Januar 2009

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Sie suchte, mehr als nur leicht angetrunken, auf ihrem Computer nach Musik und war inzwischen auf YouTube ausgewichen. Noch war das richtige Stück nicht gefunden. Sie redete über ihre Arbeit und wie es ihr gefiel, einiges an Einnahmen zu haben. Nicht nur für ihr Selbstbewusstsein oder für eine gewissen beruhigende Sicherheit im Leben oder lustbetontes Einkaufen – das war alles vorhanden; ich mochte ihre fröhliche Maßlosigkeit sehr.

“Aber das ist es nicht. Ich mag Geld, verstehst du? Ich liebe Geldscheine. Das ist mein Fetisch.”

Ich schaute ihr zu wie sie versonnen lächelte, so in angenehmen Gedanken versunken wie eine Katze in der Erinnerung an das letzte riesige Stück Lachs, das unerklärlicherweise vom Buffet verschwunden war. Sie kuschelte sich in erfreuliche Gedanken.

“Ich mag, wie es aussieht, wie es raschelt, wie es riecht, wie es sich in der Hand anfühlt. Es kribbelt so schön.” Sie strahlte mich an.

“Ich liebe, es zu bekommen und es auszugeben, wenn es seine Energie verloren hat. Dann muss es wieder ausgegeben werden. Dann brauche ich wieder frisches … Geld.”

Sie schaute mich an; sie hatte das Stück Musik gefunden, welches nun für die nächste Stunde unbarmherzig ihre Wohnung beschallen würde.

“Glaubst du, ich habe einen Knall?”

“Nö.”

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Gestern habe ich eine gute Stunde zusammen mit einer guten Freundin zusammen auf einem Sofa zusammen geschrieben; ich an einem meiner nur ganz langsam wachsenden Dauerprojekte, sie an einem Essay. Es war nur ein gedachtes Sofa; es waren tatsächlich mehr als nur ein paar Kilometer zwischen uns. Trotzdem fühlte es sich so an und es gefiel mir, hin und wieder eine Zeile vorzulegen und sich eine Meinung einzuholen, vielleicht sogar etwas Lob.

Ich habe lange Zeit gedacht, dass ich ein Einzelgänger wäre, (nicht nur) was das schreiben angeht, dass ich Ruhe und einen abgedunkelten Raum bräuchte. Das ist eine blöde Idee gewesen, man muss rausgehen und etwas tun und erleben, sonst wird das Geschreibsel blutleer oder schlimmer, seelenleer oder so. Mir fällt da kein besserer Begriff mehr zu ein, fürchte ich. Verbitterte Autoren mag ich nicht, ich glaube das wird man aber irgendwann sein, wenn man sich einsperrt oder den Mut verliert.  Soweit also das; ich war aber davon überzeugt, dass ich – wenn es dann an die feierliche Niederschrift geht – auf gar keinen Fall abgelenkt werden darf. Komischerweise bin ich aber nun etwas besseren belehrt worden: Ich bin abgelenkt besser. Wenn es die richtige Ablenkung ist, versteht sich.

Ich habe noch nie etwas mit jemandem zusammen am selben Projekt gearbeitet und ich wüsste eigentlich auch nur eine Person, mit der ich mir das vorstellen könnte; aber mit jemandem im selben Haus, im selben Raum, auf demselben Sofa und denselben Hund auf dem Teppich davor – das finde ich plötzlich richtig erfreulich und inspirierend.

Nun gerade bin ich wieder virtuell allein und kriege beim besten Willen keinen ordentlichen Satz zusammen; so schnell hat man sich selbst verwöhnt.

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Excalibur

Mein Zahnarzt hat eine Spritze, die Herrin über alle anderen Spritzen ist. Sie funkelt silbrig im hellen Behandlungslicht und hat perfekt geformte Fingeröffnungen – und sie ist so groß, dass sie nur vom Erwählten selbst in der Schlacht geschwunden werden kann, wo ihr Schimmern Meilen und Meilen zu sehen ist, genug um endlose Furcht in die Herzen aller Feinde zu tragen.

