In den letzten Tagen habe ich Email bekommen, einmal von einem schweizer Punkrock-Konzertgänger, der ein altgedienter Fan von SNFU ist und mein Geschreibsel dazu gemocht hat. Zweitens eine von Marcel Schweder, der mir sein neues Blog in ein paar Zeilen vorgestellt hat. So ganz von der Filmmusik kommt er nicht weg, was auch gute Gründe hat. Email ist toll – ich würde gern mehr bekommen und ich verstehe auch gar nicht, warum Leute sich lieber über Facebook, VZ oder sonstwo Nachrichten zukommen lassen – “Loggen sie sich ein, um die private Nachricht von XYZ zu lesen.” – wo doch eine ganz direkte Mail viel praktischer ist. Früher hat man darüber gemeckert, wie die ach so flüchtigen Email die Briefe verdrängen und heute ist eine persönliche Mail für mich fast genauso selten und wundervoll. Ich liebe es, Mail zu bekommen.
Hoffentlich schaffe ich es auch zu antworten.
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Obwohl ich gar nicht darum gebeten habe, weiß ich nun, dass Sascha Lobo a) in dem besonders peinlichen neuen Vodafone-Werbeclip vorkommt (er ist der Herr mit der unglückseligen Schau-mal-her-Frisur) und b) dass er so ziemlich der allerwichtigste Blogger der deutschsprachigen Welt sein muss. “Internet-Urgestein” las ich und noch mehr (ich wusste außerdem nicht, dass das Internet ganz old-school aus Fels gemauert wurde) – so ein wichtiger Mensch ist das! Ich kannte bis vor ein paar Wochen nicht einmal den Namen. Ich kann mich also auch nicht ordnungsgemäß so über ihn aufregen, wie es scheinbar dieser Tage von einem Weblogbetreiber erwartet wird. Tut mir wirklich sehr leid.
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Kürzlich sagte ein guter Mensch zu mir, dass wir Menschen doch eigentlich nur Tiere sind, die bei jeder sich bietenden Gelegenheit für persönliche Vorteile ihre Prinzipien vergessen. Ich glaube, er hatte gerade ein schlechtes Gewissen. Und dann kamen wir darauf, über das Thema zu schreiben.
Erstens ist es beleidigend gegenüber den edlen Tieren dieses Planeten.
Zweitens finde ich, dass er Unrecht hat. Schon die Tatsache, dass er sich schlecht fühlt, beweist das Gegenteil. Ein Goldfisch hätte nach ein paar Sekunden bereits seine Untat vergessen. Egal – er hätte sowieso kein schlechtes Gewissen gehabt. Und viele Menschen sind nicht viel besser, fürchte ich – nur die einigermaßen erträglichen Leute leiden wirklich unter ihren Fehlern; ein richtiges Arschloch hätte sich immer im Recht gefühlt.
Ich habe ziemlich viele Prinzipien und trotzdem macht es mich nicht gerade zu einem besseren Menschen. Ganz ehrlich, ich habe viele negative Eigenschaften, die man Tieren nachsagt.
Wenn ich wütend werde, vor allem dann, wenn ich aus guten Gründen wütend werde, dann kann ich verdammt häßlich und bedrohlich werden. Ich werde zwar nicht zum Tier und ich prügel mich nicht und ich beiße auch bisher keinen verabscheuten Leuten große Stücke rohen Fleisches aus dem Hinterschinken, aber ich sehe so aus, als könntes derartiges in den nächsten paar Sekunden vorkommen. Das passiert mir nur alle paar Jahre mal, aber es ist zum Kotzen. Danach fühle mich mich mies und das zu Recht.
Und das, obwohl ich so viele Prinzipien habe. Man muss mich überreden, damit ich über rote Ampeln gehe, egal ob es nachts um vier oder mittags um eins ist. Ich bin loyal; das ist vielleicht meine eine gute Eigenschaft. Aber das reicht sicher nicht, um sich “guter Mensch” nennen zu können. Ich wär gern einer; das wäre sicher entspannend.
Vielleicht reicht das schon aus, um keiner von den ganz üblen Typen zu sein: Besser sein zu wollen als man eigentlich ist. Sich einfach Mühe geben und sich den ganzen Mist zu Herzen zu nehmen, den man immer wieder verzapft. Auch wenn es keiner merkt. Sich Gedanken machen und dann noch mal, einmal, zweimal – Glück haben.
Ach, da hat er sich wirklich den Falschen für dieses Thema ausgesucht. Wenn ihr wüsstet, was ich für finstere Pläne hege!
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