Wenn du vom Festival kommst, hast du einen Kater. Egal ob du nun viel oder wenig oder auch rein gar nichts getrunken hast, Kater ist unvermeidlich. Wenn das Festival gut war, entstammt der Kater einer gewissen Wehmut, dass es vorbei ist und ganz sicher niemals etwas so wundervolles vorkommen wird. Wenn das Festival schlecht war, dann hat es mehr mit einer angehenden Erkältung, Halsschmerzen, Rückenschmerzen und wehen Füßen plus einer ganz bestimmten sexuellen Frustration zu tun:
Sie hat einen anderen geküsst/gebumst/dich nicht erkannt/oder so getan/Ihr Neuer hat dich verhauen oder es probiert.
Das hat alles noch nicht viel mit Musik zu tun, aber darüber schreibe ich lieber nicht allzuviel, schließlich haben Jennifer Rostock gespielt, über denen hohe Ansprüche an den Komfort auf einem “Umsonst und Draussen” Festival schon am Vortag zahlreiche Gerüchte umherschwirrten. Die Fans verstopfen die Zufahrten und sie haben eine nervige Art auf der Bühne. Ich bin dann einfach weg gegangen.
In Stemwede war ich schon oft und ich kenne dort viel zu viele Leute. Man hat schon genug Mühe, all die Netten zu finden und gleichzeitig unheimlichen Erscheinungen aus der dunklen Vergangenheit auszuweichen. Davon allein könnte man sich einen Kater einhandeln! Meine Vergangenheit ist entschieden dorf.
Am Ende habe ich mal wieder in alter Tradtion ein paar Leute nach Hause gebracht; ich hatte den Wagen voller Frauen, die ich alle dereinst einmal zu unterschiedlichen Zeiten ganz fantastisch fand und immer noch mag. Man bewegt sich eingehakt in wankende Weiblichkeit über das Stoppelfeld und weidet sich an den neidischen Blicken der Geschlechtsgenossen. Einmal konnte ich nicht an mich halten und grinste genauso wie der Typ zurück, der mir “Du bist ja echt nen ekliger Aufreißer, Mann” hinüberbölken musste.
“Mein Werk beginnt erst jetzt Mann. Du kannst dich ja ausruhen.”
Das tat gut. Das war das selberfahren fast wert gewesen.
Ich ahnte zu diesem Zeitpunkt nicht, wie recht ich hatte: Ich hatte deutlich die Ortskenntnis und die Pegelstände meiner Mitfahrerinnen unterschätzt. Es würde noch eine gute Stunde dauern.
“Wohne ich hier? Ne. Doch nicht.”
P.S.: Mein Kopf dröhnt, aber ich muss an den letzten Sonntag zurückdenken und wie sehr ein kleiner Chat nebenbei inspirieren kann. Da war ich auch nicht fit, aber… ich habe sicher das vierfache in der Hälfte der Zeit geschrieben.
P.P.S.: Schau an, es ist nicht mal ein richtiger Kater: Ich habe etwas Fieber. Ich lasse den Text einfach mal als Dokumentation meines Zustands stehen.
