Chris und Frank

Chris sitzt auf der Lehne der Parkbank, Frank begnügt sich mit der Sitzfläche. Gerade hat er sich die Beziehungsprobleme seines besten Kumpels angehört, wie es alle paar Wochen üblich ist.

Chris:”Was meinst du, gibt es wahre Liebe? Ich glaube nicht mehr dran. Irgendwie ist da der Wurm drin bei mir. Du hast es irgendwie besser, finde ich. Bist solo, hast mal Affairen…”

Frank schaut ihn lange an, dann holt er kurz Luft.

Er will sagen, wie glücklich Chris sein kann, dass er seine Irene hat, auch wenn sie nicht nicht die große Liebe ist und dass er sie gern hat und dass sie ihn lieb hat. Wie froh er sein kann, dass er so etwas wie wahre Liebe nicht kennt. Weil er sie kennt, die wahre Liebe. Wie es ist, wenn es egal ist, ob sie ihn zurückliebt, wie sie nicht daran schuld ist und er ihr nicht böse sein kann deswegen – wie könnte er auch, schließlich liebt er sie ja, egal was kommt – wie er sich schämt dafür, ihr eine Belastung zu sein, wie er sich dafür hasst, was aus ihm geworden ist, ein Wrack, ein lächerliches, leeres, kaltes Ding für alle anderen außer ihr, die er so lange nicht mehr gesehen hat. All die Jahre lang. Wie leicht es ihm fällt, eine aufzureißen, wie er ihm nicht stehen will, wenn sie dann bei ihr zuhause angekommen sind, wie er flüchtet, wenn er sie trotz aller Vorsichtsmaßnahmen gern hat. Was er für ein verdammtes Arschloch geworden ist. Was für eine verdammte Krankheit Wahre Liebe ist. Wie jeder Gedanke an ihren Namen, ach, genug von all dem. Es zieht sich zusammen in seiner Brust, das vertraute Gefühl. Er überlegt zu sagen, wie sich das anfühlt und wie es ist, wenn sie sich meldet, trotz alledem.

Aber er spricht sowieso nichts davon aus. Stattdessen klopft er Chris einfach auf die Schulter.

“Ne. Ach, ne. Glaub ich nicht so recht dran. Ich hol gleich zwei Bier für jeden, okay?”

Als Frank sich zum Kiosk aufmacht, atmet er tief durch. Er braucht nur noch einen Moment, um den Kloß im Hals herunterzuschlucken. Als er mit dem Bier zurückkehrt, lächelt er bereits wieder. Überzeugend genug.

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Ein Kommentar

  1. Mayla’s avatar

    Da hat dich aber schon eine Muse geküsst… vielleicht nicht die eine… aber ich habe es genossen zu lesen…. Danke!

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