Mai 2010

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Da hat man mal einen lauschigen, angenehmen Samstagabend bei Herrn Brohms Lesung und dann noch in diversen Lokalitäten im wohltemperierten Bielefeld und erlaubt in einem Moment der Hochstimmung einen Grandprix-Sieg der deutschen Teilnehmerin und dann… ist man irgendwann eingeschlafen. Das ganze kann man durchaus als “gelungen” bezeichnen. Obwohl natürlich etwas fehlte. Darüber will ich hier aber nicht schreiben. Ha!

Das habt ihr nämlich nicht verdient.

Nun, ein solch angenehmer Abend genau dieser Kategorie hat in der Regel unangenehme Folgeerscheinungen – zum einen das Allein Wachwerden und das Aufstehen Weil Hungrig. Und dann, viel später, dann steht man vielleicht sogar wirklich auf. Man weiß ja gut genug, warum man die Sache verzögert – nicht etwa die Bequemlichkeit ist schuld, nein: Man ahnt, dass das Universum einen solch angenehmen Abend nicht ungestraft läßt.

Du stehst auf und stößt dir den Musikantenknochen zur Einstimmung am nächsten Holzgegenstand, schaffst es ohne ernsthafte Knochenbrüche in die Küche, rennst einen Klappstuhl um, der dir das Schienbein vergeblich aber dennoch schmerzlich zu klappen versteht, erlangst das Frühstückschälchen, verstreust Müsli, öffnest den Kühlschrank und schnappst erfolgreich die Milch ohne etwas zu verschütten, drehst dich um und erwischt mit dem Ellenbogen oder deinem persönlichen Kraftfeld glatt dieses eine besonders eihaltige Fach in deinem Kühlschrank, welches sich bereitwillig aus der Halterung löst und die Eier inspiriert, ausnahmslos heftig und erfolgreich aufzuschlagen. Du fährst alarmiert herum und starrst das Katastrophengebiet fasziniert und mit leichtem Schwindel an, schließlich hast du dir dabei schwungvoll den Kopf an der schärfsten Kante der Dunstabzugshaube gestoßen.

Aber ich verzweifle in solchen Situationen nicht, weil ich sie richtig interpretieren kann. Das Universum will mir schließlich nur helfen – immerhin musste ich sowieso die Küche wischen. Außerdem brauche ich nun nicht mehr darüber meditieren, wann ich nun Spaghetti Carbonara koche. Und wenn ich schonmal Müsli aufsammeln muss, dann kann ich gleich auch noch die Arbeitsfläche reinigen. Es ist so hilfreich. Alles hat einen Sinn und eine Funktion, so kenne ich das Universum, schließlich war es doch immer so gut zu mir.

Ich gehe also davon aus, dass die nicht gerade kleine Beule an meiner Schläfe der Preis für die baldige Aktivierung meiner angeborenen Superkräfte sein wird. Bald werde ich euch alle beschützen. Wenn ihr artig seid.

Bin mal gespannt, was das für Kräfte sein werden. Ich kann es kaum erwarten, aber als designierter Beschützer dieses Raumsektors muss man auch mal Geduld zeigen.

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Landsitz

Einige von euch wussten es vielleicht noch nicht,aber diese Personen werden sicher ebenso wie die bereits Eingeweihten erfreut darüber sein, dass ich einen eigenen Landsitz besitze.

Er befindet sich auf dem Anwesen meiner Eltern und ich weigere mich, diesen feinen Ort – mit einer gepflegten Sicht auf den Himmel – einfach profan als Veranda oder Freisitz zu titulieren. Immerhin habe ich immer noch meinen Zweitwohnsitz hier und mir reicht es, anstelle meines alten Zimmers gelegentlich den Liegestuhl in Anspruch zu nehmen. Es sind ja oft die kleinen Privilegien, die über alle Maßen angenehm sind.

