Rudelschreiber

Gestern habe ich eine gute Stunde zusammen mit einer guten Freundin zusammen auf einem Sofa zusammen geschrieben; ich an einem meiner nur ganz langsam wachsenden Dauerprojekte, sie an einem Essay. Es war nur ein gedachtes Sofa; es waren tatsächlich mehr als nur ein paar Kilometer zwischen uns. Trotzdem fühlte es sich so an und es gefiel mir, hin und wieder eine Zeile vorzulegen und sich eine Meinung einzuholen, vielleicht sogar etwas Lob.

Ich habe lange Zeit gedacht, dass ich ein Einzelgänger wäre, (nicht nur) was das schreiben angeht, dass ich Ruhe und einen abgedunkelten Raum bräuchte. Das ist eine blöde Idee gewesen, man muss rausgehen und etwas tun und erleben, sonst wird das Geschreibsel blutleer oder schlimmer, seelenleer oder so. Mir fällt da kein besserer Begriff mehr zu ein, fürchte ich. Verbitterte Autoren mag ich nicht, ich glaube das wird man aber irgendwann sein, wenn man sich einsperrt oder den Mut verliert.  Soweit also das; ich war aber davon überzeugt, dass ich – wenn es dann an die feierliche Niederschrift geht – auf gar keinen Fall abgelenkt werden darf. Komischerweise bin ich aber nun etwas besseren belehrt worden: Ich bin abgelenkt besser. Wenn es die richtige Ablenkung ist, versteht sich.

Ich habe noch nie etwas mit jemandem zusammen am selben Projekt gearbeitet und ich wüsste eigentlich auch nur eine Person, mit der ich mir das vorstellen könnte; aber mit jemandem im selben Haus, im selben Raum, auf demselben Sofa und denselben Hund auf dem Teppich davor – das finde ich plötzlich richtig erfreulich und inspirierend.

Nun gerade bin ich wieder virtuell allein und kriege beim besten Willen keinen ordentlichen Satz zusammen; so schnell hat man sich selbst verwöhnt.

3 Kommentare

  1. Dann müssen wir eben auf die erprobte Weise weitermachen. Würd ich sagen.
    Fänd ich auch gar nicht so schlimm ;)

  2. Darf ich hier mal eine Kontaktanzeige aufgeben?

    “Suche freundlichen Menschen, der mir beim Schreiben meiner Zulassungsarbeit und diverser Essays virtuell Gesellschaft leistet und mir dabei wahlweise nach Bedarf in den Hintern tritt oder sagt, dass alles schon gut und rechtzeitig fertig sein wird.”