Ich hatte mir vorgenommen, hier häufiger meinen Lesestoff zu besprechen – aber der letzte Text zum Thema ist schon eine Weile her. Das hat damit zu tun, dass ich neue Bücher gern einfach beginne und sie dann nicht bis zum Ende lese; das kann verschiedene Gründe haben – meistens hängt es mit meiner Stimmung zusammen oder auch mit einer aktuellen geistigen Leistungsfähigkeit. Es gibt Morgenbücher, Mittagsbücher und Abendbücher, Strandbücher und Bände, die man bei Mondlicht lesen sollte. Andere wiederum sind nur bei Kerzenschein richtig gut, weitere gehen am besten mit einem guten Drink und einige mit Keksen.
Diese Bücher liegen auf verschiedenen Tischen und warten darauf, dass ich sie wieder aufschlage:
Die Königstochter aus Elfenland von Lord Dunsany ist ein Buch zum Vorlesen und es unterscheidet sich von den folgenden Büchern darin, dass ich es bereits ein paarmal durch habe.
Es ist ein wundervolles Buch und es ist immer gut, es griffbereit zu haben – Ich lese sehr gern vor, komme aber nur selten dazu und daher ist wohl gut, stets den richtigen Stoff in Reichweite zu wissen. Es blumig, zauberhaft und voller Schnörkel. Ein Stoff wie Portwein und man sollte nicht zuviel auf einmal davon genießen – sonst könnte man es sehr bald bedauern.
Ich war immer ein Fan von Neal Stephenson, aber Quicksilver hat mich doch sehr enttäuscht. Es ist ein gewichtiger Historienwälzer rund um den Aufstieg der Wissenschaft im 17./18. Jahrhundert geworden und hat eigentlich alles, was die anderen Bücher des Autors auszeichnet – die großen Ideen, den feinen Humor, die tollen Charaktere – aber für mich sind Stephensons Schwächen wie gelegentliche Langatmigkeit und sklavisches Abarbeiten seines durchgeplanten Plots dieses Mal viel stärker ausgeprägt. Ich weiß nicht recht, ob ich das Buch je weiterlesen will – ich müsste wohl gleich wieder von vorn anfangen, um wieder in die Handlung zu finden. Schade eigentlich: Ich bin sicher, am Ende würde es sich wieder einmal lohnen. Ein Buch zu dem man besser eine große Kanne Tee kocht.
Davon unterschiedlich ist Edgar Hilgenraths Der Nazi & der Friseur – es ist zwar ebenfalls ein Stoff der mit Geschichte spielt, aber das Leben von Max Schulz, dem aufstrebenden jungen Friseur mit dem Dachschaden, der im KZ Massenmörder wurde und nach dem Krieg in Tel Aviv seinen alten Beruf wieder aufnimmt – ist nicht nur etwa zwei Drittel kürzer, sondern auch sonst anders. Das Buch ist so obzön wie es klingt und so muss es auch sein - grotesk, derb und sehr, sehr schlau - noch dazu oft sehr komisch. Das macht es noch beunruhigender als es sowieso schon wäre. Ich habe es als Strandlektüre begonnen und ohne eine gute Dosis Sonne ist das eher unverdaulicher Stoff, der – etwa vor dem Einschlafen verabreicht – zu sehr üblen Träumen führen könnte.
Ein großartiges Buch - eines das ich mit Sicherheit zuende lesen werde. Ich habe es mehr oder weniger zufällig in die Hände bekommen und es ist eine der Leihgaben, bei denen jeder Tag ohne gelesene Seiten mir ein schlechtes Gewissen macht. Ein wichtiges Buch, dass sich zudem gut und spannend lesen lässt.Wie bereits erwähnt empfiehlt sich Tageslicht als Beilage zur Lektüre.

Die andere, ältere Leihgabe ist ein großes, schweres, dickes Buch und verzögert die Rückgabe des Hilgenrath. Es handelt sich um Jonathan Strange und Mr Norrell von Susanna Clarke. Es handelt von zwei Magiern und ihrer Bekanntschaft in einem England das es so wohl nie gegeben hat – aber es hätte mir gefallen, wenn es so ein England einmal gegeben hätte. Kein Buch das mit einer besonders spannenden, atemberaubenden Handlung glänzen kann, aber das ist auch gar nicht seine Absicht: Es ist ein schönes Buch, voller Stimmung, voller schräger Charaktere, wilder Situationen, grandiosem Humor und einer Menge Zauber neben all der Magie.
Genau diese Eigenschaften machen es eher zu einem Buch das man bewohnt als eines das einen vorantreibt, es unbedingt weiter zu lesen. So komme ich nur sehr langsam voran. Es ist ein Buch, das man am besten mit Keksen und schöner Musik genießen, wohl am ehesten etwas für kalte Wintertage – mit solch einem Band kann man sich ganz beruhigt einschneien lassen. Ich lese sicher weiter darin, denn bei Regentagen ist es ebenso empfehlenswert. Angenommen, der Bielefelder Westen wäre durch eine Überschwemmung von der Außenwelt abgeschnitten …

Vor mehr als einen Jahr habe ich Artemis Fowl – Das Zeitparadox geschenkt bekommen und es gar nicht angefangen zu lesen. Ich hatte gleich ein schlechtes Gewissen – wenn ein Buch schon gleich an mich denken lässt und es dann verschenkt wird – dann kommt das von Herzen. Meine Freundinnen und Freunde sind gute Schenker und manche von ihnen sind sogar hervorragende Schenker, denen man vertrauen sollte.
Nun hab ich es doch angefangen und ich muss sagen: Es gefällt mir. Ich habe es wohl verschoben, weil mich die ganze Aufmachung und Titelgebung schwer an Harry Potter erinnerten. Das ist vielleicht nicht ganz fair, aber auch nicht ganz unbegründet: Artemis Fowl ist kein Magier, er ist Wissenschaftler – auch wenn er ganz entschieden minderjährig ist. Außerdem ist er sowas wie ein Erzschurke. Noch dazu: Stichwort Zeitparaxon! Für mich als Freund von Doctor Who ein klarer Pluspunkt. Ich glaube, die andern Schinken werden noch eine Weile liegen bleiben und Mr. Fowl jr. wird erst einmal meine Aufmerksamkeit bekommen. Passt gerade ganz gut.
Man liest ihn wohl am besten im Bett oder im Sofa, schätze ich. Übrigens fehlt noch eine Widmung, die hätte ich gern irgendwann einmal nachgetragen (So etwas gehört in Büchergeschenke, oder? ). Das hier ist ein Buch, zu dem besonders gut die fantastischen Importweingummis aus Holland schmecken.
Wenn man nach dem Anklicken der Links in diesem Beitrag auf Amazon ankommt und dann etwas kauft, bekomme ich einen (kleinen) Anteil.
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