April 2009

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Majordomus

Als ich eingeschult wurde, wurde der uralte Hausmeister schnell mein Held der grauenhaften Grundschulzeit. Nicht nur konnte er alles reparieren, nein – er holte auch die geschickt verschossenen Bälle vom undichten Flachdach und war immer, immer freundlich und fair. Für uns Kinder war er der heimliche Herrscher der Lehranstalt, sein grauer Hut die Krone, der graue Kittel sein prächtiges Gewand, Insignia seiner heimlichen Herrschaft. Er sah aus wie mein Opa, er hatte nur eine andere Haarfarbe. Die gefürchtete Direktorin hingegen war der erste Grund für meine Vorbehalte gegenüber Lehrern. Sie hatte üblen Mundgeruch, aber das war noch lange nicht alles. Wir glaubten, sie könne Kinder noch weniger als andere Menschen leiden, weil diese sie andauernd beim unterrichten stören könnten. Dabei unterrichtete sie so gut wie nie.

Der nächste Hausmeister auf dem Gymnasium war anders, aber ganz klar der lockerste Typ auf dem Gelände. Einer der nie einen von uns verpetzen würde. Solange er auch sein Bier bekam, nachdem er eine von unseren geheimen Fahrradkeller-Parties entdeckt hatte. Er hatte keinen Hut, dafür einen Bart und den Kittelornat konnte er natürlich auch vorweisen.

Mit der Zeit verblassen einige Vorurteile, wie die über Lehrer, aber wohl auch einige Archetypen: Es gibt wohl keine freundlichen, allmächtigen Hausmeister in grauen Kitteln mehr. Die sind von glatten Typen ersetzt worden, die von Asset Management Agencies oder Objebtmanagementbüros aus agieren und damit beschäftigt sind, möglichst keine Handwerker zu organisieren, um Mängel zu beseitigen. Sie wissen genau, warum sie nicht selbst im Haus wohnen, sondern lieber in Hannover oder Berlin nicht telefonisch erreichbar sind, anstelle nur hinter einer eintretbaren Tür verschanzt.

Tatsächlich gibt es für den Sozialarbeiter kaum eine größere Nemesis als den durchschnittlichen Asset Manager. Nicht nur, dass ich beinahe mal von einem erwürgt worden bin; allein schon der übliche Papierkrieg kann einen normalen Menschen und sogar den einen oder anderen Weblogschreiber der Verzweiflung nah und näher bringen. Ich habe einmal geglaubt, dass es gegen eine einfache, wiederholte Aufforderung wie “Die Fenster meiner Klienten sind undicht, tun sie was dagegen!” kaum Argumente gäbe. Damals glaubte ich auch noch, dass die Aufgabe dieser Leute heute noch darin bestünde, Missstände zügig zu beseitigen – tatsächlich ist heute oft das Gegenteil der Fall, vor allem in den üblen Gemäuern, in denen ich zu tun habe. Man muss ja überall sparen, Herr Gorgmorg. Sie müssen das verstehen. Das Material ist nicht leicht zu kriegen. Termine mit den Handwerkern, die müssen sie erstmal machen, das ist nicht leicht. Das kann Jahre so weiter gehen. Nun gut, hilft man eben beim Mahnungen schreiben und rät irgendwann zum Anwalt. Oder zum Umzug in die nächste Bruchbude.

Oder die Sache mit der verschimmelten Wand, die für die neu eingezogene WG flott übergestrichen wurde. Schauen Sie mal, wir haben sogar schon einen Anstrich gemacht.

Oder dass man ja sehr gern Aktionen für Kinder auf diesem Gelände erlauben würde, nun ja, wenn – wenn! – immerhin haben Sie ja Einfluss, denke ich, Herr Gorgmorg – dafür gesorgt würde, dass die Stadt ein paar mehr HartzIV-Leute in die Bruchbude weiterempfiehlt. Komischerweise scheint diese die entsprechende Anfragen des flott beschlipsten Asset Managers zu ignorieren. Ich fragte mich, ob der jemals das Objekt betreten hat. So ganz persönlich. Der hat, wenn überhaupt, outgesourcete Objektbetreter, die gegebenenfalls zur Betretung beauftragt werden. Asset Inspectors.

Ich will die Hausmeister zurück haben. Die im Kittel. Am besten mit Hut.

