Nun hatte ich schon Jahre vom Café Glocksee gehört und war nun das erste mal dort; man schafft es ja nur so schwer, die gewohnte Umgebung zu verlassen – soziale Verpflichtungen, meine Geneigte Leserschaft wird das verstehen.
Heerscharen von durchgebibberten Rauchern auf dem spiegelglatten Hof. Meine Güte, ihr habt es auch nicht leicht – denke ich, und grinse vielleicht ganz dezent vor mich hin – nicht, dass ich noch meine rauchenden KommentatorInnen dumm von der Seite anschreibe, bevor ich überhaupt an der Bar angekommen bin.
Dort angekommen, expertly hingesetzt, die in freundlichen Kreidebuchstaben an die Tafel gekritzelte Karte studiert, Cider gefunden und erfreut bestellt. Die Bedienung scheint so viel freundliches Lächeln auf Lager zu haben wie Tattoos und sie ist lückenlos illustriert, soweit ich sehen kann und ich sehe eine Menge. Das Zeug in der Flasche – es ist “Strongbow” – erinnert mich an England und wie immer muss ich daran denken, dass ich bald wieder hinfahren sollte, nur nicht allein und das denke ich schon 8, 10 Jahre? Lange jedenfalls. Der erste Schluck ist wie immer etwas laff, aber dann passt es. Das fängt ja gut an. Mein Fahrer gibt mir seine Jacke zum bewachen und geht tanzen, ich nehme noch einen Schluck, stütze die Theke lässig mit meinem starken Rücken ab und schaue mich um.
Das Volk ist ganz schön jung und es gibt mehr teure Streetwear und Schminke als ich erwartet habe, dafür ist es eine bunte Mischung von Typen, das ist fast immer gut, weil es die Sache entspannter macht. Die Musik ist gut aber auch nichts Neues, Indietronic; man tanzt unter Raumschiffen. Meinen Fahrer sehe ich nach wenigen Minuten nicht mehr und ich beginne, einfach zuzuschauen und zuzuhören. Vor einem Jahr würde nun nun deprimiert werden und spontan und akut vereinsamen, aber heute … bin ich immer noch Single, immer noch nicht stinkreich und immer noch kein erfolgreicher Romancier. Es ist trotzdem in Ordnung, ich habe mehr als all die Spinner hier und anderswo verstehen können; ich habe noch nie so in mir geruht, ohne wirklich zufrieden zu sein. Fühlt sich gut an.
Neben mir steht stützt sich einer auf der Theke, der ist schon älter, außerdem dick und wacklig. Die ältere angefaltete Frau hinter der Theke redet auf ihn ein, er nickt ganz leicht und sinkt etwas in sich zusammen. Ich bin froh, kein Wort mitzubekommen. Dann gibt sie ihm ein Bier, sein mühsam zusammengesuchtes Kleingeld nimmt sie nicht. Er schwankt sehr langsam zur Musik. Als ich mich später wieder zu ihm drehe, ist er schon weg.
Teenager sind da, die so derb auf underground und understatement geschminkt sind, dass sie nur noch einen Kussmund hinbekommen, ihre Mimik ist schmollbetoniert und sie tragen alle dieselben Frisuren und Klamotten von H&M; überall ist es dasselbe. Das beruhigt mich irgendwie.
Exotische Situation ist das inzwischen für mich, niemand begrüßt mich hier, keiner hinter der Theke, den ich irgendwie kenne. Keine kostenlosen Getränke auch, aber die Preise sind fair. Ich mag schrecklich trinken, aber dafür bin ich klar zu allein. Geht schon.
Da ist ein Paar, das sich angefuselt auf mich lehnt. Sie ist wundervoll, sie überstrahlt die Musik – eine große Frau mit romantischer Nase; nicht mein Typ, aber das hindert sie nicht am strahlen. Sie kuschelt sich an einen Typen mit kalkuliert schiefsitzender Burberry (das steht drauf) Mütze. Er ist irgendwie überwältigt und zeigt Fluchttendenzen. Du hast keine Ahnung, wie glücklich du gerade bist, Mann.
Ich denke an warme Lippen auf meinen rissigen und ich bin plötzlich anderswo.
Schlagworte: ausgehen, Bar, Cafe Glocksee, Theke
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