Juli 2009

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Nun ist es aber genug mit dem abgehangenen Punkrock für dieses Jahr! Da muss nun auch mal andere Musik kommen. Um die Auspunkung gebührend zu begehen, besuchten wir ein 6x Legenden-Oldiekonzert in Düsseldorf – da spielten die nicht ganz menschlichen Dickies,Adolescents, Channel 3 sowie die immer noch mit einem zahnlosen und prothesenfreien Frontman versorgten SNFU, dazu die Holzhackerbaum von D.O.A. und noch so ‘ne … Vorband.

Ein klein wenig hat das ja schon was vom Oldieabend mit Smokie und The Sweet – nur für die geschmacksbewusste Generation danach. Ich fühlte mich gleich wieder jung. Jawoll.

Zwischen den Auftritten der doch überraschend gut konservierten Altrocker saß man im Biergarten und versuchte, auf gar keinen Fall dem Durst nachzugeben und den erschütternden Bierpreisen1 zum Opfer zu fallen.

Neben uns saß ein freundliches Punkerpärchen. Er sagte eigentlich gar nicht, aber er hatte ja auch schon mit 14 die Sex Pistols2 gesehen und damit war eigentlich auch genug gesprochen. Seine Freundin erledigte das für ihn. Sie hatte so in etwa gar nichts an, dafür war die Haut mit Tattoos wechselnder Qualität bekleidet – und sie erzählte und erzählte. Vor allem über die Jugend von heute.

“Wir haben nämlich ne Paris Hilton Tochter! Das kannste echt nicht glauben, was?”

Mit der gehen sie dann auf Konzerte – tapfer und unerschütterlich. Auch wenn Rihanna schonmal 160 Euronen für genau eine Stunde Playback verlangt, das machen die mit. Oder wenn Mutti mit “so normalen Eltern!” in ein Gehege für Erziehungsberechtige eingepfercht wird. “Ich weiß ja, ich gehör da mit denen nicht zusammen, aber ich hab auchn Kind, ne? Es is’ mir ja auch etwas unangenehm, aber unsere Tocher muss auch rebellieren.”

Diese Eltern sind Helden.

Auch wenn Papa das Goldkettchenpublikum beim Snoop Dogg Konzert nicht mehr ertragen kann und es vom Balkon aus mit Bier begießt. Vielleicht deswegen erst recht.

  1. Übrigens gab es Warsteiner. Pfäh! []
  2. “Insgesamt vier Mal – einmal mit Sid, die andern Male ohne.” []

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Ich könnte im Moment über vieles schreiben, über meine bizarr schiefgelaufene Vierfach-Impfung, die mir über das Wochenende eine leider etwas asymetrisch angelegte, aber dafür deutliche  Schulterverbreiterung bescherte und es mir gleichzeitig unmöglich machte, selbst dem flachsten Samstagabendprogramm zu folgen. Verdammt, das tat nämlich echt weh!

Darüber schreibe ich nicht.

Ich habe über die Jahre immer wieder dieses Haus geknipst, ein altes Ding als Lehm. Verlassen als ich noch zur Schule ging. Sie haben die alte Dame herausgeholt und nie wieder zurückgebracht und seit dem ist nicht mehr passiert. Lange hat man das Haus gar nicht gesehen, es ist zugewuchter, die Obstbüche wurden immer höher und so hat es mir gefallen; man konnte heimlich durch das Dickicht streifen, was natürlich wie alle lustigen Kindersachen ausdrücklich untersagt war. Ins Haus selbst haben wir uns nie getraut, andere wohl schon; wir waren immer die halbwegs lieben, die nicht einmal wagten, die Scheiben solcher Ruinen einzuschmeißen. Abgesehen vom Jörn, der sich vor ein paar Monaten totgefahren hat. Aber der hat die Fenster nicht kaputtbekommen; oder er hatte einen Wurf wie ein Robbenbaby. Ich weiß es nicht mehr.

Die Büsche haben die vor ein paar Jahren weg gemacht und man sieht das Haus, wenn man auf dem Weg vorübergeht. Als ob da noch jemand wohnte und diese riesige Wunde in der Mauer einfach absichtlich übersehen hat.

Ein Ding von früher in einer Siedlung voller Ärzte und Fertighauskunden, das sich weigert einfach zu verschwinden und lieber langsam und würdevoll kaputtgeht.

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Denis: Was machst du denn schon wieder hier? Hatte ich dich nicht verscheucht? Husch-husch- weg mir dir! Wir sind fertig, nicht wahr? Du hast dein Interview bekommen. Zwei sehr lange und qualvolle – ich möchte auch sagen, ehrliche – Teile Interview.

gorgmorg: Nein, sind wir nicht. Am Ende waren wir bei den Leserfragen und wir sind damit noch nicht fertig.