Irgendwann muss er sie als junger Zahnarzt aus einem Zahnstein gezogen haben, was ihn als geheiligten König über alle Zahnärzte bestätigte.

“Kommen sie Donnerstag einfach wieder. Dannschaunwirnochmalnach.”

Er spricht so weise und überlegt wie seine Kling… entschuldigung, seine Spitze sich treffsicher durch allen Widerstand bohrt und ja, überaus gerechten Schmerz verursacht. Der alte Heilsbringer.

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Ich will nicht behaupten, in der vergangenen Woche besonders schwer krank gewesen zu sein1, aber eine ordentliche Bronchitis ist für mich mindestens eine solche Tortur wie die paar Krankenhausaufenthalte meines Lebens. Ich hasse es, dass es jedes Frühjahr so kommt und wie ich finde, jedes mal eine Winzigkeit schlimmer. “In ihrem Fall… sie kriegen noch etwas zum inhalieren zu ihren Antibiotika und dem Zeug gegen Schmerzen dazu; wir müssen ja auf ihre Lungen aufpassen, nicht wahr?” Er lächelte freundlich. Oh, danke sehr, Herr Doktor. Als ob mir das nicht allzu bewusst gewesen wäre. Ich habe nicht weiter gefragt, die gut drei Stunden im überfüllt-verhusteten Wartezimmer hatten mir gereicht und ich hatte genug damit zu tun, beim Verlassen der Praxis nicht mit irgendetwas wie einem Teil des unweigerlich zur Hälfte schwangeren Personals oder etwa einer Wand zu kollidieren. Gut, dass ich nicht selbst gefahren war.

Anderthalb Tage später tat mir einfach nur alles weh. Wenn du völlig erschöpft vom husten/schwitzen/frösteln bist, wenn das Zwerchfell nur einer von vielen wunden Teilen ist, wenn du nicht mehr weisst, wie du überhaupt noch liegen sollst, dann kannst du dich vielleicht nicht mehr an deinen letzten Satz erinnern, dafür aber plötzlich und unsortiert an all den vergangenen Mist, den du eigentlich schon mal erfolgreich verdrängt wähntest.

Meriche schreibt davon, wie schön es wäre, Dichterfreunde zu haben. Ich weiss nicht, ob es für mich richtige Dichter sein müssten2, aber sie sollten Geschichten haben, gute Worte, die sie leise am Bett vorlesen könnten. Sie sollten auch geduldig genug sein und Unterbrechungen beispielsweise durch Hustenanfälle ertragen können.

So ein Besuch wäre schön gewesen. Da aber niemand da war, konnte mich auch niemand daran hindern, in wachen Momenten ein paar fahrige Zeilen in mein Notizbuch zu kritzeln. Es fällt mir heute schwer, alles zu entziffern, aber ein paar davon greife ich mal auf und schreibe etwas mehr. Fragt mich nicht, warum mir das alles einfiel und vor allem die vielen Details; ich habe ein seltsames Gehirn.

*

Merkwürdige Gelüste entwickeln sich in einem Geist nahe dem Delirium, bei mir sind es laut Notizen die fertigen, schlaffen Billigsandwiches aus dem Aldi. Und irgendeine Art von starkem Schnaps, der einem die Atemwege freibrennt, verdammt.