Nebenan liegt die Katze und schläft offiziell seit vielen Stunden; inoffiziell stehe ich unter strengster Beobachtung durch fast unsichtbar doch noch geöffnete Katzenlider. Ich sollte wohl meine Steuererklärung oder ein paar der noch ausstehenden Berichte machen, aber das ist dem Wetter gegenüber wirklich unangemessen, findet ihr nicht? Ich lese P.G. Wodehouse und lerne alle paar Absätze neue Vokabeln. Marrick, shiftless, vapid… Namen wie Cyril Baddington-Baddington, Lord Strathmorlick, Miss Braythwayt etwa oder Honoria Glossop

Außerdem überlege ich, ob ich vielleicht doch einen Kammerdiener wie Jeeves brauchen könnte. Eigentlich hätte ich genug Weisheit um mich herum, vor allem Weibliche. Ich frage die Katze, deren Ohren sich verdächtig oft argwöhnisch in meine Richtung drehen.

Die Katze gähnt.

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Blütenmeer

2010-04-27_17-45-45_66.jpg So langsam wird es ja angeblich wieder wärmer – und es darf noch viel wärmer werden, finde ich. Schließlich ist es nicht einmal drei Wochen her, seitdem es vor meiner Haustür genau so aussah.

Wenn es nach mir ginge, dann könnte man genau da wieder ansetzen, wenn man schon so etwas wie “Frühling” oder “Sommer” einplant.

Ich habe nämlich Pläne, müsst ihr wissen.

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Als Kind haben ich sehr gern Comics gelesen, zuerst Petzi, dann Micky Maus und natürlich Yps1 und wenig später Asterix – das war weitgehend geduldet, weil es den Ruf hatte anspruchsvoll und leicht intellektuell zu sein. Die anderen beiden bedeuteten meistens schräge Blick – die Hefte galten damals noch als Schund und ich schämte mich, große Teile meines Taschengelds für sie auszugeben.

Das lag weniger an meinen Eltern als an meinem Opa, der Comics nicht mochte – um es mal ganz diplomatisch auszudrücken. Mein Großvater war generell eher mürrisch eingestellt und machte nur für Familienmitglieder Ausnahmen; er war aber auch nicht gerade einfach, wurde schnell wütend und war nachtragend wie kein Zweiter. Das bedeutete, dass er für mich automatisch der Größte gewesen wäre, wenn er diesen Rang nicht bereits durch seine Geschichten über heldenhafte Tiere und deren Abenteuer mit selbstgebauten Flugzeugen erreicht hätte.

Die Spinne 191

Exakt dieses Heft.

Bei einem Besuch hatte ich einen geheimen, wertvollen und überaus peinlichen Schatz unter meiner Windjacke versteckt als ich ihn besuchte – nämlich einen Spider-Man Comic, der damals hierzulande noch “Die Spinne” hieß. Noch dazu ein Heft mit einem besonders aufgebläht-muskulösem Covermotiv. Ich half ich beim Nachtanken des Rasenmäher oder etwas in dieser Art, jedenfalls kam ich eine Situation, in der ich nicht unbedingt meinen Schatz aus der Jacke verlieren und mit Zweitaktmischung übergießen sollte – noch dazu vor den Augen meines Großvaters.

Ich war doch schon 14 und sowas von blamiert.

In solch einem Moment zieht vielleicht nicht unbedingt das bisherige Leben vor dem inneren Auge vorüber, aber du merkst schon wie du dunkelrot wirst; dein Gesicht wird so heiß, dass es andere Leute bestimmt merken müssen. Mein Blick senkte sich in Richtung Boden.

Sein Blick auch.

Für eine Minute.

“Hm.”, machte er dann.

“Dann hol ich mal die Verdünnung und wisch das Zeug runter, sonst kannst du das ja gar nicht mehr lesen, oder?”

Das machte er dann auch genau so, wischte jede einzelne Seite mit Nitroverdünnung ab, seinem bevorzugten Reinigungsmittel. Danach stank dann die gesamte Werkstatt und natürlich erst recht das Heft – ob das nun besser oder schlechter als der Fleck war, kann ich nicht genau sagen.

Es gab gar keinen fiesen Spruch, keinen einzigen Blick.

