August 2009

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Gelegentlich spioniere ich bei Versammlungen älterer Personen und manchmal werde dabei entdeckt. Das hat keine schlimmeren Folgen als längere Gespräche – genauer gesagt: Es werden mir Ratschläge erteilt, die ich eigentlich gar nicht hören wollte. Man braucht also Geduld. Manchmal aber lohnt es sich, dem Erfahrungsschatz aus Generationen zu lauschen.

Wie in diesem Fall. Eine Lösung, die dein Leben einfacher und knuspriger machen wird.

Wer wie ich gern Bacon oder Speck oder Schinkenspeck ganz im englischen Stil anbrät, aber zu faul für die Bratpfanne ist und vielleicht außerdem etwas Fett einsparen möchte1, sollte weiterlesen.

Um solcherlei Bratgut knusprig und weniger fettig und sekundenschnell futterfertig zu fabrizieren, gilt es nur noch den Weg zum nächsten Absatz zu überwinden.

Nimm ein Blatt von der Küchenrolle, falte es und lege den Speck hinein. Zuklappen. In die Mikrowelle, kurz angeworfen und nach ein paar Sekunden, sobald zu dampfen und brutzeln beginnt, gleich wieder abstellen. Sei schnell, sonst trocknet es dir noch aus.

Es ist erstaunlich. Ich bin sicher, das wusste außer mir schon jeder.

  1. Das sollte für mich gelten, ich mag aber nicht. []

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Alte Sachen

Vor einer Stunde hat sich meine alte Mitbewohnerin bei mir gemeldet, über den Gorgmorg-O-Chat nämlich. Ob die alte Zickerei beigelegt wäre. So klein war die Zickerei nicht. Ich würde sogar sagen, es war ein ausgewachsener Streit über ein paar gar nicht winzige Grundsätze; immerhin war ich danach ausgezogen und hatte seitdem keinen besonderen Wert auf irgendwelchen Kontakt gelegt.

Nicht dass es ihr anders ging. Ich war Luft für sie. Genauer gesagt, eine Schneise in den man tödliche Blicke abfeuern konnte. Da stand ja niemand Wichtiges.

Nicht, dass ich besonderen Wert auf Gespräche gelegt hätte.

Es brodelte in mir. Ein paar Minuten starrte ich auf die Zeile und hoffte, dass sie einfach wieder verschwinden würde. Ich glaube nicht daran, dass Zeit alle Wunden heilt. Wenn dem so wäre, hätte ich weniger Narben überall auf Herz und Seele und wäre vermutlich ein noch viel schlechterer Mensch. Mit der Zeit sterben nur irgendwann die Beteiligten und der Rest nimmt die Sache nicht mehr so schwer, so sehe ich das.

Aber dann… dachte ich, “hey, sei kein Arschloch, Denis. Was solls.” Dann tippte ich:

“Hallo.”

Und dann ging es doch ganz gut, wie ein uraltes Getriebe, dessen rostige Zahnräder erst einmal mit viel gutem Willen wieder geölt und mit einiger Kraft wieder zum Laufen gebracht werden müssen. Es knirscht, aber es geht langsam besser. Man ist ja auch etwas neugierig.

Komischerweise fühle ich mich jetzt irgendwie erleichtert.

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Habe ich nicht viel zu oft beschrieben, wie sehr ich Email diesen vielen neumodischen Nachrichtenzüchtungen der jüngeren Internetzeit vorziehe? Ich denke, das habe ich. Aber ich muss auch sagen, dass ich immer noch kein besonders kundiger Nutzer dieses Dienstes bin.

Nicht dass ich nicht wüsste, wohin die Emfängeradressen kommen und wohin der Text gehört und wie man das “@” einzugeben hat.

Das kann ich alles. Und zwar ganz und gar reibungslos, meine Freundinnen und Freunde, immer wieder. Man könnte mit einiger Berichtigung behaupten, ich sei ein routinierter Emailerschreiberundverschicker.

Vielmehr bin ich ein dankbarer Nutzer einer neuen Funktion, die Google Mail seit einiger Zeit anbietet – nämlich eine Chance, für ein paar Sekunden eine eigentlich bereits verschickte Nachricht noch einmal auszubremsen und einige dringens benötigte Änderungen vorzunehmen, bevor man einen erneuten Verschickungsauftrag erteilt, sich Schweiß von der Stirn wischt und sich für eine erfolgreiche Fernbetextung und gleichzeitige Abwendung einer fürchterlichen zwischenmenschlichen Katastrophe beglückwünschen kann.

Ich bin Herrn oder Frau Google recht dankbar und weiß mich durchaus gegenüber anderen Emailern im Vorteil. Ich will also nicht undankbar klingen.

Aber.

Es sollten nicht einige Sekunden sein, die an Gnadenfrist gewährt werden. Es sollte mindestens zwölf Stunden lang möglich sein, schreckliche Absätze zu ändern. Und wenn vielleicht die adressierte Person am an einem fernen Bildschirm die fürcherlichen, anmaßenden Fehlformulierungen bereits gelesen hat, dann wäre es wohl auch ganz angebracht, Teile des Adressatengedächtnisses geringfügig umzutexten. Es ist zu ihrem Besten. Freundschaften zu einer wundervollen Person könnten auf diese Weise vor Belastungen geschützt werden.

