Vorweihnachtsapocalypse

Je mehr ich blogge, desto verrückter spielen die Leute um mich herum. Vor allem die Klienten. Die Kunden.

Es ist kalt und das welke Aushilfsfahrzeug, welches für mein endlich zum Ausbeulen beurlaubtes Kriegspony eingesprungen ist, hat beschlossen komplett einzufrieren. Alle Schlösser verweigern die Mitarbeit. Halt, nicht alle: Die Heckklappe! Zum Glück kann man ja die Rückbank umlegen und mit Tasche, Notebook und all den Ordnern von hinten reinkriechen und entspannt den Zündschl… moment: Scheiben zugefroren. Also wieder auf demselben Weg wieder raus und enteist.

“Ich komme zu spät”, puckert es durch mein schuldbewusstes Hirn.

“Termin muss leider abgesagt werden”, lautet die SMS, die zwei Minuten nach Abfahrt bei mir einschlägt.

Grrr.

Kurz vor Weihnachten Eltern davon zu überzeugen, dass sie ihre Grundschulkindern auf gar keinen Fall mit lebendigen Kuscheltieren überraschen sollten, das ist eine meine meistverhassten Situationen. In diesem Jahr ist das besonders populär; Meerschweinchen sind ja auch deutlich günstiger als ein Nintendo DS.

- Haben sie darüber überhaupt schonmal mit den Kinder geredet?

- Nein, das soll doch eine Überraschung sein!

- Das Nachbarskaninchen hat ja nun auch einiges durch ihre Kinder einstecken müssen, erinnern sie sich?

- Ja, schon… aber…!1

Ich sage, sie sollen ihren Nachwuchs lieber selber mal ein wenig kuscheln, halte aber meine Chancen auf Kleintierrettung für höchstens Fifty-Fifty.

Wenigstens schaffe ich es, zu Mittag ein paar Scheiben Brot im eigenen Heim einzuwerfen, bevor es weitergeht. Ich packe meine Sachen und ziehe wohlgenährt und hochmotiviert die Tür hinter mir zu. Klack. Ein verdammt befriedigendes Geräusch.

Die Sonne kommt raus und ich fühl mich allmählich entspannter.

Zwei beschwingte Schritte später fällt mir ein, dass die Schlüssel – alle Schlüssel – noch auf dem Tisch liegen.

In solchen Momenten fühlt man sich so richtig alt, bis man durch ein elektronisches Signal darin unterbrochen wird.

Das Diensthandy erinnert mich nachdrücklich – ich habe noch 15 Minuten, die 4,6 km bis zum wichtig-wichtigen Termin… zu laufen.

Na, dann mal los.

  1. Dieser Dialog ist natürlich rein fiktiv []

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