Vor einer Stunde hat sich meine alte Mitbewohnerin bei mir gemeldet, über den Gorgmorg-O-Chat nämlich. Ob die alte Zickerei beigelegt wäre. So klein war die Zickerei nicht. Ich würde sogar sagen, es war ein ausgewachsener Streit über ein paar gar nicht winzige Grundsätze; immerhin war ich danach ausgezogen und hatte seitdem keinen besonderen Wert auf irgendwelchen Kontakt gelegt.
Nicht dass es ihr anders ging. Ich war Luft für sie. Genauer gesagt, eine Schneise in den man tödliche Blicke abfeuern konnte. Da stand ja niemand Wichtiges.
Nicht, dass ich besonderen Wert auf Gespräche gelegt hätte.
Es brodelte in mir. Ein paar Minuten starrte ich auf die Zeile und hoffte, dass sie einfach wieder verschwinden würde. Ich glaube nicht daran, dass Zeit alle Wunden heilt. Wenn dem so wäre, hätte ich weniger Narben überall auf Herz und Seele und wäre vermutlich ein noch viel schlechterer Mensch. Mit der Zeit sterben nur irgendwann die Beteiligten und der Rest nimmt die Sache nicht mehr so schwer, so sehe ich das.
Aber dann… dachte ich, “hey, sei kein Arschloch, Denis. Was solls.” Dann tippte ich:
“Hallo.”
Und dann ging es doch ganz gut, wie ein uraltes Getriebe, dessen rostige Zahnräder erst einmal mit viel gutem Willen wieder geölt und mit einiger Kraft wieder zum Laufen gebracht werden müssen. Es knirscht, aber es geht langsam besser. Man ist ja auch etwas neugierig.
Komischerweise fühle ich mich jetzt irgendwie erleichtert.
