Ich war heute beim Arzt, um mich gegen Kinder – genauer gesagt, gegen Grippe impfen zu lassen. Wie es sich so ergab, stand ich wieder einmal stundenlang im Nieselregen. Kinder beaufsichtigen. Kinder einfangen, die sich gern nassregnen lassen. Kinder eben.
Mein Schädel dröhnte, aber ich war ja froh, endlich mal eine Woche ohne Krankheit zu überstehen.
Nach einer guten Stunde im überheizten und überfüllten Wartezimmer kam ich dran. Sie niesten in einer feinen Regelmäßigkeit; ich stellte mir vor, wie sie sich nach und nach zu einem immerhin faszinierenden, wenn schon nicht wohklingenden Kanon vereinten. Leider kam es nicht dazu – das Leben enttäuscht den Tagträumer ja immer wieder. Naja, dachte ich mir, wenn ich vorher nicht krank war, dann bin ichs wohl jetzt. Nur nicht schon wieder krankschreiben lassen.
“Sie impfe ich schonmal auf gar keinen Fall gegen Grippe – dass sie einen Infekt der Atemwege haben, seh ich ja von hier” – sagte die Ärztin, als ich ihr kleines Reich der Diagnostik betrat. Zuerst mal schaute sie mir ins Ohr. Machte leise “tsk.”
“Rot.”
Mund auf, AAAAAAH machen.
“Rot.”
“Welche Farbe hats, wenn sie die Nase putzen?” – “Keine. Ich bin gar nicht so erkältet.”
“Sie sind sicher, dass ich sie nicht erstmal krankschreiben soll? Ich schreib’ ein Antibiotikum auf, wenn das aus der Nase gelb oder grün wird. Sie haben eine Virusinfektion. Müssen sie niessen?”
“NNnnnn… ein.”
Sie starrte auf meine Nase. Ich spürte, wie sich ein kleiner Tropfen an der Spitze sammelte. Der Tropfen kitzelte. Er kitzelte sogar unerträglich. Ich gab mir alle Mühe, die Fassung zu bewahren, aber es sammelten sich schon Tränen in den Augenwinkeln und meine linke Hand stellte sicher, dass ich in der Tat nicht schon wieder das Taschentuch vergessen hatte.
“Sososo.”
Sie starrte weiter meine Nase an und schob demonstrativ den Vordruck mit dem gelben Schein in den Drucker.
Hatschi.Pffffrrrt.
Das “Klack” auf ihrer Tastatur klang triumphierend. Ehrlich.




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