Juni 2009

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Ganz nebenan

Ich kann nicht nicht darüber schreiben.

Eben wollte ich noch zu einem Termin fahren, dann klingelte das Telefon und ich sagte den Termin gleich wieder ab.  Das ist eine Stunde her. Der Mann für den in den letzten Jahren immer wieder mehr oder weniger motiviert alle möglichen Dinge in Ebay gestellt habe, der ist tot. Er hat sich umgebracht, heute morgen.

Vor nicht einmal einer Woche war ich noch bei ihm und wir haben uns über die Zukunft unterhalten, über all die Probleme die es so gab; das waren nicht wenige. Er hat mich gefragt, ob ich noch etwas bleiben wollte; ich mußte aber los. Sagte ich jedenfalls.

Heute morgen ist er in den Garten gegangen und hat sich angezündet.

Ich frage mich nicht warum, ich frage mich: Warum auf diese Weise?

Die Kommentare schalte ich für diesen Beitrag ab; auf andere Weise mag ich gern darüber reden. Ihr wisst, wie ihr mich erreichen könnt.

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Altpapier

IMG00040-20090629-1255.jpgIch habe ein Problem damit, mich von alten Sachen zu trennen; die ganzen alten Zeitschriftensammlungen aus meiner Spielerzeit lagen schon so lange auf dem Boden meiner Eltern, dass ich sie fast vergessen hatte. Trotzdem war es undenkbar für mich, sich von ihnen zu trennen. Man bedenke nur die unersetzlichen Möglichkeiten zur Recherche! Die Erinnerungen!

Damals hat man die Hefte ja nicht nur einmal gelesen, sie wurden sorgsam in Kartons untergebracht und hin und wieder – besonders bei den sehr alten Ausgaben – wie Reliquien hervorgeholt und manchmal zum Angeben bei ähnlich verblendeten Freunden eingesetzt. “Ja, ich habe noch die ASM, in der das Teil mal getestet wurde…”

Ich habe sie eben zusammengeschnürt und mit der grünen Tonne zu abholen hingestellt. Wenn ich mich daran erinnere, wie oft ich mich mit meiner Mutter über meine archivarischen Meinungen gezankt habe und sie dann mal wieder heimlich einen guten Teil besonders verstaubter Originale vernichtet hat1, dann fällt es mir erstaunlich leicht. Ich bin einfach kein richtiger Gamer mehr, und ich habe inzwischen ein paar bessere Erinnerungen und bessere just Causes, für die es sich lohnt, vielleicht ein klein wenig emotional zu sein. Vielleicht hat das auch etwas mit Erwachsenwerden zu tun. Verdammt.

Nun ja: Die Müllabfuhr hat die Päckchen nicht mitgenommen. Ich trag’ sie dann mal wieder rein.

  1. was ich erst Jahre später bemerken würde []

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Na gut, jetzt kann ich es ja sagen: Ich habe Michael Jackson nie gemocht. Genauer gesagt habe ich seine Musik nie gemocht; ihn kannte ich ja nicht. Diese seltsamen Quietschlaute und all die Tanzerei, ne, das musste ich nicht sein. “Bad” war das Album, das mir zuerst bewusst aufgefallen war, auch wenn natürlich die Singles von “Thriller” dauernd im Radio liefen, als ich noch ein Kind war. Aber da hatte ich ihn nicht damit in Verbindung gebracht. Irgendwie habe ich ihm das “Bad” Cover und das Video nie abgenommen – der sah gar nicht gefährlich aus. Ich wusste nicht, was ich von dem Typen halten sollte.

Trotzdem konnte einem Jackson einfach nicht egal sein, denn beinahe alle Leute um mich herum hatten entweder einen ausgeprägten Hass auf “Michael!” oder verehrten ihn wie eine Art Messias. Keiner nannte ihn “Jacko” – “Michael” ohne Ausrufungszeichen konnte zu dieser Zeit aber auch David Hasselhoff alias Michael Knight bedeuten. Bei dem war ich mir auch nicht sicher, ob ich ihn cool finden sollte oder nicht1.

Leute kamen von den Konzerten und waren verändert, vielleicht hatte man sie auch gegen JacksonBots ausgetauscht. Sie wären sicher gern im Moonwalk zur Schule getanzt, wenn man sie gelassen hätte.

Ein paar Jahre später fing man dann an, sich über den seltsamen Jackson und seine seltsamen Fans lustig zu machen, das war noch vor dieser üblen Sache mit den Kindern. Ich war es einfach bald leid, von ihm zu hören und zu lesen, aber es gab kein Entkommen. Die Musik wurde außerdem nicht gerade besser – das machte die Situation nicht einfacher. Trotzdem:

Ich bin ziemlich sicher, dass es nie wieder einen wie ihn geben wird.

  1. Ich entschied mich für das Auto []

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"Mit Jod S11 Körnchen" - natürlich! Mausermenü schien mir für meine Haarentwicklung am sinnvollsten.

