April 2010

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Angeblich habe ich ja laut Test keine Allergien, trotzdem werde ich termingerecht in Frühling und Herbst von brennenden Augen, laufender Nase, Forenschlafwandeln (!)1, Kopfturbine und kratzigem Hals plus fulminantem Schnupfen fast vollständig außer Gefecht gesetzt. Passt alles, oder? Ich bin inzwischen davon überzeugt, dass ich nicht nur klassischen Heuschnupfen und die seltene Pünktliche Bronchitis habe, sondern auch alles andere mit ähnlicher Symptomatik. Mal geht’s besser und man schöpft Hoffnung, ein paar Stunden später schlechter; man kennt das ja schon – irgendwann ist es überstanden. Das soll also nicht bedeuten, dass ihr nun alle Mitleid mit mir haben sollt.

Eine Sache wurmt mich aber enorm: Ich bin kopfleer im Moment, so dass ich scheinbar über das Internet keine unterhaltsame Konversation mit den Leuten pflegen kann, die mir besonders wichtig sind. Ich mache Pausen. Und wirke möglicherweise desinteressiert und uncharmant auf liebe Menschen, die nicht auf meinem Sofa neben mir sitzen und meine roten Augen sehen – das stört mich sehr. Dabei bin ich gar nicht desinteressiert, im Gegenteil – ich überlege nur wie ich das Richtige richtig sagen soll und bekomme es nicht recht hin. Man will ja auch nichts Falsches stammeln, oder? Und dann ist die Person während dieser endlosen Grübelei offline gegangen. Natürlich.

Also, nach reiflicher Überlegung bin ich anderer Meinung: Ihr dürft natürlich Mitleid haben, aber bitte nicht so laut – mein Kopf tut schließlich bereits weh. Noch besser: Mir Therapievorschläge machen. Am Besten aber keine ernstgemeinten.

Mir geht’s ganz gut, den Umständen entsprechend. Solange ich nicht Medikamente gegen Alles nehme, versteht sich – die würden mich vermutlich in Rekordzeit umbringen.

  1. Fragt nicht. []

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Sonnenstrahlen fallen von hinten auf ihre nackte Schulter und schimmern durch ihr langes, verwuscheltes Haar. Sie schaut mich an und ist still.

Ich frage sie, ob sie traurig ist, oder etwas in der Richtung.

Sie lächelt dieses ganz leichte Lächeln, das nur sie kann.

Und sie sagt:

“Ich schaue dich doch nicht traurig an. Ich schaue dich liebevoll an.”

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Meint ihr, man kann sich einen halben Tag Sonderurlaub nehmen, weil man sich vollgefressen hat und sich nicht mehr rühren kann?

Es wäre unverantwortlich, mich jetzt einfach wieder an die Arbeit zu schicken.

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Ich bin geschichtenvoll und könnte Unmengen schreiben. Leider habe ich keine Zeit und überlege, wie ich diese enorme Energie ins Netz bringen kann.

Wie ein dickes fettes Musclecar mit 500 PS und dicken fetten Reifen, die stinkende schwarze Streifen auf die Straße malen, wenn man nur das Gaspedal anhaucht. Da muss man vorsichtig sein.

Stellt euch das mal vor. Anhauchen. Allein de Verrenkungen, die dazu notwendig sind!

Solch ein Musclecar sind nicht gut für die Umwelt, weil sie so unvernünftig und verfressen sind. Genauso wenig wie man heute deren Durst bezahlen kann, habe ich gerade die notwendige Zeit – der andere wichtige Rohstoff, aus dem Texte entstehen.

Geduld.

Ich soll doch keine fetten schwarzen Streifen bloggen.

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Man sollte niemals etwas Essbares an einer Tankstelle kaufen. Vor allem sollte man es nicht a) essen oder b) es jemandem geben, an dem einem etwas liegt.

Wir waren an jenem schicksalhaften Tage losgefahren. Wir fuhren ohne Frühstück, weil wir – meine unglaublich charmante Fahrerin und ich – es eilig hatten, einen wichtigen Termin zu schaffen, ohne den die deutsche Kulturszene, ganz zu schweigen von der Lokalpolitik und der Struktur des Universums, durchaus erheblichen Schaden erlitten hätte.

Einige Leute hätten sich ausgesprochen unfroh gezeigt, diesen Termin nicht korrekt gekleidet und pünktlich wahrnehmen zu können; die Wichtigste davon saß neben mir im Auto.

Natürlich bekamen wir nach ungefähr 70 Sekunden Hunger.

Natürlich mussten wir noch tanken.

Natürlich waren da sicher verpackte, trügerische Sicherheit ausstrahlende Sandwiches. Was viele vielleicht nicht wissen: Es gibt leckere Sandwiches. Aber es gibt auch finstere Bosheiten aus der Galaxis der Gemeinheiten, die sich nur als leckere Sandwiches tarnen – täuschend echt, will ich hinzufügen – und geduldig in Tankstellen-Kühlregalen auf arglose Opfer warten, um sie der Verdammnis anheim zu stellen.