*

Ich muss noch ein Kind gewesen sein, in der ersten oder zweiten Klasse – und es war in einem Schuhgeschäft, in dem es ‘Hush Puppies’ gab – eine Schuhmarke, die mit einem Basset Hound warb und noch noch schlimmer, mit Bassetwelpen3 – das wirkte bei mir. Schuhe mit mir einzukaufen, war nie besonderes Vergnügen und ich nehme an, meine Eltern gingen den Weg des geringsten Widerstandes: Das Kind hatte eben die Werbung mit den Welpen gesehen und wollte nun diese Schuhe, genau wie früher die mit dem Salamander. Die Verkäuferin war eine bebrillte ältere Dame mit kunstvoller Dauerwelle und Perlenkette, die gleich “genau das Richtige für den jungen Herrn” hatte. Sie schaute sich meine Füße an und beklagte, dass diese ja ganz schön aus der Form wären, oder etwas in der Richtung. Sie machte meine Eltern ganz schön dumm von der Seite an: Kinderfüße bräuchten Führung und Halt. Wie durch die hervorragende Produkte hier, die vielleicht noch die fürchterliche Entwicklung umkehren konnten. Ich fand meine Füße ganz in Ordnung, aber in diese spitzen Ballerinas für Jungs passten sie ganz sicher nicht. Sie waren ja vorne rund, nicht spitz. Das passte der Dauerwelle nicht. Die Schuhe bekam ich dann doch an, konnte aber nicht darin laufen. Die Dame war begeistert. Was genau danach geschah, weiss ich nicht mehr. Ich weiss nur noch, wie meine Eltern und ich den Laden eilig verlassen haben und wie erleichtert ich war – wie erleichtert wir alle waren.

*

Der Raum ist so still, dass das Piepen in den Ohren sich mit dem Dröhnen im Kopf und dem Sturm um dem Haus zu einer seltsamen Sinfonie vereint, die nur für mich gespielt wird.

*

Der Moment im Auto der Medizinstudentin im Pflegepraktikum, kurz bevor sie mich zuhause absetzen würde, nach meiner einzigen Verabredung während der Zivizeit. Sie trug eine kleine Brille und alles andere war stark an ihr, sie hatte sogar starke Zähne und unfassbar helle blaue Augen4. Mir war klar, dass ich wohl der einzige war, der sie schön fand, mal abgesehen vom dem ekligen alten Typen, der sich ausschließlich von ihr duschen ließ, weil er das seit ihrem Praktikumsbeginn angeblich nicht mehr konnte. Sie fand sich auch nicht sonderlich bemerkenswert, das wäre nicht wichtig: Wenn sie studierte, hätte sie kein Privatleben mehr und danach würde man sie einfach respektieren. Das wären schon in der Schule der Preis und der Lohn gewesen, sie war schließlich sehr fleissig. Wir sollten also besser keine Freunde werden. Freundschaft war auch nicht das Erste, was mir im Kopf herumging – da waren einige strahlendere und einige deutlich dunklere (aber sehr angenehme) Gedanken. “Ich wollte dir noch etwas sagen”, begann ich. Sie nahm den Gang heraus, bremste den Wagen ab und zog die Handbremse.
Es quietschte metallisch und wir standen. Die ganze Zeit über hatte sie mir unverwandt in die Augen geschaut und nun beugte sie sich ein kleines Stück weit zu mir herüber…

  1. Ich bin noch nicht völlig wiederhergestellt und kann immer noch nicht ordentlich sprechen, dafür aber schreiben und lesen. []
  2. Ich bin jedenfalls keiner, ich erzähle nur Geschichten []
  3. Bis ich von den vielen angezüchteten Problemen der Rasse erfuhr – bzw, dem gezüchteten Problem, dass diese Rasse heute IST – war ich ein großer Fan. []
  4. Sie gestand mir später ihre getönten Kontaktlinsen, ein kurzlebiger Modetrend Mitte der 90er []

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Ich bin wieder da. Bevor ich mich aber in ein richtig spannendes Posting vertiefe, erstmal eine kleine Fingerübung. Knack-Knick (das waren die Fingerknöchel).

Apples kleine Computerreihe hat also ein Vierteljahrhundert überdauert, was an und für sich ja schon eine beachtliche Leistung in dieser Branche ist.

