Wie ich aussehe

Ich war mal ein Teenager Werwolf. Jetzt bin ich eine andere Sorte.

Der Herr B. in jungen Jahren (Künstlerische Darstellung)

Ich kann mich nicht über Interesse an meinem Äußeren beklagen – jedenfalls nicht, was die geneigten, aber zu einem guten Teil recht neugierigen Leserinnen und Leser meines Weblogs angeht. Bisher habe ich davon abgesehen, ein Foto von mir zu veröffentlichen und glaube auch nicht, dass sich das an diesem Ort ändern wird. Allerdings gebe ich zu bedenken, dass sie vielleicht nicht darauf vorbereitet sind, der Realität meines bis dahin rätselhaften Antlitzes ungeschützt ausgesetzt zu sein.

Ich hole kurz aus.

Ein männlicher Sozialarbeiter an einer Grundschule1 hat es in vielerlei Hinsicht leicht – man ist bei Eltern Exot und hat Vertrauensbonus und die problematischen Jungs sind oft gar nicht so problematisch, wenn man sie “Mann zu Mann” anspricht. Tatsache. Aber da gibt es eine Schattenseite. Es gibt nicht endenden Schrecken, der den männlichen Sozialarbeiter an einer Grundschule verfolgt.

Der nicht enden wollende Schrecken nennt sich “Mädchenbanden, die über alles kichern, vor allem über männliche Sozialarbeiter an Grundschulen”.

“Herr B..? HERR B.?”

“Ja?”

“Wissen sie, wie sie aussehen?”

“Ja. Ich prüfe jeden Morgen nach.”

<Sie kichern.> “Das links und rechts an ihrem Kopf, ist das sowas wie ein Bart?”

“Das ist sowas wie ein Bart, ja.”

“Und sie haben so ein paar graue Haare. Und heute sehen sie so kratzig im Gesicht aus. Sie sehen aus wie…” <Sie kichern und kichern dann noch etwas mehr, danach tuscheln sie untereinander.> “… wie ein Werwolf! Sie sehen aus als würden sie Leute essen! Darum essen sie auch heute nichts! Sie sind schon satt!”

Ich denke nach und grinse. Die Mädchen kreischen vor Vergnügen und die Kolleginnen schauen missbilligend von den Nachbartischen herüber – wir sitzen nämlich beim Essen.

“Cool.”, sage ich. Wenigstens weiß ich nun genau, wie ich auf Leute wirke. Gefährlich. Wild. Ich bringe sie zum Lachen. Alles gut. Nun muss ich das nur noch bei etwas älteren Frauen hinbekommen.

  1. Ich bin inzwischen wohl eingestellt und man darf vorsichtig gratulieren []

6 Kommentare

  1. Vorsichtige Gratulation!

    Ich nehme mal an, der Bart fiel dadurch so besonders auf, da er ansonsten nicht vorhanden ist. Mir ist er neulich nämlich nicht in’s Auge gefallen.

  2. Gemeint waren meine Koteletten. Ich glaube, das Wort ist etwas zu viel verlangt für Zweitklässler, die – wenn ich mich erklärt hätte – sicher viel Spaß damit gehabt hätten, meine Frisur mit den beliebten Fleischstücken am Knochen zu vergleichen.

    (Und danke sehr.)

  3. Als ich den Beitrag im Reader las, dachte ich mir, dass ich mit “Dem Werwolf eine vorsichtige Gratulation.” kommentiere. Dann komme ich her und Rouven kam mir zuvor.

    Lese ich Koteletten in deinem Kommentar und kichernde Mädchen, will ich “Koteletten, kann man das essen.” schreiben. Und wieder zu langsam.

    Jetzt wünsche ich dir einfach eine tolle Zeit.

  4. @Luca: Du magst zwar langsamer sein, dafür bist du aber auch meistens besser.

    @Clara: Auf die Koteletten, die grauen Haare oder das Wolfsein?

    @Alle: Danke sehr.