Natürlich habe ich ein freundlich aussehendes Grillhühnchensandwich-Duo gekauft, welches den Hungertod entscheidend herauszögern könnte und was noch wichtiger war: Die Stimmung der hungernden Fahrerin zu verbessern, angeblich hatte sie nämlich schlechte Laune, wovon ich wenig bemerkte. Aber – geneigte Leserinnen, geneigte Leser – was tut man nicht alles für ein Lächeln, vor allem wenn der eigene Magen ebenfalls knurrt?

2,99€ für ein winziges Butterbrot mag vielleicht unverschämt klingen… aber das ist es dann doch auch unbedingt wert. Auch wenn der Preis unverschämt bleibt.

Dieser Sandwich ist in einer langen Freundschaft das erste Stück Essen, welches augenblicklich und entschlossen von der Fahrerin aufs würdevollste aus dem Fenster entsorgt wurde. Ich kann nicht behaupten, dass ich ihre Meinung nicht teilte: Das Brot fühlte sich merkwürdig tot an, es musste eine Art Zombiebrot mit penetrant-künstlichem Zwiebel oder Paprikageschmackt sein; ich kann mich nicht mehr richtig erinnern. Vom Grillhühnchen schmeckte man rein gar nichts. Schlimmer, das unheilige Zeug hatte nicht nur einen bösen Nachgeschmack, sondern erwies sich auch als außerordentlich unbekömmlich, was den Verdacht auf einen möglicherweise außerirdischen Ursprung erhärte. Ich aß das … Ding… tapfer auf, was ich bereuen sollte.

Die Fahrerin lächelte zwar, aber sie wurde nicht unbedingt sanfter, ganz im Gegenteil. Um 2,99€ ärmer, Magenverunreinigung und eine so ausgehungerte wie unwillige (wenngleich nach wie vor ausgesprochen attraktive) Fahrerin – die Fahrt wurde interessant.

Das meine persönliche Routenfindung möglicherweise nicht ganz die beste Strecke ergeben hatte, wurde nicht positiv aufgenommen, oh nein. Ich versuchte mich zu verteidigen, aber – knapp einer Vergiftung entkommen – setzte sie enorme rhetorische Energien frei. Ich war also geliefert.

Noch dazu hatte ich nichts mit Geschmack zu trinken besorgt, weshalb das fürchterliche Sandwicharoma kaum loszuwerden war. Meine Situation wurde so nicht einfacher.

Es schien ihr zu gefallen. Um ehrlich zu sein, gefiel es mir auch. Sie lächelte ja und funkelte mich an.

Komischerweise konnte sie sich an schrecklich viele Dinge erinnern, die ich am Vorabend in möglicherweise leicht angetrunkenem zustand – angeblich – gesagt hatte.

Möglicherweise hatte ich etwas geäußert, das einer Kritik an ihrem Schreibstil nahe kommen könnte, wenn man mir daraus einen Strick drehen wollte. Sie kann hervorragend Stricke drehen, muss ich zugeben. Bedauerlicherweise genoss ich es etwas zu sehr, mich von ihr einwickeln zu lassen. Oder war das Wort “fesseln”? Egal.

Auch wenn ich den Fehler machte, eine Banane am Steuer als Zwischenmahlzeit vorzuschlagen. Das wäre beinahe mein Ende gewesen..

Ich machte nicht den Fehler, ihren Fahrstil zu kritisieren, den ich ganz zutreffend in etwa als “ausgesprochen sicher, aber aufregend” charakterisierte und bei gewissen kleinen, boshaften Schlenkern und Hände-vom-Lenkrad-Sekunden angstvoll zu quietschen wie ein kleines Mädchen. Das schätzte sie offenbar.

Aber wir redeten auch über seltsame Brüder, explodierende Kühe und Phantomhundung.

Ich glaube, sie mag mich. Ob sie mich noch einmal mitnimmt?

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Versteht mich nicht falsch: Das Netz ist schon eine feine Sache, aber eben auch mängelbehaftet. Es ist schön, Kontakt mit Leuten halten zu können, die verdammt weit weg sind, aber bei manchen Leuten ist es doch eher frustrierend.

Es gibt Leute, mit denen man ganz hervorragend zusammen auf dem Sofa sitzen kann und sich gut unterhält.

Es gibt aber auch Leute, mit denen man ganz hervorragend auf dem Sofa sitzen kann und schweigt.

Das geht in ICQ oder MSN oder Skype gar nicht so gut. Nehmen wir diesen Dialog:

- :-) (Es ist so schön, deinen Namen hier zu lesen. Einfach, dass du online bist. Aber das zu schreiben, zum fünften Mal vor, das ist mir grade doch etwas zu dämlich.)

- :-) (Warum schreibt sie mir nicht mehr, sondern nur noch diese komischen Smileys alle paar Minuten?)

- ;-) (Ich habe gerade gar nichts zu sagen. Aber ich hab dich gern. Ich hab das nur getippt, damit du nicht glaubst, dass ich dich vergessen hätte.)

- :-D (Hoffentlich macht er sich jetzt keine Sorgen mehr.)

- :-) (Sie liebt mich noch!)

- Sag mal, was ist los mit dir?

- Was meinst du?

- :-?

- :-(

Glücklicherweise habe ich solche Dialoge schon lange nicht mehr gehabt, aber auf einem gemeinsamen Sofa mit Real-Echtzeit-Doppelanwesenheitslächel Feature und Tru-Umarmung™ – das geht doch viel besser.

Internet: doof.

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