Ich wunderte mich schon seit Stunden, warum ich solche dröhnenden Kopfschmerzen habe. Weil ich nicht so eitel bin wie ich dachte, habe ich erst vor einer Weile in den Spiegel geschaut.
Da ist ein riesiges Horn von einer Schwellung, dort wo man eigentlich meine rechte Augenbraue erwartet hätte. Das ganze Ding sieht rotblau aus, an einer Stelle ist es dunkel und fast aufgeplatzt. Ich seh’ aus wie ein Boxer nach der Hälfte eines mittelerfolgreichen Kampfes. Er hat ‘ne miese Deckung, kann dafür gut einstecken. Dieser Kopftreffer hat aber gesessen. Noch so einer und der Ringrichter zählt ihn an. Wie hat ihn der andere so erwischt, hmm? Es will ihm nicht einfallen, sein Schädel überdröhnt etwaige Nachforschungen im Hirn. Die Stimme des Ringarztes aus weiter Ferne, etwas über einen Cut und dass er sich das nicht viel länger anschauen wird. Egal. Er wird aufstehen und den Kampf über die Runden bringen. Her mit dem Mundschutz, es geht los. DingDing! macht die Ringglocke.
Genau, wie ist mir das denn schon wieder passiert? Langsam sichern die Wahrheit durch die Kakophonie im Kopf. Ein Zweitklässler, bewehrt mit einem Hockeyschläger, holt weit nach hinten aus und das mit Schwung, denn er hat sich den Ball vorgelegt und Zack!… hat er mich fast auf den harten Asphalt des Schulhofs befördert. Der erste Niederschlag in meiner Betreuungskarriere. Ich wanke, schimpfe, falle aber nicht. Und dann habe ich all das wieder vergessen.
Ah, es kommt mehr zurück.
- “Herr Gorgmorg, da ist Blut auf ihrer Stirn.”
- “Ach was.”
Mann-o-mann, bin ich hart drauf. Oder blöd. Wie viele Gehirnzellen sind dabei wohl wieder draufgegangen? Und wie viele habe ich jetzt noch übrig? Nicht drüber nachdenken, das tut nur noch mehr weh. Jetzt wo ich weiß was los ist, sind auch gleich die Schmerzen da. Ich entscheide mich gegen das Ausgehen und das Aspirin und für ein kühlendes Detmolder Pilsener in der beliebten Bügelflasche.


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