Mein erste Mac war ein LC, den ich auf spontan auf dem Parkplatz vor meiner damaligen Stammabsteige geschenkt bekam. Das Ding hatte einen Schwarzweißmonitor und eine Maus, die nicht mehr recht klicken wollte. Es muss kurz nach dem Start von Windows 98 gewesen sein; der LC war schon lange nicht mehr konkurrenzfähig und landete bald in einer Kiste auf dem Dachboden meiner Eltern, wo ich ihn beizeiten besuche. Ich achte aber mit Argusaugen darauf, dass er nicht entsorgt wird: Der alte Mac ist so nett! Er begrüßt freundlich seinen Benutzer und ist konsequent zuende gedacht.

Die nächsten 10 Jahre blieb es dann auch bei diesem kurzen Kontakt, danach habe bin ich dem Lockruf des MacBook erlegen, auf dem auch diese Zeilen entstehen.

25 Jahre – ich kann also mit einer gewissen Rechtfertigung erwarten, dass die bekannten Grabenkämpfe zwischen Apple-Besitzern und Nicht-Fans wieder aufflammen. Bestimmt kommt auch wieder mein Lieblingsspruch ins Spiel, den ich vor einer guten Stunden tatsächlich auch im Radio hörte: “Computerfirmen haben Kunden, Apple hat Jünger“. Man kennt es ja schon zu genüge, die “Apple ist unfehlbar!”-Maxime, die “Macs sind völlig überteuert!”-Legende und andere scheinbar unauslöschliche Streitherde.

Tatsächlich ist es so, dass die allermeisten Mac-User ihre Rechner mögen; eine schlichte Tatsache, der nichtsdestotrotz viele PC-Besitzer scheinbar mit völligen Unverständnis begegnen.

Es ist schon so: Auf dem Papier, Feature für Feature aufgerechnet, kann man für jeden Mac einen auf dem Papier etwas leistungsfähigeren und trotzdem etwas billigeren Windows-PC konzipieren.

Für eiskalte Rechner ist die Kalkulation damit klar. Ich bin nicht eiskalt, aber ich würde nicht behaupten, unpragmatisch zu sein:

Ich gehe davon aus, dass ich viele Stunden mit dem neuen Computer zu tun habe – dabei werde ich ihn länger ununterbrochen anstarren als die allermeisten Menschen in meinem Leben und vermutlich auch länger mit ihm zusammenarbeiten.

Wenn ich die Wahl habe, dann wähle ich meine Gesellschaft nicht nach IQ, Körpermaßen, funkelndem Gebiss, Ruhepuls, Kontostand und Biographie aus. Da schau ich mal drauf und dann vergesse ich es wieder.

Ich arbeite gern mit Leuten zusammen, mit denen es angenehm ist; mit denen ich mich wohl fühle, die mich inspirieren und auf die ich mich (fast)jeden Morgen freue. Arbeit geht dann auch viel flüssiger.

Das ist mehr als die Summe der einzelnen Teile und nicht so einfach in einer Tabelle auszurechnen. Mir ist z.B. völlig egal, ob da nun eine Druckvorschau 5 Sekunden schneller zu sehen ist – solange mir bis dahin möglichst wenige Frusterlebnisse untergekommen sind.

Und darum arbeite ich lieber mit einem Mac.

Ist doch ganz einfach.

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Ich habe grade eine schwindelarme Phase, gleich wird sicher wieder das Fieber steigen oder ich werde vor Kälte schlottern – ich sollte also auf jeden Fall nicht hier vor dem Rechner sitzen, sondern im Bett herumräkeln.

Es geht mir so wie vermutlich vielen Leuten, mich hat es nur wirklich so richtig erwischt. Die Mandeln spüre ich auch schon – volle Punktzahl.

Mir geht’s sicher bald wieder besser, aber richtigen Blogbetrieb schaffe ich grade nicht.

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