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OffOnOff

Ich bin morgens… fürchterlich müde, dann gehe ich arbeiten. Sofort sprühe ich vor Energie; ich weiß gar nicht, woher die kommen soll. Ich komme nach Hause und schaffe es gerade noch zu essen und alles für die Arbeit des nächsten Tages vorzubereiten. Direkt danach bin ich … fürchterlich müde und kaum noch zu einer intellektuellen Tätigkeit fähig – es geht nicht so weit mit der Lethargie, dass ich Rüdiger Hoffmann oder Ingo Oschmann ertragen könnte. Nein, noch bin ich nicht hirntot (Soweit ich weiß). Aber ich sehe bereits regelmäßig fern.

All das wäre nicht schlimm, wenn ich mich nicht nach ein, zwei gelesenen Seiten schon ins Reich der Träume verabschieden würde. Das gibt sich hoffentlich mit der Zeit.

Ich vermisse Bücher.

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Ich denke, die meisten von uns haben schon einmal einen Schlüssel verloren – und ich nehme auch an, es war immer eine reichlich unangenehme Sache, eine Einschätzung die ich persönlich sehr gut nachvollziehen kann, weil es mir selbst nicht gerade selten selbst passiert ist.

Allerdings kann ich noch einen drauflegen: Ich habe vor ein paar Tagen das Türschloss meines Gorgmobils verloren. Oder besser: Ich habe es auf der Flucht gestellt, als ich gerade vom Bäcker kam. Halb hatte sich die feige Mechanik bereits aus ihrem angestammten Refugium geschoben und war im Begriff, den entscheidenden Sprung in die Freiheit zu wagen. Die Passanten haben ganz schön geglotzt, nicht ansatzweise so sehr wie damals, als ich an einem denkwürdigen Abend den linken Vorderreifen verloren hatte. Aber immerhin.

Nun gut, die Reparatur war nicht teuer und inzwischen kann ich auch wieder ordnungsgemäß aufschließen, ohne jedes Mal auf die Beifahrerseite flitzen zu müssen.

Ich mache mir allerdings trotzdem Gedanken über die Auflösungstendenzen meines Fahrzeugs. Was verlässt mich wohl als Nächstes im unpassendsten Moment? Der Motor etwa? Oder der Fahrersitz?

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Die Band sieht mitgenommen aus, kein Wunder, die haben sich vor 30 Jahren gegründet. Aber es klingt gut, als sie mit einem dieser klassischen Pulp Fiction Surfgitarren-Instrumentals loslegen, das hat was, es hat den Twäng in den Gitarren. Ich bin müde und beginne mich mit einem nicht unangenehmen Abend abzufinden. Das wird schon ganz ok vonstatten gehen. War ja nicht teuer.

Der Sänger ist nicht gut bei Stimme oder der Mischer hat sich vertan, kaum versteht man etwas und das was man versteht klingt kraftlos und heiser. Aber, hey, spielen kann das Trio. Ich wippe etwas mit, wie man das eben so tut, wenn die Hauptband angefangen hat. Man hat für die bezahlt und wird sich nun amüsieren, verdammt nochmal. Das Volk sammelt sich vor der Bühne und hält den magischen Sicherheitsabstand zu den Musikern. Warum stellt man sich eigentlich immer so weit weg? Es ist überall genauso infernalisch laut.

Es ist der vierte Song oder so. Der Schlagzeuger wirft sein bereits durchgeschwitzes Hemd weg, der Sänger sagt das nächste Stück an, lächelt und dann ist er da, die Stimme dringt durch die Instrumente wie Fernlicht durch Nebel und das Publikum johlt begeistert mit, der Funke ist da und die Hölle ist da. Vor der Bühne bildet sich eine Rutschbahn aus Bier, Schmutz und Scherben für die schwitzigen Frontkämpfer. Man schubst sich munter und wenig sanft durch die Gegend, Pogo.

Die alten Gäste stehen am Rand und lächeln sanft und zufrieden, während sie ihr Jever trinken; die alten Helden können es noch. Das wollten sie sehen, eine Bestätigung, etwas Gutes aus der Vergangenheit, das nicht verschwunden oder zu etwas furchtbar traurigem ausgeblichen ist.

