Wenn ich nicht so gewissenhaft meine Wohnung wischen würde, dann hätte ich auch nicht im Bad aufgeräumt. Das war der Kardinalfehler, vorgestern Abend. Dieser enorme Schmerz im rechten Zeigefinger! Da war mir sofort klar: Da war also der Rasierer, den ich die ganze Zeit seit meinem Umzug gesucht hatte.
Und das rote Viele, nun, das war wahrscheinlich Blut. Ne ganze Menge davon. Verdammt, gerade frisch gewischt und nun das. Ich ärgerte mich unbändig und drückte die Wundränder um die beiden parallelen Schnitte zusammen, die ich unter dem Blut vermutete.
Es dauerte ganz schön lang bis die Blutung aufhörte.
Ich suchte die beiden feinen parallelen Schnitte. Fand sie aber nicht.
Ich fand: Eine ziemlich große Fläche rohen Fleisches, wo sich eigentlich Haut und noch mehr Fingerkuppenfleisch befinden sollten. Ich fühlte mich eher etwas mulmig; so war das schließlich nicht geplant gewesen. Ich schaute mir die blutige, aber saubere Schnittfläche lange fasziniert an. Mein neuerdings unrunder Finger pulsierte enervierend.
Die vergessene Rasierklinge ist kombiniert mit einem tapferen Griff ins Ungewisse wichtiger Bestandteil der Unerfreulichkeit, die wir auch als den “Kettensägenunfall des Akademikers” kennen.
Es ist gar nicht so einfach, sich mit links den rechten Zeigefinger zu verbinden, das kann ich euch versichern. Dafür konnte man bis dahin noch schmerzhaft tippen und mit der Hand schreiben.
Seitdem der Doktor mich noch einmal richtig eingewickelt hat, kann ich zwar schmerzfrei, aber nunmehr nur noch mit neun Fingern und einem Klumpen Mull auf die Tastatur einwirken.
Irgendwo, tief in meinem schrecklichen Kulturbeutel liegt ein Stück von mir und ich traue mich nicht nachzusehen.

Wäre ich E.T. würde ich Dir jetzt meinen leuchtenden Finger reichen “Auuutsch!”
Gute Genesung bzw. Verheilung!
Danke sehr. Mit dem Verband hier ist tippen nicht gerade einfach, aber es geht schon. Tut fast nicht mehr weh.
Mir ist etwas übel.
(Mir wurde einmal gesagt, man könne immer kommentieren. Schließlich lebt jeder Beitrag in sich weiter, auch wenn das Gegenstück in “unserer Welt” schon gar nicht mehr so existiert.)
Das tut mir jetzt leid, das mit dem Übel.