Stromsparmodus

Seit Wochen läßt du den Rechner solange laufen wie es geht, den kleinen Tragbaren. Oder sogar den noch kleineren iPod, den nimmst du mit aufs Sofa und läßt einen Messenger laufen. Das Handy ist sowieso nie richtig ausgeschaltet obwohl du gerade nicht eben viele Anrufe bekommst und noch weniger Textnachrichten. So ganz nebenbei läuft das alles, das kostet nicht viel Aufwand und wirkt höchstens ein wenig merkwürdig, aber man gewöhnt sich daran und bald sieht es ganz normal aus für die Leute, die dich kennen.

Es geht dir gar nicht darum ständig im Internet zu sein, es ist dir nicht wichtig, ständig für jeden erreichbar zu sein; du könntest wohl wirklich ganz gut auf den ganzen Kram verzichten, wenn es sein muß, davon bist du jedenfalls ziemlich überzeugt. Du würdest ungern verzichten, aber es gibt Wichtigeres. Du wartest.

Auf Nachricht von ihr, vielleicht sogar einen kleinen Chat, wenn sie es schafft. Sie meldet sich bei dir und du freust dich sehr darüber, weil es schön ist, weil es nicht einfach ist für sie und weil die Gelegenheit so selten ist. Sie ist zuverlässig und gibt sich Mühe; das weißt du.

Aber dann bist du gerade in einem anderen Raum, dann kochst du etwas, dann bist du am Telefon oder machst einen Tee und da sind die paar Zeilen, “Bist du da?”. und sie ist schon wieder fort und du weißt nicht, wie du dich fühlen sollst. Du weißt, du kannst nicht immer da sein und dass du nicht den ganzen Tag auf der Lauer liegen kannst, meine Güte, das wäre ja vollkommen obsessiv. Aber ein anderer Teil von dir fühlt sich leer und enttäuscht, der wünschte sich so eine Art eingeabaute Telefonklingel, irgendwo im Mittelohr, die dir sagt, wann du wirklich verdammt nochmal am Rechner sein solltest.

Wenn es dir so geht, dann kann ich dich ziemlich gut verstehen. Es ist wie ein Telefonat mit der allzu richtigen Nummer im Display, das man zu spät abnimmt und nur noch ein Freizeichen bekommt.

Schlagworte: ,

Switch to our mobile site