Es wird lauter, die Band spielt die alten Sachen aus der Punkvergangenheit; ich schwitze auch. Die Musik ist aggressiv aber freundlich, alle lächeln, singen mit; die übersteuernden Boxen treiben mir die Sorgen aus dem Gehirn, die mich seit Wochen nicht mehr ruhig schlafen lassen, nein, es ist nicht die Arbeit, nein, es ist jemand und nein, ich weiss nicht, ach, dann ist es weg und ich tanze und ich mache seltsame Gesten, wie die anderen sie auch machen, weil sich das so gehört, weil das so muss, gerade jetzt. Eins mit der Masse, mit den Typen in komischen Kappen, den freundlichen Skinheadriesen und den verkarsteten Gestalten, die an der einen Säule lehnen.

Man vergisst wie viele Songs man eigentlich gehört hat und dann ist es doch vorbei, die Zugabe auch und dann ist man schon wieder unterwegs und die Straßenschildern fliegen vorbei und ich sehe den Namen ihrer Stadt und wie weit sie fort ist.

Was machst du wohl gerade, denke ich. Und: Vergiss mich nicht.

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Manche essbaren Sachen heben meine Stimmung, so zum Beispiel Sushi oder in seltenen Fällen weiße Schokolade, oft auch frische Pasta (nicht die mit weißer Soße, das ist mehr was für andere Situationen)  – aber es gibt auch deprimierendes Futter. Wie der Falsche Hase, den ich vor ein paar Tagen gegessen habe. Allein schon die Farbe… dieses graubraun. Und der Geschmack – nicht dass das Zeug nicht schmeckt, es betrübt mich nur zutiefst.
Nebenbei, Grüner Tee mit künstlichem Karamell-Aroma ist fast genauso desorientierend eklig.

*

Den Namen der “Ein ♥ für Blogs” Aktion finde ich immer noch ein klein wenig albern, aber ich kann nicht sagen, dass sie wirkungslos gewesen wäre: Ich habe mehr als nur eine Handvoll mehr Besucher gehabt und wenn ich so meine Statistiken anschaue, dann haben die wohl auch ganz gern meine Empfehlungen beachtet und fleißig meine Lieblingsblogs besucht. Danke dafür und – last but not least – auch denen (ich glaube, es waren drei?), die mich selbst empfohlen haben. Ich fühle mich geehrt.
Und ich habe vielleicht auch ein paar neue Perlen gefunden.

*

Dieses muss das Jahr der Wasserschäden sein. Erst tropfte es mysteriös hinterm Küchenschrank und sinnvoll auf die Topfpflanze, dann kam der Leckfinder1, nun hämmert und sägt jemand unsanft gegen die Fliesen im Bad an und dann kommen neue Fliesen, neue Anstriche und um die hinterrücks angefeuchteten Küchenschränke muss sich auch jemand kümmern. Mit mehr Wasserschäden könnte man ganz bestimmt bald Vollbeschäftigung erreichen. Gegen die Krise!

  1. Tja, Leute, so etwas gibt es auch []

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Gesalzen

gradierwerk.jpgWenn ich hier schon von Bädern und Kurorten umzingelt mein Dasein friste, dann könnte ich sie ja wohl auch mal nutzen,um mir endlich mal den Husten vollständig auszukurieren, dachte mich mir und steuerte die nächstbeste Saline ein. Das bedeutet – extem salzhaltiges Wasser aus den lokalen Quellen wird über ein Gradierwerk (eine Art künstlicher,  toter Hecke aus Schwarzdornreisig) gegossen und macht die Luft salzig. So eine Art hausgemachtes Seeklima für das flache Land.

Außerdem riecht das Zeug auch ziemlich stark nach Schwefel – nach faulen Eiern also; so soll ja angeblich auch Hölle stinken, die sich allerdings stark in anderen Aspekten wie Temperatur und Luftfeuchtigkeit unterscheiden sollte. Ich kenne mich da nicht recht aus, ich bin ja nicht katholisch und somit Laie.

Man geht fleissig heilend ein paar mal um das Gradierwerk herum und atmet im Idealfall munter durch, ohne sich allzusehr durch salzbedingte Hustenanfälle1 ablenken zu lassen.

Das wirkt ja gar nicht, denkst du dir. Ist ja auch nur Luft, wie sonst auch.

Bis dir bereits auf dem Parkplatz der Mief der gar nicht mal so nahen Hauptstraße in die Lungen steigt und du erstmal nach Sauerstoff ringst.

  1. Es handelt sich hier um gute Hustenanfälle. []

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