Als ich eingeschult wurde, wurde der uralte Hausmeister schnell mein Held der grauenhaften Grundschulzeit. Nicht nur konnte er alles reparieren, nein – er holte auch die geschickt verschossenen Bälle vom undichten Flachdach und war immer, immer freundlich und fair. Für uns Kinder war er der heimliche Herrscher der Lehranstalt, sein grauer Hut die Krone, der graue Kittel sein prächtiges Gewand, Insignia seiner heimlichen Herrschaft. Er sah aus wie mein Opa, er hatte nur eine andere Haarfarbe. Die gefürchtete Direktorin hingegen war der erste Grund für meine Vorbehalte gegenüber Lehrern. Sie hatte üblen Mundgeruch, aber das war noch lange nicht alles. Wir glaubten, sie könne Kinder noch weniger als andere Menschen leiden, weil diese sie andauernd beim unterrichten stören könnten. Dabei unterrichtete sie so gut wie nie.
Der nächste Hausmeister auf dem Gymnasium war anders, aber ganz klar der lockerste Typ auf dem Gelände. Einer der nie einen von uns verpetzen würde. Solange er auch sein Bier bekam, nachdem er eine von unseren geheimen Fahrradkeller-Parties entdeckt hatte. Er hatte keinen Hut, dafür einen Bart und den Kittelornat konnte er natürlich auch vorweisen.
Mit der Zeit verblassen einige Vorurteile, wie die über Lehrer, aber wohl auch einige Archetypen: Es gibt wohl keine freundlichen, allmächtigen Hausmeister in grauen Kitteln mehr. Die sind von glatten Typen ersetzt worden, die von Asset Management Agencies oder Objebtmanagementbüros aus agieren und damit beschäftigt sind, möglichst keine Handwerker zu organisieren, um Mängel zu beseitigen. Sie wissen genau, warum sie nicht selbst im Haus wohnen, sondern lieber in Hannover oder Berlin nicht telefonisch erreichbar sind, anstelle nur hinter einer eintretbaren Tür verschanzt.
Tatsächlich gibt es für den Sozialarbeiter kaum eine größere Nemesis als den durchschnittlichen Asset Manager. Nicht nur, dass ich beinahe mal von einem erwürgt worden bin; allein schon der übliche Papierkrieg kann einen normalen Menschen und sogar den einen oder anderen Weblogschreiber der Verzweiflung nah und näher bringen. Ich habe einmal geglaubt, dass es gegen eine einfache, wiederholte Aufforderung wie “Die Fenster meiner Klienten sind undicht, tun sie was dagegen!” kaum Argumente gäbe. Damals glaubte ich auch noch, dass die Aufgabe dieser Leute heute noch darin bestünde, Missstände zügig zu beseitigen – tatsächlich ist heute oft das Gegenteil der Fall, vor allem in den üblen Gemäuern, in denen ich zu tun habe. Man muss ja überall sparen, Herr Gorgmorg. Sie müssen das verstehen. Das Material ist nicht leicht zu kriegen. Termine mit den Handwerkern, die müssen sie erstmal machen, das ist nicht leicht. Das kann Jahre so weiter gehen. Nun gut, hilft man eben beim Mahnungen schreiben und rät irgendwann zum Anwalt. Oder zum Umzug in die nächste Bruchbude.
Oder die Sache mit der verschimmelten Wand, die für die neu eingezogene WG flott übergestrichen wurde. Schauen Sie mal, wir haben sogar schon einen Anstrich gemacht.
Oder dass man ja sehr gern Aktionen für Kinder auf diesem Gelände erlauben würde, nun ja, wenn – wenn! – immerhin haben Sie ja Einfluss, denke ich, Herr Gorgmorg – dafür gesorgt würde, dass die Stadt ein paar mehr HartzIV-Leute in die Bruchbude weiterempfiehlt. Komischerweise scheint diese die entsprechende Anfragen des flott beschlipsten Asset Managers zu ignorieren. Ich fragte mich, ob der jemals das Objekt betreten hat. So ganz persönlich. Der hat, wenn überhaupt, outgesourcete Objektbetreter, die gegebenenfalls zur Betretung beauftragt werden. Asset Inspectors.
Ich will die Hausmeister zurück haben. Die im Kittel. Am besten mit Hut.



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