Verdammt. Wenn ich ehrlich bin, kann ich mich vielleicht noch dunkel an ein zwei Fragen von Julia 49 erinnern. Halbwegs. Aber nicht gut genug.

Ich habe sie hier. Erste Frage:

Aufgebensgedanken macht sich jeder Blogger und es ist manchmal verlockend, in die passive Bloggerei (= Lesen und Kommentieren) zu verfallen. Was müsste vorfallen, damit das tatsächlich geschieht? Ein rechtliches Problem? Oder was Technisches? Oder wenn eine bestimmte Person etwas über das Geschriebene sagt? Oder…

Rechtliche Probleme hatte ich schon; die haben mich wütend gemacht und ich musste sehr an mich halten, um nicht deutliche und ausführlich kommentierte Namensnennungen zu publizieren. Technisches hat mich nie gebremst – die meisten technischen Probleme habe ich – ehrlich gesagt – selbst verursacht. Wenn eine Bestimmte Person etwas über das Geschriebene sagt wie “Ich rede nie wieder mit dir, wenn…” , dann… nun ja. Das wäre wohl ein Grund; aber ich kann auch mit Kritik Bestimmter Personen leben – von denen wünsche ich sie mir auch besonders. Was für eine langweilige Antwort! Ich habe leider nur diese.

Zweite Frage: War wäre, wenn du (ob nun Denis oder Gorgmorg) angeboten bekämst, die besten Geschichten von hier als echtes Buch zu veröffentlichen. Was würdest du machen? Und wie würde sich das auf den aktuellen Betrieb auswirken?

Das klingt ja fast so, als hätten wir beide Aussichten auf eine Buchveröffentlichung! Nun, ich – und ich bin sicher, ich kann für uns beide antworten – würde es machen. Auf den aktuellen Betrieb würde es sich nicht direkt auswirken, denke ich. Vielleicht würde ich mehr an längeren, “richtigen” Geschichten arbeiten, die nichts mit Blogbeiträgen zu tun haben.

Nun sind wir quitt. Fertig.

Nicht ganz, bedaure.

Wie bitte? Da sind keine Leserfragen mehr. Keiner interessiert sich für mich. So solls auch sein. Ha! Sie haben nichts mehr gegen mich in der Hand. Ich habe gewonnen!

(Wollten wir uns nicht duzen?) Nun, ich habe mir erlaubt in den Suchanfragen nachzuforschen und da sind einige versteckte Fragen, wohl von schüchternen Personen, die sich nicht trauten, einen Kommentar zu schreiben. Ich habe rein zufällig welche davon notiert…

Warum treibst du dich da in meinem geheimen Hauptquartier herum? Verdammt. Na gut. Leg los.

Wie faltet man ein Hemd? Read the rest of this entry »

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Blut!

Wieder einmal wurde mir viel zu früh am Morgen auf entschieden zu nüchternen Magen Blut abgenommen. Das macht in der Hausarztpraxis meiner Wahl eine kleine, rothaarige Deutschrussin mit winzigen Stummelfingern. Mit denen kann sie hervorragend Blut abnehmen. Ich habe nichts zu meckern – sie ist außerdem immer freundlich, ein seltener Bonus für Sprechstundenhilfen, die mich normalerweise verabscheuen.

Jedenfalls tun sie so.

Dieses Mal lief wieder alles gut, nur als ich mir an der Rezeption1 einen Termin holen wollte, fiel mir etwas auf. “Ich fürchte, ich bin etwas undicht.”, schwadronierte ich in dieser besonderen Coolness, die man nur in einem frühen Schockstadium zustandebekommt. Das Blut rann in einem erstaunlich dunkelroten Bach meinen Arm herunter und auf den Thresen.

“ANNAAA! MACH MAL NEU VERBAND, NE!”

  1. Nennt man das so? []

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Nun hatte ich bis vor kurzem einen satten Monat Überstunden und Urlaub zu verbraten und was soll ich euch sagen: Das sieht man mir auch an. Vor allem so um den Bauch rum.

Ich glaube, ihr versteht schon. Erhöhte Schwungmasse und all das, um es mal freundlich auszudrücken.

Das schaffe ich inzwischen ziemlich schnell; gemeinerweise werde ich die Pfunde auch flott wieder los. Wenn das bloß nicht so verdammt unangenehm wäre! Vor allem allein. Ich trinke und esse ja auch in Gesellschaft, warum wird man die tonnenschweren Folgen nicht auch ähnlich spaßig los?

Habt ihr hilfreiche Hinweise? Sonst muss ich warten, bis mich die Arbeit wieder ein wenig aufzehrt. No fun.