Was immer ich in den letzten Tagen an Mail geschrieben habe, es tut mir leid und ich habe es wirklich gar nicht so gemeint, wie es sich liest: Nämlich wie das Werk eines echten Arschlochs. Ich habe meinen Postausgang durchgesehen und noch einmal überblickt, was ich während der letzten Tage im Halbschlaf zusammengetippt habe – ich war nicht erfreut. Vor allem über eine, die ich euphorisiert am Mittwoch verfasst habe – vielleicht war ich unangemessen. Ich bin mir nicht sicher, aber … herrje, wenn das nicht gut aufgenommen wird, dann wird das nicht gut enden. Äh, Das wollte ich eigentlich nur sagen.

Und ihr von Google: Das mit dem Gedächtnis, nun, das ist vielleicht doch keine so gute Idee. Meistens.

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Heute, zwei Monate nach dem Ende meiner kurzen Episode in städtischem Dienst tief in der Provinz – noch tiefer in der Provinz, sollte ich wohl schreiben – fand ich einen großen braunen Umschlag in der Post, in Schönschrift mit dem Füller beschriftet.
Man hatte mir gleich bei meinem nicht überraschenden Abschied mitgeteilt, dass da noch Post für mich vorläge, die ich doch abholen solle – ich hatte darauf hin geantwortet, dass ich doch eher nicht wegen zwei, drei unwichtigen Blättern extra dort aufkreuzen würde – schließlich arbeitete ich schon längst woanders und hätte nicht einmal im Falle eines Falles die Zeit gehabt. Man möge es mir doch nachschicken, wenn es denn so wichtig ist. Ich war mir sicher, wenn es wichtig gewesen wäre, hätte man es mir schon lange nach Hause nachgesendet.

Ich sah meine Unterlagen durch und fand sie vollständig. Was sollte da noch auf mich warten? Nun, die Post kam nicht und ich vergaß die Geschichte.

Heute fand sich besagter großer brauner Umschlag im Briefkasten. Er war beträchtlich überfrankiert.

Sicherheitsrisiko?Darin fand sich folgender Inhalt:

  1. Fünf Protokolle interner Sitzungen, die ich schon kannte. In Kopie.
  2. Eine Abrechnung von Arbeitszeit meines Ex-Chefs. (Kopie, hoffe ich.)
  3. Zwei ordentlich verpackte Teebeutel, “Englische Mischung”. Ganz sicher nicht meine. Falls ihr mir das nicht glaubt – ich lege beizeiten einen Fotobeweis vor.
  4. Kein Anschreiben, keine Briefkorrespondenz irgendeiner Art.

Nun bin ich doch ein wenig ratlos, gleichzeitig aber auch ein wenig amüsiert.

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Am Ende des neuesten Tarantino Machwerks ist Hitler tot und der Krieg vorbei und … das Publikum applaudierte, obwohl es gar keine Premierennacht war. Ich bin nicht sicher, ob es ein guter Film ist, aber ich will sagen, dass die zweieinhalb Stunden in Rekordzeit herum waren und dass ich in Begleitung zweier Leute im Kino war, deren Eltern nicht in Deutschland geboren sind. Die haben sich sehr über den Applaus gefreut.

Ich habe selber auch geklatscht (aber nicht so laut).

Aber wenn die beiden sich so freuen – ich glaube, das hatte nur halb etwas mit dem Film selbst zu tun, sondern mehr mit dem Publikum – dann war es für mich auch ein ganz gelungener Abend.

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Vor nicht langer Zeit sprach man mich im eingebauten Gorgmorg-O-Chat an und erzählte mir aus einem stressigen Leben und wie die Prüfungen im hart umkämpften Hochschulleben einen hohen Preis an Nerven und Zeit forderten. Die Person – die mir gleich weiblich schien, das erkennt man doch sofort, geneigte Leser – sah jedenfalls das Ziel so nah, als ob sie es mit Händen greifen könnte. Mal angenommen, man könnte einen Prüfungstermin anfassen. Ist nur so eine Redewendung, geneigte Leserschaft.

Danach würde sie sich belohnen und ins Kloster gehen.

Ich war selbstverständlich schockiert und nicht wenig verwirrt, ich würde sogar so weit gehen zu behaupten, dass mein Weltbild nicht nur ins Wanken geraten war, sondern einen inspirierten Can Can auf dem Parkett meines Bewusstsein hinlegte.

Immerhin hielt ich – abgelenkt und überhitzt, wie ich war – die Person für die so wundervolle wie unverwechselbare Meriche. Sie, im Kloster? Niemand konnte über solcherlei Neuigkeiten überraschter sein als ich – mit Ausnahme vielleicht von Schwester Meriche selbst, die von dieser Entwicklung selbst noch gar nichts gehört hatte, als ich sie später darauf ansprach.

Aber ins Kloster zu gehen! Allein schon die Tatsache, mich zu kennen – die wäre doch schon ein klares Ausschlusskriterium contra Kloster. Wer macht denn sowas? Aus meinem sinnenfrohen Bekanntenkreis, noch dazu!

Nun, ich habe einen Verdacht.

Andererseits sind bestimmte Blogs in letzter Zeit unangenehm still geworden, so das ich meine Liste weiterer Verdachtsfälle immer wieder verlängern musste.

P.S.: Falls ihr nicht allem Weltlichem abgeschworen habt, könnt ihr es hier mitteilen, finde ich.

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