Da hat man mal einen lauschigen, angenehmen Samstagabend bei Herrn Brohms Lesung und dann noch in diversen Lokalitäten im wohltemperierten Bielefeld und erlaubt in einem Moment der Hochstimmung einen Grandprix-Sieg der deutschen Teilnehmerin und dann… ist man irgendwann eingeschlafen. Das ganze kann man durchaus als “gelungen” bezeichnen. Obwohl natürlich etwas fehlte. Darüber will ich hier aber nicht schreiben. Ha!
Das habt ihr nämlich nicht verdient.
Nun, ein solch angenehmer Abend genau dieser Kategorie hat in der Regel unangenehme Folgeerscheinungen – zum einen das Allein Wachwerden und das Aufstehen Weil Hungrig. Und dann, viel später, dann steht man vielleicht sogar wirklich auf. Man weiß ja gut genug, warum man die Sache verzögert – nicht etwa die Bequemlichkeit ist schuld, nein: Man ahnt, dass das Universum einen solch angenehmen Abend nicht ungestraft läßt.
Du stehst auf und stößt dir den Musikantenknochen zur Einstimmung am nächsten Holzgegenstand, schaffst es ohne ernsthafte Knochenbrüche in die Küche, rennst einen Klappstuhl um, der dir das Schienbein vergeblich aber dennoch schmerzlich zu klappen versteht, erlangst das Frühstückschälchen, verstreust Müsli, öffnest den Kühlschrank und schnappst erfolgreich die Milch ohne etwas zu verschütten, drehst dich um und erwischt mit dem Ellenbogen oder deinem persönlichen Kraftfeld glatt dieses eine besonders eihaltige Fach in deinem Kühlschrank, welches sich bereitwillig aus der Halterung löst und die Eier inspiriert, ausnahmslos heftig und erfolgreich aufzuschlagen. Du fährst alarmiert herum und starrst das Katastrophengebiet fasziniert und mit leichtem Schwindel an, schließlich hast du dir dabei schwungvoll den Kopf an der schärfsten Kante der Dunstabzugshaube gestoßen.
Aber ich verzweifle in solchen Situationen nicht, weil ich sie richtig interpretieren kann. Das Universum will mir schließlich nur helfen – immerhin musste ich sowieso die Küche wischen. Außerdem brauche ich nun nicht mehr darüber meditieren, wann ich nun Spaghetti Carbonara koche. Und wenn ich schonmal Müsli aufsammeln muss, dann kann ich gleich auch noch die Arbeitsfläche reinigen. Es ist so hilfreich. Alles hat einen Sinn und eine Funktion, so kenne ich das Universum, schließlich war es doch immer so gut zu mir.
Ich gehe also davon aus, dass die nicht gerade kleine Beule an meiner Schläfe der Preis für die baldige Aktivierung meiner angeborenen Superkräfte sein wird. Bald werde ich euch alle beschützen. Wenn ihr artig seid.
Bin mal gespannt, was das für Kräfte sein werden. Ich kann es kaum erwarten, aber als designierter Beschützer dieses Raumsektors muss man auch mal Geduld zeigen.

So langsam wird es ja angeblich wieder wärmer – und es darf noch viel wärmer werden, finde ich. Schließlich ist es nicht einmal drei Wochen her, seitdem es vor meiner Haustür genau so aussah.


Kommentare