Wo sind denn heute die Jod S11 Körnchen? Mausermenü ist für Männer meines Alters wohl ideal.

Meine fürsorgliche Ärztin hat mich genötigt, versuchsweise für ein paar Wochen Jodtabletten einzunehmen. Jod. Von allen Dingen! Das Zeug ist doch schon im Salz! Tupft das nicht jeder einigermaßen glaubwürdige Doc  in schmerzhafter Weise auf Wunden1, jedenfalls in jedem guten Western, wenn es nicht zum Klassiker “Ich brauche heißes Wasser und ein paar saubere Tücher” gereicht hat?

Jod ist voller Assoziationen für jedes Kind der 80er und frühen 90er.

Man denke nur weiter, an Tschernobyl. Reaktorkatastrophe. Damals, als unser Wortschatz  um den Begriff “Super-GAU” bereichert wurde, damals, als Mama und Papa bei jeden Regenfall panisch die Kinder ins Haus schleifte, damals als Jodtabletten im Handumdrehen ausverkauft waren, weil jedermann die Schilddrüsen seiner Lieben gegen das radioaktive Jod aus der Ukraine vorsorglich mit harmlosem westlichen Jod sättigen wollte. Fieses Zeug war das, genau wie seine Kumpel Strontium-90 und Cäsium-137.

Ich verstand das nicht. Jod war doch gesund! Das war doch sogar in dem Vogelfutter, das unsere Wellensittiche offenbar ohne größere Beeinträchtigungen verdrückten. Damals hatte jede zweite Familie einen der kleinen Lärmquellen; die Snobs hielten sich Nymphensittiche, die Angeber ein Paar Unzertrennliche.

Jod-S112 war im meistbeworbenen Futter das Kaufargument: “Damit euer Sittich lange lebt.”, mahnte die Werbung. Natürlich wollte man seinen Liebling nicht mit den falschen Körnern schleichend dahinsiechen lassen und so zu einem frühen Ende verhelfen, oder – noch schlimmer – die besorgten Kinder weiter besorgt  und quengelig weiterleben lassen.  Ob vielleicht  ein Konkurrenzprodukt mit “Cäsium S-137 Körnchen”  eine Chance gehabt hätte?  Man weiß es nicht – eine weitere vergebene Chance auf Ruhm und Reichtum. Wäre ich doch nur damals schon alt genug gewesen, um ein weltumspannendes Vogelfutterimperium aufzuziehen!

Wenn ich mir aber mal die Slogans der Marke anschaue, dann wird mir klar dass ich wieder einmal all meine Erinnerungen durcheinander gebracht habe; das S11 wurde erst 2003 an das Jod des lebensspendenden heiligen Grals der Körnermischungen angenietet. Ich kann mich also beruhigen, ehrlich gesagt darf ich mich sogar freuen. Erstens kann ich nun stolz verkünden, die Bedeutung von “Trill” zu kennen:

“Trill heißt hüpfgesunde Sittiche.”

Heute darf ich mich zwar nicht mehr auf ein längeres Leben dank Jod einstellen (das hat man vorsichtshalber irgendwann nicht mehr in Aussicht gestellt), dafür aber winkt mir – zweitens – immerhin eine hüpfgesunde Existenz. Also, wenn das nichts ist…

… dann weiß ich es auch nicht.

  1. wenn man sie nicht mit Schießpulver ausgebrannt hat. []
  2. Natürlich weiß ich inzwischen, wofür das “S11″ steht – nämlich für “Schilddrüse” und “11 Mineralstoffe und Spurenelemente” . Ich war ziemlich enttäuscht. (via Placeboalarm) []

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Ich sitze auf dem Balkon und schaue über Gebüsch, Parkplatz und Felder. Die meisten Sachen habe ich schon erledigt; das was zu tun wäre ist auch nicht gerade umfangreich. Für den Moment ist die Ruhe erträglich. Zeit für einen zusammenhanglosen Beitrag.

*

All diese Themen, von Netzsperren über die Vorkommnisse im Irak – ich habe das Gefühl, dass von der Bloggeria so halb erwartet wird, dass ich darüber schreibe, egal ob ich nun einen blassen Schimmer von der Materie habe oder nicht. Einen gewissen Druck gibt es schon, seinen Twitteravatar nun schwarz1 oder grün2 zu färben – ach, nennen wir es nicht einfach Druck, nennen wir es Peer Pressure oder so: Die anderen Kinder tun es ja auch.

Auf sowas habe ich noch nie gut reagiert und das wird sich noch nie ändern. Sorry. Darum bin ich so ein populärer Charakter.

So einen unsäglichen “Zensursula Song”3 werde ich niemals, niemals, niemals auf mein Blog packen, egal wie oft ich noch dazu aufgefordert werde. Ich habe keine Lust, das Thema zu verniedlichen. Das Ding nervt. Ach ja, ich will auch nicht spontan in die Piratenpartei eintreten. Danke.

