Ich mache manchmal spontane Sachen und die sind fast immer gute Ideen, aber komischerweise ist das Universum ebenso fast immer dagegen. Zunächst vergisst man natürlich die wichtigsten Sachen, die man eigentlich mitnehmen wollte.
Danach ist es wohl angebracht, sich schmerzhaft einen Fingernagel einzureißen. Ich weiß, ich weiß – ich bin ein Weichei: Es ist nicht einmal so, dass es so sehr weh tut, es gibt einem das unangenehme Gefühl, sich in seine Einzelteile aufzulösen. Zuerst der Nagel – was kommt wohl danach? Ein Ohr vielleicht?
Du rennst zum Auto, weil du natürlich keine Minute zu spät losfahren willst – schließlich ist jede Sekunde am Zielort eine Sekunde bei ihr.
Du vergisst deine Tasche.
Du vergisst deine Autoschlüssel.
Du vergisst irgendetwas anderes, welches mir gerade in diesem Moment entfallen ist.
Und dann bist du unterwegs und nimmst die falsche Abzweigung, weil du dich so freust und das einen beim fahren wirklich ganz schön ablenken kann – hier mit der Folge einer endlosen Baustelle – die Bielefelder wissen genau, welche ich meine.
Endlich: Die Autobahn.
Endlich: Gaspedal entspannt durchtreten.
Ahhhh. (Das kann ja schonmal sehr angenehm sein.)
Du denkst: Och, damit es noch viel entspannter ist, nimm doch einfach das Navi – die Adresse ist ja immer noch eingespeichert.
Du greifst ins Leere.
Ein herzloser Jemand hat offenbar dein Navi geklaut, aber das kann einem an einem solchen Abend niemals die Stimmung vermiesen – es kann aber durchaus unangenehm werden, weil du den Weg nicht mehr kennst.
Glücklicherweise bist du Besitzer eines machtvollen, navigationsbemächtigten Mobiltelefons. Gut, es mag vielleicht bei jeder heftigen Lenkbewegung vom Sitz rutschen, aber es geht.
Du kommst an und das Haus fehlt. Jemand hat vergessen, es an der richtigen Stelle zu bauen. Oder die Nummerierung ist von einem halbdebilen Pavian gemacht worden.
Aber das kann dich nicht aufhalten. Wie du das Haus gefunden hast, kannst du heute nicht mehr schlüssig erklären. Und du klingelst und sie ist es und es ist gut und …
…
Viel später schläfst du ein.
Vielleicht der schönste Abend des Jahres, denkst du am Morgen. Es erschreckt dich fast, als der nächste Gedanke kommt: Du bist glücklich. Es fühlt sich fremd und wundervoll und warm an und du stellst dir vor, wie sie lächelt.




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