Ein ziemlich gutes Gefühl. Ein großartiges Gefühl.

Das Heft habe ich noch, nehme ich an – es liegt wohl irgendwo auf dem Dachboden meiner Eltern und riecht immer noch nach Nitro.

  1. Yps nur wenn das Gimmick auch wirklich beeindruckend war, natürlich. []

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Auspacken

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Mal ehrlich, geneigte Leserinnen und geneigte Leser – es gibt wenige Sachen, die mir so ausgesprochen viel Spaß machen wie auspacken. Da ich nun nicht allerbeste weibliche Gesellschaft habe – genauer gesagt habe ich gar keine Gesellschaft – sind Pakete und Päckchen die nächstbeste Auspackalternative für mich.

Für mich ging es heute morgen los, als ich nicht Nachricht darüberbekam, dass meine Sendung nicht in die Packstation passte – ich las es auf der Paketverfolgungswebseite. Exzellent, dachte ich – immerhin ließ das doch vermuten, dass mir eine fulminante Auspackungorgie bevorstand.

Zuvor galt es jedoch, die ausgesprochen giftige Dame von der Post zur Herausgabe meines Paketes zu bewegen, die sich gar nicht wieder einbekam vor lauter Vorhaltungen. Was ich mir denn erlauben würde, so große Pakete in die Packstation packen zu wollen, warum ich denn meine Goldkarte1 nicht augenblicklich auf den Tisch gelegt hätte und wie ich das in Zukunft zu tun hätte. Meine schwachen Verteidigungsversuche wie “Ich weiß ja auch nicht, wie viele Bestellungen Amazon zusammenfasst und wie groß der Karton dann ist” stießen auf taube Ohren. Ihre Verachtung war sowohl über- als auch unterschwellig und noch dazu zwischen den Zeilen angesiedelt, es war eine massive Breitseite ausgeprägter Verachtung, die man wohl in dieser Form fast nur bei Postlern findet. Vielleicht missfiel ihr ja auch, dass mein Paket lässige 25 Kilo wog? Wer weiß, ich für meinen Teil war froh, endlich meine Lieferung auf der geliehenen Sackkarre zum Auto schaffen zu können.

Ah, auspacken.

Ah, ein weiteres Stück Heimkino… endlich in meinem Klauen.

Ah, die gerade frisch aufgeräumte Wohnung, die nun komplett mit Karton, Styropor und klebrigstem Klebeband verziert ist.

  1. Ja, sowas haben wir Packstationierten. Ich wußte nur noch nicht, dass man das Ding Goldkarte nennt. []

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Da habe ich mal einige wenige Tage frei – vier davon wirklich Urlaub – da denke ich schon nach dem ersten, dass 14 Tage ja viel besser wären. Nicht zuletzt weil die Übergabe meiner Fälle an Kollegen wie immer einige Stunden Arbeit kostete.

Egal, ich trinke einfach meinen Milchkaffe und versuche nicht an die vielen Termine zu denken, die sich ohne zu fragen in meine Woche gequetscht haben und sich nun weigern, sich abgesagen zu lassen. Bei Arbeitsterminen habe ich wenigstens nicht mit Versicherungsmaklern zu tun. Brrr.

Außerdem scheint die Sonne scheinbar nur während meiner Arbeitszeit. Was soll das, hm?

Aber ich will mich nicht beklagen, nicht einmal weil ich aufgrund eines vergessenen Netzteils diesen Beitrag auf meiner winzigen Handytastatur tippen muss. Nein, das ist mir fast egal.

Nichtstun und vielleicht noch einen ganz tollen Besuch machen, das ist es wert. Liegen bleiben und es so gar nicht betreuen.

Letzte Nacht habe ich davon geträumt, wie eine Armee aus original kanadischen Mounties und Punks auf Inlinern einen glorreichen Sieg gegen das Böse erkämpften, während ich Sex hatte. Da hat sich offensichtlich einiges an Spitzenphantasien aufgestaut und das war noch die Anständigste. Ich schreibe also besser nicht weiter…

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