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Vermischtes

In den letzten Tagen habe ich Email bekommen, einmal von einem schweizer Punkrock-Konzertgänger, der ein altgedienter Fan von SNFU ist und mein Geschreibsel dazu gemocht hat. Zweitens eine von Marcel Schweder, der mir sein neues Blog in ein paar Zeilen vorgestellt hat. So ganz von der Filmmusik kommt er nicht weg, was auch gute Gründe hat. Email ist toll – ich würde gern mehr bekommen und ich verstehe auch gar nicht, warum Leute sich lieber über Facebook, VZ oder sonstwo Nachrichten zukommen lassen – “Loggen sie sich ein, um die private Nachricht von XYZ zu lesen.” – wo doch eine ganz direkte Mail viel praktischer1  ist. Früher hat man darüber gemeckert, wie die ach so flüchtigen Email die Briefe verdrängen und heute ist eine persönliche Mail für mich fast genauso selten und wundervoll. Ich liebe es, Mail zu bekommen.

Hoffentlich schaffe ich es auch zu antworten.

*

Obwohl ich gar nicht darum gebeten habe, weiß ich nun, dass Sascha Lobo a) in dem besonders peinlichen neuen Vodafone-Werbeclip vorkommt (er ist der Herr mit der unglückseligen Schau-mal-her-Frisur) und b) dass er so ziemlich der allerwichtigste Blogger der deutschsprachigen Welt sein muss. “Internet-Urgestein” las ich und noch mehr (ich wusste außerdem nicht, dass das Internet ganz old-school aus Fels gemauert wurde) – so ein wichtiger Mensch ist das! Ich kannte bis vor ein paar Wochen nicht einmal den Namen. Ich kann mich also auch nicht ordnungsgemäß so über ihn aufregen, wie es scheinbar dieser Tage von einem Weblogbetreiber erwartet wird. Tut mir wirklich sehr leid.

*

Kürzlich sagte ein guter Mensch zu mir, dass wir Menschen doch eigentlich nur Tiere sind, die bei jeder sich bietenden Gelegenheit für persönliche Vorteile ihre Prinzipien vergessen. Ich glaube, er hatte gerade ein schlechtes Gewissen. Und dann kamen wir darauf, über das Thema zu schreiben.

Erstens ist es beleidigend gegenüber den edlen Tieren dieses Planeten.

Zweitens finde ich, dass er Unrecht hat. Schon die Tatsache, dass er sich schlecht fühlt, beweist das Gegenteil. Ein Goldfisch hätte nach ein paar Sekunden bereits seine Untat vergessen. Egal – er hätte sowieso kein schlechtes Gewissen gehabt. Und viele Menschen sind nicht viel besser, fürchte ich – nur die einigermaßen erträglichen Leute leiden wirklich unter ihren Fehlern; ein richtiges Arschloch hätte sich immer im Recht gefühlt.

Ich habe ziemlich viele Prinzipien und trotzdem macht es mich nicht gerade zu einem besseren Menschen. Ganz ehrlich, ich habe viele negative Eigenschaften, die man Tieren nachsagt.

Wenn ich wütend werde, vor allem dann, wenn ich aus guten Gründen wütend werde, dann kann ich verdammt häßlich und bedrohlich werden. Ich werde zwar nicht zum Tier und ich prügel mich nicht und ich beiße auch bisher keinen verabscheuten Leuten große Stücke rohen Fleisches aus dem Hinterschinken, aber ich sehe so aus, als könntes derartiges in den nächsten paar Sekunden vorkommen. Das passiert mir nur alle paar Jahre mal, aber es ist zum Kotzen. Danach fühle mich mich mies und das zu  Recht.

Und das, obwohl ich so viele Prinzipien habe. Man muss mich überreden2, damit ich über rote Ampeln gehe, egal ob es nachts um vier oder mittags um eins ist. Ich bin loyal; das ist vielleicht meine eine gute Eigenschaft. Aber das reicht sicher nicht, um sich “guter Mensch” nennen zu können. Ich wär gern einer; das wäre sicher entspannend.

Vielleicht reicht das schon aus, um keiner von den ganz üblen Typen zu sein: Besser sein zu wollen als man eigentlich ist. Sich einfach Mühe geben und sich den ganzen Mist zu Herzen zu nehmen, den man immer wieder verzapft. Auch wenn es keiner merkt. Sich Gedanken machen und dann noch mal, einmal, zweimal – Glück haben.

Ach, da hat er sich wirklich den Falschen für dieses Thema ausgesucht. Wenn ihr wüsstet, was ich für finstere Pläne hege!

  1. Nichts mit einloggen und dergleichen und ich bekomme sie auch auf mein Smartphone []
  2. Oder eine Frau sein. []

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