schade.

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