Jemand hatte offenbar eine verkratzte Scheibe Plexiglas vor den Halbmond montiert, so dass er nur unscharf zu sehen war und ein milchiges Licht in die Straße hinabschickte, die ich entlanglief. Ich wollte eigentlich nur schnell zu Geldautomaten und beeilte mich, nicht zuletzt weil es entschieden kälter als erwartet geworden war.
Rufe von weit her sind ja nichts Ungewöhnliches, selbst gegen Mitternacht. Zuerst dachte ich, der übliche später Beziehungsstreit wäre im Gange, aber das Gebrüll näherte sich. Ich ging schneller; das hatte mir gerade noch gefehlt. Für den durchschnittlichen alkoholbefeuerten öffentliche Ehezank scheine ich einen seltsamen Magnetismis zu haben; er sucht gern in meine unmittelbare Nähe, um dort zu detonieren.
“Hannaaaa!”
“Hannaaaa! Wo bist du?”
Es kam näher. Der Schreihals war schon ordentlich heiser.
“Komm raus, bitte?”
Näher. Nun konnte ich ihn sehen – ein Typ mit Mütze und einer Art modischem Doppelripphemd. Er schwankte weniger, als ich erwartet hatte.
“Versteck dich doch nicht. Ich such dich schon so lange. Hannaaaa!”
Er schluchzte leise und tat mir gleich leid. Vielleicht hatte er sich auch nur geräuspert und versucht seine Stimme wieder in Schwung zu bringen, nach all dem Geschrei; für mich klang es traurig. Vermutlich empfanden die Anwohner deutlich weniger Mitgefühl, schließlich hatte ihre Nachtruhe sicher ein jähes Ende gefunden.
“Ich liebe dich doch.”
Er holte keuchend Luft.
“Ich habs echt nicht so gemeint.”
Drehte nach rechts und beschaute sich das Gebübsch am Wegesrand.
“Hannaaa! Bitte. Komm raus.”
Und dann war er an mir vorbei gewankt, bog um die Ecke und war nicht mehr zu sehen.
“Hannnaaa!”, leiser.

Damals, vor jeden Auftritt “two grams of biker speed, five tabs of LSD and as much grass as could be inhaled.” – der bekannte Gesundheitsapostel und
Ich weiß, ich weiß – 
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