Ich habe in letzter Zeit viele Einträge in verschiedenen Blogs gelesen, in denen es um Einsamkeit geht.
In vielen ist sie eine Richtig Finstere Sache, in anderen dafür eine verdammt Gute Und Lebenswichtige Sache, ohne die man verwelken oder doch wenigstens richtig unglücklich werden kann, wenn man nicht gut aufpasst wie ein Schießhund.
Bei mir kann es mindestens beides und wahrscheinlich vieles sein; ich sollte die verschiedenen Einsamkeiten wenigstens einmal kategorisieren.
- Die fehlende Einsamkeit des Bei Den Eltern Lebenden. Wer kennt es nicht? Nicht, dass man nicht einfach die Tür schließen könnte oder dass man nicht hin und wieder aus dem Haus gehen dürfte – man ist nur genauso einsam, wie man in einer wohlwollenden Diktatur frei ist: Genau so weit, wie es die Herrscher für richtig halten. Natürlich darf man alles. Aber wenn man beschließt, einige Tage ausnahmslos keine Lust auf Menschen zu haben, dann geht das garantiert super, oder? Ge-nau.
Ich besuche meine Eltern gern. Aber wenn ich wieder gehe, dann bin ich doch froh, dass ich zuhause für eine Weile allein sein darf – und dass dort keiner ist, der mir nahelegt, doch bitte erstmal die Wäsche zu bügeln und sich dann vielleicht mal eine Weile zurückzuziehen. Es gibt keine Einsamkeit des Bei Den Eltern Wohnenden. Es sei denn, man ist ein Teenager mit Liebeskummer. Oder ein Kind mit geheimem Kummer. Oder es handelt sich um Scheißeltern. - Die Einsamkeit des Allein Lebenden Singles. Phase 1. Wenn man in die eigene Wohnung zieht. Dann ist das toll und frei und endlich hat man seine Ruhe. Mal einen ganzen Abend nichts tun und nichts sagen und nicht telefonieren muss, ach diese dämlichen Kontrollanrufe aus der Familie, aber diese tolle Stille… und Aussichten auf ein ausschweifendes, unkontrolliertes, nicht zu rechtfertigendes Liebesleben…
Phase 2. Wenn aber Wochen später gar keiner mehr anruft, keiner mehr zu Besuch kommt, dann wird die Einsamkeit zu einer bleiernen Sache. Sollte man darum bitten, Besuch zu bekommen? Mag einen überhaupt noch jemand? Du liegst nachts wach – um dich noch etwas länger ungut einsam und ungut bemitleidenswert zu fühlen und dich vor beidem zu eklen. Komischerweise hat sich das Liebesleben durch das Alleinleben überhaupt nicht verbessert.
Phase 3. Man gewöhnt sich an beides und beginnt, das Alleinsein zu schätzen und Besuch… noch mehr. Oder wie war das bei euch? Bei mir war es so. Jedenfalls behaupte ich das einfach mal in einem besonders glaubwürdigen Tonfall. Stundenlang für mich sein, ohne einen Laut? Großartig. Menschen sehen, wann ich das will? Großartig. - WG-Einsamkeit. Eine besonders knifflige und zwiespältige Angelegenheit, oder? In der gefürchteten Zweier-WG hat immer der Mitbewohner etwas mitzuteilen, wenn man seine Ruhe haben will. Er hat immer dann Sex und das auch noch laut, wenn man selber angestrengt versucht, dieses Thema mangelbedingt aus dem Hirn zu löschen. Und so weiter. Reden wir nicht einmal vom Putzdienst – ich denke, das ist für alle Beteiligten – und vor allem die Unbeteiligten – das Beste. Hier allein zu sein, einsam zu sein und niemanden zu hören… zu wissen, dass der andere für eine länger Zeit nicht da ist… alles tun zu können, ohne sich beobachtet und kritisiert zu fühlen, das ist sowas wie Himmel – wenn man einfach mal keine Menschen hören, sehen oder riechen muss und wenn doch – dann die persönliche Auslese.
Die andere Variante ist die Schlimmere. Wenn man zusammenwohnt und nicht miteinander spricht, wenn man sich nicht mehr anschaut, wenn man sich vielleicht einmal streitet und das wars dann, wenn man kontrolliert und eingeschränkt wird, ohne respektiert zu werden und ohne zu respektieren, wenn nicht frei sein kann, wie gefangen ist und doch haltlos… Zeit zu gehen, geneigte Leserschaft. - Exklusiveinsamkeit. Wenn alles gut und glücklich ist und eine einzige unersetzliche Person nicht da ist, dann ist alles grau und ganz genau so wie dieses Wetter zu dieser Schlackerschneezeit und niemand kann etwas dagegen tun; oft ist diese Befindlichkeit unsichtbar und nur bei Herzuntersuchungen zu finden, wenn man weiß wo genau man zu suchen hat.
- Schreibsamkeit. Die Stille und die Löcher im Kopf, die man mit Schreibereien füllen kann. Ohne die kann man gar nicht schreiben, jedenfalls nichts gutes. Man muss das Echo der eigenen Gedanken hören und das geht nur, wenn es still ist und nichts diesen Moment stört.
- Akutes Scharfsein und totale Ausweglosigkeit auf Abhilfe. Das ist so fürchterlich… unerfreulich, das muss ich gar nicht mehr erklären. Höllenqualen. Fiebrige und Schlimmere Phantasien. Also ziemlich dicht dran am Delirium.
Habt ihr eigene Einsamkeiten? Ich bin neugierig.
(Das nächste Mal schreibe ich besser etwas ganz anderes. Vielleicht über Sex?)
Schlagworte: Einsamkeit
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Ja, schreib mal etwas über Sex
Na, deine Kategorien der Einsamkeit klingeln alle aber negativ und traurig angestrichen.
Einsamkeit hat als Wort aber auch schon einen negativen Touch. Wie wäre es denn, es mit Alleinsein zu ersetzen? Da fallen mir direkt mehrere Situationen ein, in denen es absolut schön ist allein zu sein.
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Pingback vom Neue Westfälische - Blogspot zu 20.01.2010 um 14:20:50
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