Vor Weihnachten

Vor Weihnachten ist meine Arbeit am schwersten; die Stunden werden mehr und die Krisen häufen sich. Ich komme nach Hause, es ist dunkel, nass und kalt und eigentlich kannst du nur noch einschlafen und vielleicht etwas essen. Schreiben, ach ja – die Berichte – dazu komme ich kaum. Nicht nur wegen der Müdigkeit, ich bin einfach in jeder Hinsicht zu erschöpft, um mehr als anspruchlosestes Fernsehprogramm zu schauen. Wenigstens leert das mein Hirn und am nächsten Morgen geht es dann wieder. Dann wache ich zu früh auf und schreibe in Gorgmorg oder eine Mail.

Ich fühle mich gar nicht weihnachtlich, meine Wohnung ist nicht geschmückt und wenn “Last Christmas” im Radio läuft, schalte ich aus. Aber ich freue mich auf Weihnachten. Das geht.

Ich habe dann nämlich frei. Nicht mehr als die Feiertage, aber immerhin. Es wird nie wieder wie früher sein – meine Familie hat sich gründlich zerstritten und wir werden wieder nur zu viert sein, mein Bruder und meine Eltern, dazu meine Wenigkeit. Dafür hatte ich auch kein Problem beim rechtzeitigen und lückenlosen Geschenkefinden! Es wird auch keinen Streit geben, wir sehen uns sowieso ziemlich oft und hatten dafür reichlich Gelegenheit. Trotzdem, ich werde auf andere Gedanken kommen und fürchterlich gut essen. Danach sitzen wir sicher am Kamin; das wird schön.

Ich werde meine Freunde sehen und dabei vielleicht einmal ausgeschlafen sein, um nicht nach zwei Stunden einzunicken.

Ich werde die Feiertage lang überhaupt gar keinen festen Plan haben und darauf freue ich mich am meisten.

Ich wünsche mir, dass sie Grund zum lächeln hat. Ich lächle schon, wenn ich nur an sie denke und das tue ich oft. Dafür bin ich sehr dankbar und wenn sie hier wäre… ach, das hat schon mit Liebe zu tun. Viel sogar.

Passt also, irgendwie.

Irgendwie also freue ich mich auf Weihnachten.

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