Endlich bin ich mal wieder unter Leute gekommen, meine Hustenanfälle waren zurückgegangen und ich durfte hoffen, mich mit etwas Glück unerkannt unter Nichterkälteten bewegen zu können.
Wie immer nach längerer Abwesenheit fragte ich mich nach den ersten 20 Minuten, ob ich nicht vielleicht völlig fehl am Platze war. Ich hatte nicht einmal eine auffällige Frisur, dabei ist es doch das, womit man in dieser Szene scheinbar sein persönliches Statement an die Öffentlichkeit trägt. Zwar ist es immer dasselbe Statement – “Ich bin anders! Schaut her, meine Haare!“, aber meine Frisur hat der Welt leider überhaupt gar nichts zu sagen. Kein Wunder, dass man sich da minderwertig vorkommt – böse Zungen behaupten, ich hätte gar keine Frisur, sondern nur schlichtes Haar.
Sie hatten in meiner Abwesenheit umgebaut. Ich ziehe es vor, dass meine bevorzugten Ort sich niemals ändern, weil ich immer Monate und manchmal Jahre brauche, um mich neu an sie zu gewöhnen, oft gelingt es mir nie und ich muss dann leider wegbleiben.Die Neuerung: Eine großartige Maßnahme zum Nichtraucherschutz1. Da scheut man weder Kosten noch Aufwand:
Man hat einfach eine Glaswand mitten durch den Saal gezogen. Mit einer Glastür, auf der “Raucherbereich. Bitte geschlossen halten” steht. Ich habe beschlossen, diese Tür “Checkpoint Charlie” zu nennen.
Für mich ist diese Entscheidung ein Geniestreich. Man bedenke die Alternativen, die gerüchteweise im Gespräch waren:
- Eine Überdachung vor dem Eingang. (Wirksamer Nichtraucherschutz, unglückliche und verkühlte Raucher)
- Gar nichts, einfach nur ein Schild mit “Bitte nicht rauchen”. (Exakt dieselbe Wirkung. Die Leute kommen aber trotzdem. Wetten?).
Man bedenke, wie großartig sich die heutige Lösung dagegen ausnimmt. Von außen sieht der Raucherbereich aus, als hätte jemand großzügig Kunstnebel hineingepumpt. Die Besoffenen rennen schwungvoll vor die Glaswand – nennen wir sie “Anti-Nikotin-Schutzwall” – und unterhalten die Nüchternen genauso wie ihre Freunde. Eine spaßige und so bewährte wie deutsche Lösung. Herzlichen Glückwunsch dazu, Forum! Ich verneige mich in Ehrfurcht vor dieser wirksamen2 Maßnahme.
Ich bin nicht so recht fähig, mich an der Theke bevorteilen zu lassen, vor allen wenn es unabsichtlich geschieht und sich die Bedienung zu meinem Gunsten verrechnet. Erst recht bei der sehr, sehr hübschen Bedienung. “Du bist sehr ehrlich”, murmelt sie zu mir und huscht weg. Ich mag den Gedanken, dass sie später hin und wieder zu mir herüber gelächelt hat. Vielleicht habe ich mir das nur eingebildet, egal – ich fühlte mich gar nicht schlecht dabei.
- Zugegeben: Ich bin ganz froh, wenn ich nicht total durchgeräuchert nach Hause komme. Einzelne Raucher sind für mich aber überhaupt kein Problem. Ich kann auch Raucherinnenküsse toll finden, ehrlich. Kommt auf die Raucherin an. [↩]
- Komischerweise bin ich selten so durchgeräuchert nach Hause gekommen wie nach dieser Nacht. Hmmm. [↩]

*kicher*
Der Anti-Nikotin-Wall mit Checkpint Charlie… Und die Raucher drinnen kommen sich vor wie die Affen im Zoo oder so.
Auf was für Ideen die Welt so kommt *Kopf schüttel*