Meine Zunge

Douglas Adams hat einmal ein umwerfendes Stück über seine auffällig unpraktische Nase; das habe ich immer gern vorgelesen, damals als ich noch regelmäßig Geschichten vorgelesen habe. Sein Riechorgan hat offenbar einiges an Aufmerksamkeit auf sich gezogen, so weit dass er nicht umhin kam, darüber zu schreiben.

Wenn ich über eines meines meistkommentierten Körperteile ohne übergroße Peinlichkeiten schreiben kann, dann wäre das meine Zunge. Sie gehört nicht zu den sieben Weltwundern (und nicht ins Buch der Rekorde), aber sie ist ziemlich lang; ich habe mich lange darüber gewundert, warum sich andere Leute mit ihrer nicht das Kinn berühren können. Als Kind habe ich mich darüber gewundert, warum andere sich mit ihrer eigenen Zunge nicht die Nase reinigen konnten. Irgendwann fand ich das widerlich; ich schämte mich meiner besonderen Fähigkeiten und wurde dafür gescholten, nicht immer einen Löffel zu benutzen.

Als Kind war ich ein Ferkel.

Eine überdurchschnittliche Zunge bringt auch einiges an Problemen mit sich, so beißt man häufig versehentlich auf sie und wenn man vielleicht gerade nervös, hektisch oder planlos sein sollte, kann sie einem die schönsten Schachtelsätze in unverständlichem Genuschel versinken lassen. Gerade kürzlich vor einer Lehrerkonferenz passiert, aus der ich einen Parksünder herausfischen sollte.

Erst als Teenager stellte ich fest, dass meine Zunge auch unbestreitbare Vorteile hatte. Besser gesagt, meine ersten Freundinnen stellten das fest, sobald ich gelernt hatte, mit dem Ding umzugehen. Am Küssen habe ich lange arbeiten müssen, andere Erfreulichkeiten fielen deutlich leichter. Mmmmh.

Als Teenager war ich ein Ferkel.

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