Es bringt wenig, diese augenscheinlich ahnunglose und deswegen gefährliche, ansonsten eher lächerliche Familienministerin zu verniedlichen. Es wäre wichtiger, die Bevölkerung zu ändern, die diese Regierung ganz eindeutig gewählt hat und sich liebend gern in ihren Grundrechten einschränken lässt – Wenn es um die Kinder geht! Die Leute wollten die Netzsperren, egal wie unwirksam sie auch sein sollten. Die haben die Abstimmung im Schatten der Patientenverfügung überhaupt nicht mitbekommen – so ein Zufall, diese Terminfindung! Den “Killerspielen” wird es genauso gehen, spätestens beim nächsten Gewaltausbruch an irgend einer Schule; aber auch das werden eher die Anfänge einer ganz und gar beängstigenden Entwicklung sein. Die werden diese Farce einer Regierung wiederwählen – nicht trotzdem, sondern eher deswegen. Das ist meine Einschätzung, hoffentlich eine falsche.

*

Was den Iran angeht, fehlen mir einfach die Worte. Ich habe gute Freunde mit Wurzeln dort, teils direkt aus Teheran. Das geht mir zu nahe, natürlich fühle ich mich ‘solidarisch’ und … es fällt mir einfach schwer und ich lasse andere darüber schreiben, die es besser in Worte fassen können und teils so etwas wie Überblick über die Lage haben.

*

Es ist nicht leicht, den Medien zu folgen und trotzdem zu bloggen, ohne dabei wütend oder frustriert oder albern zu werden; scheinbar bin ich soeben selbst gescheitert. Ich lehne mich also zurück, schaue zu wie die Twitternachrichten eingehen, lese meine Feeds und werde ratloser.

Die Wolken von gestern sind weniger geworden, die Sonne kriecht über die Holzbänke und wärmt meine Haut.

Send to weblog.

  1. wegen dem schwarzen Tag für das Grundgesetz durch die Einführung der Netzsperren – ich sehe das übrigens genauso []
  2. aus Solidarität zur Bevölkerung des Iran – oder den Demonstranten? Hmm. Muss ich erst eine Suchmaschine meiner Wahl in Anspruch nehmen, um den Sinn dahinter zu verstehen? Ist es am Ende eher eine “ich fühl mich gut, ich bin ja solidarisch” Masturbation der Berufsbetroffenen? []
  3. Ich bin sicher, eine Suchmaschine eurer Wahl wird euch mit ihm bekannt machen. []

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Anschleichen an den Siegfriedplatz

Vor kurzem war ich wieder einmal auf dem Bielefelder Siegfriedplatz zu Gast; bekanntlich trifft sich dort die lokale Intelligenz, um die dort vorhandenen Ausschankstellen durch mitgebrachten Alkohol in den Ruin zu treiben und inspirierende Gespräche auf dem warmen Pflaster zu treffen. Daraus hat sich eine Art Ökoystem entwickelt, an dessen Ende die Flaschensammler anzusiedeln sind, die hinter dem Pfand her sind.

- “Opa, die auch?”
- “Ja, aber erst ordentlich ausgießen, wie ich dir das gezeigt habe… sehr schön. Kannst du noch eine tragen?”

Die Kleine war so drei Jahre alt. Ich kann Frauen so schlecht im Alter einschätzen.

- “Nimm noch zwei Flachen mit, dann haben wir mehr Platz im Kinderwagen.”

Sagte er und sie waren verschwunden. Es ist schließlich nie zu früh, um Nachwuchs für das Familiengeschäft anzulernen. Wir Zeugen fühlten uns alle etwas merkwürdig dabei.

*

Heute Abend muss ich auf eine Hochzeitsfeier. Meine Freunde neigen nicht zu solchen Torheiten, tatsächlich ist das meine Allererste – jedenfalls die allererste, in der sich Leute aus meinem direkten Freundeskreis vermählen. Ich hab den Haufen seit Jahren nicht gesehen und ich habe … Vorbehalte. Nicht gegen Horden von Unbekannten, die sich bestimmt über mein Haus, meine Kinder, meinen Job unterhalten wollen und sich brennend dafür interessieren, warum ich denn allein komme. Die Antwort: Wegen ihnen natürlich. Aber deswegen habe ich keine Vorbehalte.

Ich habe Angst vor all den Tanten der Braut und des Bräutigams, die mit Sicherheit irgendwann angeschickert sind und dringend tanzen wollen und mich auffordern. Ich bin der Bar-Typ, nicht der Tanzflächen-Typ. Ich hätte doch unbedingt eine leidensfähige, überzeugend eifersüchtige und außerdem verlässlich tanzunwillige Begleitung mitbringen sollen. Aber nun ist es zu spät; viel zu spät, nun rächt es sich erbarmungslos, dass ich mich damals geweigert habe, einen Tanzkurs mitzumachen. Falls ich das nicht überleben sollte: Es war schön, von euch gelesen zu werden. Ehrlich.

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