Über diesen Tag habe ich schon ausschnittsweise geschrieben.
Das GPS-Navigationssystem ist eine sinnvolle Erfindung, gerade wenn man in fremde Städte fährt und sich dort an irgendwelchen obskuren Straßen mit jemandem treffen will, der selbst nicht grade ein Meister im Kartenlesen ist. Der Jemand war ich, die Person Sie.
Ihr fragt euch vielleicht wie sie so ist. Sie ist nicht besonders groß und sie hat langes, lockiges Haar, das ihr gern mal ins Gesicht fällt. Sie besitzt funkelnde blaue Augen und eine zierliche Nase, einen sinnlichen Mund mit einem kleinen, sarkastischen Schwung nah bei den Mundwinkeln. Sie hat gefährliche große Brüste und auch sonst alle richtigen Kurven und sogar vielleicht eine kleine, unwiderstehliche Rundung am Bauch; aber vor allen Dingen einen strahlenden Geist und die schönste Stimme dieser Welt: Wenn sie lacht, kann sie die Zeit anhalten. Wenn sie wütend ist, nein… darüber schreibe ich lieber nicht. Ihr seht schon, sie ist bemerkenswert.
Sie hatte noch gar nicht so lange den Führerschein, dachte ich. Da stand ich schon an einem Treffpunkt und sie war spät dran. Wir hatten Karten; die Kampfmönche warteten. Zuletzt hatte ich eine SMS erhalten, in der sie von ihrer Abfahrt sprach. Seitdem nichts.
Ein paar Minuten später rief sie an, sie klang gestresst – sie würde die Straße nicht finden und dann beschrieb sie mir, wo sie sich gerade befand – ich hatte keine Ahnung. Wir machten einen neuen Treffpunkt aus, es klappte nicht. Wir wiederholten das Spiel, bis sie endlich die Herforder Straße erwähnt hatte. Ich stand an der Ravensburger und musste erst einmal mein Auto finden, dort einen Parkplaz schnappen und vor ihr dort sein, um sie zu treffen. Ich war sowieso komplett durchgeschwitzt; es machte keinen Unterschied mehr. Ich schämte mich über alle Maßen, das machte es nicht besser. Außerdem war mir vielleicht schon ein wenig warm…weil ich viel an sie gedacht hatte. Tagelang.
Ich fand einen Parkplatz, warf einen unverschämt hohen Betrag in die Parkuhr und wartete nicht lange, bis sie ihr feuriges Gefährt unter Brechung einer ganze Reihe von Verkehrsregeln auf dem Bürgersteig hinter einem Halteverbotsschild zu Halten brachte. Wir waren beide so erschöpft, dass wir nichts sagten, außer “Hey” oder etwas Ähnliches, aber wir konnten uns umarmen. Ihr war mindestens so warm wie mir, nein, sie glühte eher und mir war so vollkommen egal, dass wir beide unmäßig durchgeschwitzt waren; es war als ob wir viel weniger anhatten. Ich fühlte dass sie etwas interesantes unter ihrem Top anhatte, ich konnte es nicht einordnen, aber ich wurde neugierig. (Unter anderem.) Wir konnnten uns außerdem trotz aller Erschöpfung ziemlich gut küssen und es wurde heißer und das Genervtsein und das Besorgtsein waren schon lange weg, bevor mir ihre Abwesenheit überhaupt auffallen würde.
Vergesst GPS. Diese Begrüßung war es wert.
Es ist ziemlich schwer, kämpfenden Shaolin Mönchen die gebührende Aufmerksam zu schenken, wenn man eine Frau wie sie neben sich sitzen hat und man eigentlich nur sie ansehen will, die man gerade durch halb Ostwestfalen gescheucht hat. Du hast das Gefühl, ungefähr jede Schrecklichkeit dieser Welt verdient zu haben, aber nicht ihre Gesellschaft oder ihre Hand auf deinem Oberschenkel. Sie schaut manchmal zurück und du bist dir nicht ganz sicher, was sie denkt. Die Klimaanlage schaffte es kaum, mich herunterzukühlen. Ihr sah man nichts an.
Aber, hey – diese Mönche: Bemerkenswert, wirklich.
Ich bin nicht mehr sicher, ob wir wirklich Hunger hatten, aber sie konnte, sollte, durfte nun nicht nach Hause fahren, auf gar keinen Fall und so machten wir uns auf ins Café Wunderbar. Der Weg von der Stadthalle her ist nicht sehr lang und das gefiel mir nicht, weil er mir mit ihr so gut gefiel. Unsere Zeit war begrenzt und ich wünschte mir eine Erfindung, die Zeit mit dem Richtigen Menschen am Richtigen Ort in einer Vonnegutschen Zeitschleife je nach Wunsch ausdehnen könnte. Aber so kamen wir doch nach kurzer Zeit an, in der ich sicher wieder atemlos schrecklichen Blödsinn geredet habe. Ich erinnere mich an so vieles, aber an nichts davon.
Die alte Wunderbar-Besatzung hatte eine unglaubliche Pizza im Angebot, auf die man sich wirklich verlassen konnte und sie war auch an diesem Abend unglaublich. Sie saß neben mir und die Bedienung grinste ein wenig; sie wusste gleich Bescheid. Wenn schon die Bedienung Bescheid weiß, braucht man sich ja auch nicht mehr zurückhalten, oder? Mit jedem Kuss schmeckte sie besser.
Natürlich konnte sie danach noch nicht nach Hause fahren. Zuerst brauchte sie noch einen Kaffee. Und vielleicht… ein Glas Wein. Eine Stunde ausruhen, meinte sie. Das schmeckte bei mir zuhause besser, meinte ich. Egal, ob wir dafür eine Stunde Umweg fahren mussten. Waren das ihre oder meine Hände, die so schwitzten? Es schmeckte salzig, als ich sie auf den Hals küsste.
Ich fuhr viel zu schnell voran, sie hinterher. Aber nun wussten wir den Weg, niemand würde sich verlaufen, niemand würde zweifeln und niemand würde sich verwirren lassen.
Ich machte einen Kaffee und ich schenkte Wein ein; ich hatte nicht das Gefühl, dass sie sich dafür interessierte; sie interessierte sich für mich und für mein zu kleines Bett unter der unfallträchtigen Schräge und sie brauchte nicht ein Wort, um das zu sagen. Der Kaffee blieb stehen, wir nippten nur am Wein. Wir hatten schon etwas gefunden, das besser schmeckte als jeder Bardolino und spannendere Sachen, die sich nicht auf Stühlen machen ließen.
Sie zeigte mir, was sie darunter trug und dann, wie sie darunter aussah und … ich weiß nicht, ob sie mir das jemals glauben wird, aber sie sieht nackt schöner aus und damit ist sie Teil einer kleinen Gruppe Menschen. Ich mochte, wie sie seufzte, als ich sie in den Hals biss und ich wurde mutiger, wie auch sie mutiger wurde; ihre Brustwarzen wurden hart zwischen meinen Lippen und wir begannen wieder zu schwitzen; sie war laut und ich genoss das. Sie entdeckte etwas zwischen meinen Beinen und führte es an die richtige Tiefe.
Manchmal werde ich auch laut.
Ich glaube, alle im Haus haben es gehört.
